4,3 min readPublished On: 15. März 2022By Tags: , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du, was ein Gobelin ist?

Ein Teppich gehört doch auf den Boden, oder?

Heute geht es um einen Begriff, den ich noch nie zuvor gehört habe.

„Fangen Sie gleich an, die Gesamtheit Ihres Lebens als Bildteppich, als wunderschönen Gobelin zu betrachten, den es zu entdecken gilt.“

Diesen Satz habe ich bei

Wayne W. Dyer: Wirkliche Wunder: Wie man scheinbar Unmögliches vollbringt, S. 26

gelesen.

Der Autor verrät uns mit diesem Satz auch schon, was ein Gobelin ist. Normalerweise hätte ich nun keinen Grund mehr, über den Begriff zu schreiben.

Doch die Sache mit dem Teppich macht mich neugierig. Denn auch wenn ich selbst keinen einzigen Teppich besitze, so weiß ich doch, dass Teppiche nicht immer nur den Boden eines Raumes bedecken. In Moskauer Wohnungen hängen Teppiche gern auch an den Wänden. Und es gibt sogar Menschen, die Teppiche für so etwas Besonderes halten, dass sie diese als Hochzeitsgeschenk auswählen.

Ich hoffe mit meiner heutigen Recherche, meine Wissenslücke in Bezug auf Teppiche zu schließen. Vielleicht verstehe ich am Ende dieses Beitrages endlich, warum Menschen noch immer viel Geld ausgeben, um einen handgewebten statt einen industriell hergestellten Teppich zu kaufen.

Doch lass uns einen Schritt nach dem anderen machen und mit dem Griff nach unserem Lexikon beginnen.

Was das Lexikon sagt

Wie sieht der wohl aus?

Unser Lexikon bestätigt die Aussage unseres Autors und verrät uns, woher der Gobelin seinen Namen hat:

Gobelin [ɡobəˈlɛ̃ː, frz. [ɡɔˈblɛ̃], der; -s, -s (frz. gobelins (Pl.), wohl nach dem Eigenn. les Gobelins einer frz. Teppich- u. Kunsttapetenfabrik): Wandteppich mit eingewebten Bildern: kostbare, schwere -s; einen G. wirken, weben.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 938.

Zu wissen, dass ein Gobelin ein Teppich ist und dass dieser von der gleichnamigen Firma produziert wurden, ist großartig, doch genügt das allein nicht, um eine genaue Vorstellung von einem solchen Teppich zu bekommen. Lass uns doch einmal schauen, ob das Internet uns an dieser Stelle weiterhelfen kann.

Was das Internet sagt

Das Besondere an einem Gobelin, der in Les Gobelin entsteht, ist, dass er ein Gemälde als Grundlage hat. Das Unternehmen wurde 1607 gegründet und wurde einige Jahrzehnte später vom französischen Königshaus übernommen und weitergeführt. Les Gobelin existiert noch immer und befindet sich auch heute noch im Besitz des französischen Staates. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Charakter von Les Gobelin allerdings gewandelt. Noch heute werden hier Teppiche gefertigt, doch im Zentrum der historischen Location stehen heute die Ausbildung von Teppichwebern und die Ausstellung der wertvollen Teppiche im eigenen Museum.

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Dieses YouTube Video schenkt uns einen Blick hinter die Kulissen von Les Gobelin. Wie vor Hunderten von Jahren entstehen die Teppiche noch immer von Hand, allerdings haben sich die Motive der Gemälde, die als Vorlage für die Teppiche dienen, gewandelt. Statt historischer Szenen, auf denen Adlige zu sehen sind, entstehen hier heute auch Teppiche nach abstrakten zeitgenössischen Motiven.

Doch nicht nur die Webtechnik eines Gobelins ist aufwendig und teuer. Auch bei der Auswahl des Materials scheute das Unternehmen keine Kosten. So wurden nicht nur mit handgefärbten Woll- und Seidenfäden sondern auch mit Gold und Silberfäden gearbeitet, um den Wohlstand des Teppichbesitzers zu zeigen. An dieser Stelle verstehe ich nun zum ersten Mal, warum Teppiche auch als Geldanlage gesehen werden. Denn zumindest diese Gobelins haben einen Edelmetallwert, obwohl dieser verglichen mit dem Wert der Arbeit, die in einem solchen Teppich steckt, marginal sein dürfte. Denn bis heute kann die Fertigung eines Teppichs mehrere Jahre dauern.

Gobelin aus Sachsen

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Dank meiner Recherche habe ich gelernt, dass es auch Gobelin-Stoffe gibt. Diese werden verwendet, um historische Möbel zu restaurieren. Laut dieses YouTube Videos gibt es in Sachsen ein Unternehmen, dass Gobelinstoffe bis heute auf traditionelle Art fertigt. Verglichen mit einem Gobelin-Teppich, entstehen diese Stoffe dank automatischer Webkarten, deren Muster von Lochkarten ablesen werden, in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit von 5 Metern pro Tag pro Webstuhl. Verglichen mit einem heutigen Webstuhl ist dies allerdings noch immer unglaublich langsam.  Zum Vergleich: Die Firma Starlinger aus Wien bewirbt eines Ihrer Produkte auf ihrer Webseite mit folgendem Satz

„45.000 Rundwebmaschinen von Starlinger produzieren jährlich bei ca. 900 Kunden weltweit mehr als 35 Milliarden Meter Gewebe.“

Fazit

Heute haben wir wieder einmal gesehen, wie viel Wissen sich in einem Gegenstand verbergen kann, der eigentlich schon erklärt wurde. Mein Wissensdurst in Bezug auf Teppiche wurde gestillt, und ich kann nun besser verstehen, warum zahlreiche Menschen handgewebten Teppichen einen hohen Wert beimessen.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Würdest Du Dir einen Gobelin von Les Gobelin zulegen, wenn er käuflich erwerbbar wäre und in Deinem Budgetrahmen liegen würde?