Weißt Du, was eine Mätresse ist?

Heute geht es um einen Begriff, der mir schon oft begegnet ist. Ich weiß, dass eine Mätresse eine Frau ist, doch mehr weiß ich nicht. Da mir der Begriff nur in Büchern und Filmen, nicht aber in persönlichen Gesprächen begegnet ist, hatte ich bis heute keine Gelegenheit, meine Wissenslücke diesbezüglich zu stopfen. In dem Roman von

Ein Mensch schaut irritiert von rechts nach links. Über ihm befindet sich eine leere Denkblase.
Das ist doch eine Frau, oder?

Guy de Maupassant: Bel-Ami

taucht eine gerissene Mätresse auf:

„Oh, eine ganz gerissene, die es hinter den Ohren hat! Sie ist die Mätresse eines alten Lebemannes namens Vaudrec. Graf de Vaudrec, der ihr eine Mitgift gegeben und sie verheiratet hat…“

S. 78.

Ich bin mir sicher, dass unser Lexikon weiß, was es mit dem Begriff auf sich hat.

Was das Lexikon sagt

Ja, unser Lexikon kennt diesen alten Begriff.

Mätresse [frz. »Herrin«] die, Geliebte: im 17. und 18. Jh. die anerkannte, oft einflussreiche Geliebte eines Fürsten.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1529.

Mä|tres|se, die; -, -n [frz. maîtresse, eigtl. = Herrin, zu: maître, ↑ Maître): 1. (früher) [offizielle] Geliebte eines Fürsten. 2. (abwertend) Geliebte bes. eines verheirateten Mannes.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 09, S. 401.

Eine Mätresse ist also eine Geliebte. Wenn sie die Geliebte eines einflussreichen Fürsten ist, hat sie Einfluss. Ist sie dagegen die Geliebte eines verheirateten Mannes, ist sie etwas Schändliches. Lass uns doch einmal schauen, ob uns das Internet verraten kann, wie es zu diesem krassen Unterschied im Ansehen kam.

Sach mal, was genau hast Du an „Dich knechten“ nicht verstanden?

Was das Internet sagt

Auf der Webseite des Schlosses Ludwigsburgs werden drei Mätressen benannt. Zudem erfahren wir, dass Mätressen eine Erscheinung des Absolutismus waren. Das Problem des Mätresse-Seins bestand darin, dass der Einfluss nur so lange hielt, wie der Fürst Interesse an der Frau hatte. Entdeckte dieser eine andere Frau, die er zur Mätresse machen wollte, gingen Titel und Einfluss auf diese über.

Wir erfahren auch, dass Mätressen am Hof ein Phänomen des Absolutismus waren. Das erklärt auch, warum Mätressen nichts Skandalöses waren. Der Fürst im Absolutismus stand über den Gesetzen. Für ihn galten also nicht die gleichen Ehespielregeln wie für seine Untertanen. Für letztere galten die Gesetze, dementsprechend war die Geliebte eines verheirateten Mannes nicht anerkannt, denn für ihn galten laut der Webseite scheidung.de die Regeln der katholischen Kirche:

„Die katholische Kirche des Mittelalters beurteilte die Ehe als eine Institution göttlichen Rechts. In der Konsequenz beanspruchte die Kirche im Hinblick auf die Schließung und die Auflösung einer Ehe die ausschließliche Zuständigkeit für die Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit.“

Fazit

Dank unseres Lexikons weiß ich nun, dass eine Mätresse eine Geliebte war. Das erklärt dann auch meine Wissenslücke. Ich lehne das Konstrukt Ehe für mich ab. Ich möchte eine Beziehung jederzeit starten und beenden können. Anderen Menschen zu erklären, warum ich mich trenne, und mit Anwälten irgendwas ausdiskutieren zu müssen, ist für mich eine nervige Vorstellung. Ich bin eine eigenständige Person. Ich freue mich über einen Menschen an meiner Seite. Doch wenn wir uns nur noch auf den Keks gehen, ist es okay zu gehen. Menschen entwickeln sich weiter, und wenn es die Beziehung auch tut, ist das perfekt, wenn nicht, passt es halt einfach irgendwann nicht mehr.

Die Vorstellung, dass es Ehefrauen gab, die verschmäht irgendwo geparkt wurden, damit der Ehemann Mätressen nachjagen konnte, macht mich fertig. Hätten beide das Recht gehabt, wäre das ja okay gewesen, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Frauen diese Freiheit nicht hatten. Mehrere Partner zu haben ist in meinen Augen völlig okay, wenn das Recht dazu für beide Teilnehmende einer Beziehung gilt.

An dieser Stelle bin ich neugierig: Wie stehst du zu dem Konstrukt Ehe?

18. Mai 2026
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Buchcover zum Beitrag
Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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Ein Mensch schaut irritiert von rechts nach links. Über ihm befindet sich eine leere Denkblase.
3,5 min readCategories: Bücher, Wissen

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Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.

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18. Mai 2026
Ein nachdenklicher Vampir.Weißt Du, was eine Kuratel ist?
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