Weißt Du was Insubordination ist?

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Diesen Befehl führe ich nicht aus.

Wenn ich diesen Begriff höre, denke ich an eine Polizei und an einen Menschen, der ungehorsam war. Vermutlich liegt das daran, dass mir der Begriff in der Regel in Filmen oder Serien begegnet. Zum Glück ist er mir nun auch in

Klaus Schuster: Der freche Vogel fängt den Wurm. 7 überraschende Führungsprinzipien für mutige Manager

begegnet und dabei ist mir aufgefallen, dass ich mir gar nicht sicher bin, ob Insubordination wirklich Ungehorsam bedeutet. Daher freue ich mich nun darauf, gemeinsam mit Dir herauszufinden, was Insubordination bedeutet.

Nicht ganz so wilde Bedeutungsspekulation

Zwei Silben stechen mir ins Auge, wenn ich Insubordination lese:

  1. Sub – Diese Silbe steckt auch im englischen Wort submarine (U-Boot). Sub steht also vermutlich für „unter“.
  2. Ordina(re) – Fühlt sich nach einem italienischen Wort an. Da mein italienisch gerade einmal reicht, ein Eis zu bestellen, kann ich nur vermuten, dass „ordinare“ befehlen bedeutet.

Mit etwas Fantasie lässt sich also sagen, dass diese beiden Silben zusammengenommen bedeuten, dass ein Befehl unterwandert wird. Ich kann mir allerdings keinen Reim auf die Anfangssilbe „In“ machen. Doch wozu gibt es Lexika?

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon heute einen passenden Beitrag für uns bereit:

Insubordination [auch:‘——-], die; -, -en [aus] lat. in- = un- u. ­Subordination] (bildungsspr.): Ungehorsam, Verweigerung des Gehorsams gegenüber [militärischen] Vorgesetzten; mangelnde Unterordnung.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1198.

Mit dem Gefühl, dass Insubordination Ungehorsamkeit bedeutet lagen wir also goldrichtig. In Sachen Bedeutungsspekulation lagen wir mit der Vermutung „unterwandert“ auch nicht ganz falsch. Denn einen Befehl zu „unterwandern“ kommt einer Verweigerung von Befehlen oder des Gehorsams zumindest nahe.

Zum Glück gibt es noch einen Eintrag.

An dieser Stelle wissen wir nun, was Insubordination bedeutet. Doch das Lexikon beantwortet uns an dieser Stelle nicht all unsere Fragen (zum Glück bedeutete der Pfeil, dass unser Lexikon in einem weiteren Eintrag eine Antwort für uns parat hat) und wirft sogar eine neue auf:

Lass uns an dieser Stelle noch die Subordination nachschlagen und herausfinden was es mit dieser auf sich hat:

Subordination, die; -, en [2, 3: mlat. Subordinatio, aus lat. sub = unter u. ordinatio, ­Ordination]: 1. (Sprachw.) Hypotaxe. 2. (bildungsspr.) das Unterordnen (einer Sache unter eine andere): die S. der Teile unter das Ganze. 3. (veraltend) a) Unterordnung, das Sichunterordnen; [unterwürfiger] Gehorsam, bes. gegenüber einem militärischen Vorgesetzten: S. unter den Willen des anderen; b) untergeordnete, abhängige Stellung.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2260.

Das ist es! Subordination ist also das stumpfe Befolgen von Befehlen. Insubordination besagt, dass ein Mensch nicht bereit ist einen Befehl zu befolgen.

UPDATE: 22.07.2020 @GerritBeine gab heute auf Twitter den Hinweis, dass es laut Simon Scarrow beim Militär nicht um stumpfen Gehorsam geht, sondern darum, unter Stress und Unsicherheit als Gruppe verlässlich zu handeln. Stumpfer Gehorsam, ist laut L. David Marquet ein Nebeneffekt in weniger guten Militärorganisationen ist.

Fazit

Diskutieren im Krieg war keine gute Idee.

Jetzt verstehe ich es endlich. Die – ganz ganz – alte Welt brauchte Menschen, die sich unterordneten, damit Top-Down-Strukturen perfekt funktionieren.  Werfen wir an dieser Stelle zum Beispiel einen Blick auf das Militär. Hier war es in Kriegen in denen Männer gegen Männer kämpften wichtig, dass die Soldaten das taten was ihnen gesagt wurde, damit ein Angriff funktionierte. Hätten diese im Krieg erst einmal diskutieren wollen, hätten sie den Einsatz mit noch sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht überlebt.

Die neue Welt braucht – für mein Gefühl – mehr Insubordination. Sie braucht Menschen, die den Mut haben, einen in ihren Augen sinnlosen Prozess in Frage zu stellen, nach einer besseren Lösung zu suchen und diese hörbar zu kommunizieren.

Wurde der Urlaubsantrag schon genehmigt?

In meiner Wahrnehmung ist eine Insubordination nicht so negativ, wie sie in der Regel dargestellt wird. Ich glaube, dass Ungehorsam wichtig ist, weil er verhindert, dass Führungskräfte lange Zeit in die falsche Richtung laufen, und weil er dafür sorgt, dass die richtigen Fragen gestellt werden. Doch die Sache mit dem Ungehorsam ist die: Wir brauchen ihn in der richtigen Dosis. Wenn jeder sein Ding macht und nicht mehr darauf achtet, was die anderen tun und dass am Ende alles zusammenpasst, entstehen andere Probleme. Wichtig ist es, sinnlose Dinge in Frage zu stellen, die sich immer wiederholen. Wenn also der Urlaubsantrag in der eigenen Firma von sieben Menschen unterzeichnet werden muss und damit dafür sorgt, dass Urlaub beantragen ein Staatsakt wird, dann ist es Zeit für Subordination und die Frage, ob sich dieser Prozess nicht deutlich smarter organisieren lässt.

Und nun bin ich neugierig: Wie ist Deine Erfahrung mit Subordination? Hast Du schon einmal subordiniert? Hat einer Deiner Mitarbeiter subordiniert? Was war das Ergebnis?