Weißt Du was kaprizieren bedeutet?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Campus Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Was könnte das bedeuten?

Bei manchen Menschen, die ich kenne, gehört das Wort „kaprizieren“ zum alltäglichen Wortschatz. Aus diesem Grund bin ich etwas verwundert, dass ich auch bei längerem Grübeln nicht auf die Bedeutung des Wortes komme, über das ich dank

Gunter Dueck: Heute schon einen Prozess optimiert?. Das Management frisst seine Mitarbeiter

gestolpert bin. Jetzt frage ich mich, ob ich die Bedeutung von kaprizieren noch nie erfragt habe, oder ob ich die Bedeutung zwar erfragt habe, aber sie mir nicht merken konnte. Vielleicht werden wir auch diese Antwort im Rahmen der Recherche finden, die jetzt beginnt.

Wilde Bedeutungsspekulation

Heute bin ich mir sehr sicher, dass es sich bei kaprizieren um einen weniger schmeichelhaften Begriff handelt. Doch das ist schon alles an „Wissen“, das dieser Begriff in mir wachkitzelt. Lass uns mal schauen, was passiert, wenn wir den Begriff in seine Einzelteile zerlegen und nach passenden Worten suchen:

Hat das was mit Affen zu tun?
  • Ka – Kapitäne, Kamele, Kaufmänner, Kardinäle
  • pri – Prinz, Prinzip, prima, Primat, Primus
  • zieren – zieren

Schon auf den ersten Blick sehe ich, dass sich aus diesen Worten mit etwas Fantasie sehr viele Sätze bauen lassen. Lass uns mal schauen, ob einer von diesen Sätzen eine schöne Basis für die Spekulation bietet:

  1. Die Kamele des Prinzen zieren sich.
  2. Kapitäne zieren sich im Prinzip vor dem Wasser.
  3. Kaufmänner zieren sich mit Primaten.
  4. Kardinäle zieren sich prima.

Aufgrund seiner Doppeldeutigkeit bin ich ein Fan des vierten Satzes, der sowohl bedeuten könnte, dass Kardinäle sich prima schmücken, als auch, dass sie sich prima zurückhalten. Für unsere wilde Bedeutungsspekulation erwähle ich diesen Satz. Ob diese völlig an den Haaren herbeigezogene Spekulation etwas mit der wahren Bedeutung zu tun hat, wird uns jetzt unser Lexikon verraten.

Was das Lexikon sagt

An manchen Tagen ist die Suche nach einer Wortbedeutung der Beginn einer kleinen Reise durch die unterschiedlichen Sprachen dieser Welt. Solch ein Tag ist heute. Jeder Eintrag ­ in unserem Lexikon führt uns zu einer andere Ursprungssprache:

Kaprizieren, sich <sw. V.; hat> [zu ­Kaprice]: eigensinnig auf etwas bestehen; sich auf etw. festlegen: sich auf etw. k.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1256.

Kaprice [ka’pri:s$], die;-, -n [frz. caprice < ital. capriccio, ­Capriccio] (geh.): Eigensinn; Laune; wunderlicher Einfall: voller -n stecken.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1256.

Cappriccio, (auch:) Kapriccio [ka‘pritzo], das; -s, -s [ital. capriccio, eigent. = Laune] (Musik): scherzhaftes, launiges Musikstück.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 430.

Mit diesen drei Lexikon-Einträgen lässt sich richtig etwas anfangen. Allein im ersten stecken folgende Erkenntnisse:

  1. Mit der Bedeutungsspekulation lag ich heute hoffnungslos daneben.
  2. Kaprizieren hat – wenn ich den ersten Lexikon Eintrag richtig verstehe – eine negative und eine positive Bedeutung. Wenn dieses Wort fällt, lohnt es nachzufragen, was genau gemeint ist. Möchte der Sprecher sagen,
    • dass jemand sich eigensinnig und stur verhält oder
    • dass jemand sich auf eine Sache festgelegt hat.
Schon Mal gehört?

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber die anderen beiden Begriffe sind mir noch nie begegnet. Ich frage mich, ob das daran liegt, dass ich in Berlin lebe und es diese Wörter einfach nicht so weit in den Norden geschafft haben. Wenn ich daran denke, werde ich bei Gelegenheit jemanden aus Süddeutschland fragen, ob er diese Begriffe schon einmal gehört hat.

Fazit

Kaprizieren gehört zu jenen Worten, die schön klingen. Durch seine „doppelte“ Bedeutung kann dieses Wort allerdings schnell zu Missverständnissen führen. Denn es ist ein Unterschied, ob wir über jemandem sagen wollen, dass er stur ist, oder sagen wollen, dass er sich entschieden hat. Sollte mir das Wort noch einmal begegnen, werde ich hoffentlich daran denken aktiv nachzufragen, was der Sprecher meint.