Weißt Du, was Patrizier sind?

Der Begriff Patrizier ist mir in meinem Leben bereits unzählige Mal begegnet und ich bin mir sicher, dass ich auch schon das ein oder andere Mal wusste, was er bedeutet. Doch leider haben es meine grauen Zellen nicht geschafft, sich dessen Bedeutung zu merken. Nun bin ich beim Lesen von

Mein Gott, ich kann mir ja auch nicht alles merken.

Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Reclam, 8. Auflage 2014.

wieder einmal über den Begriff gestolpert:

„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz Unterdrücker und Unterdrückte standen im steten Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.“

S. 36f.

Seit unserem Blog-Beitrag über Plebejer weiß ich, dass der Begriff aus dem alten Rom stamm und sich von Plebs, dem gemeinen Volk ableitet. Aus dem Kontext dessen, was Karl und Friedrich schrieben, wissen wir, dass die Patrizier im Klassenkampf mit den Plebejern, also dem gemeinem Volk, standen. Unser Lexikon wird uns nun hoffentlich verraten, wer genau diese Patrizier waren.

Was das Lexikon sagt

Ja, unser Lexikon kann uns verraten, wer genau diese Patrizier waren.

ein Männchen hat zwei heulende Babys im Arm
Warte, bin ich jetzt ein Patrizier?

Pa|tri|zi|er, der; -s, – [lat. patricius = Nachkomme eines römischen Sippenhauptes, zu: pater = Vater]: 1. Mitglied des altrömischen Adels. 2. (bes. im Mittelalter) vornehmer, wohlhabender Bürger.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1726.

Patrizi|er [lat.], 1. Im alten Rom die Mitglieder des Geburtsadels (Patriziat) als Nachkommen der Geschlechter- und Sippenhäupter im Unterschied zu den Plebejern, den Angehörigen der Plebs. 2) im spätmittelalterl. und neuzeitl. Europa die Mitgl. städt. Oberschichten (Kaufleute, Ministerialen, zugezogener Landadel); aus ihrer Mitte ergänzte sich zunächst der Rat. Ihre Herrschaft wurde in den Zunftkämpfen des 14. Jh. und durch die Ausbildung fürstlicher Territorialstaaten erschüttert.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 11, S. 210.

Die Patrizier im alten Rom waren Mitglieder des Adels. Die Patrizier in mittelalterlichen und neuzeitlichen Städten waren

  • wohlhabende Bürger
  • Kaufleute
  • Ministerialen
  • zugezogener Landadel.

Was uns unsere Autoren sagen möchten

Lass mich nachdenken. Die meinen beide Gruppen, oder?

Ich bin mir nicht sicher, ob Karl und Friedrich in ihrem Satz die römischen, oder die mittelalterlichen Patrizier oder gar beide meinen. Ich tendiere zu beiden Gruppen, da sie im Satz davor schreiben, dass die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft die Geschichte von Klassenkämpfen war.

Das nur 50 Seiten lange Manifest der Kommunistischen Partei ist eine Brandschrift, die in leichten Worten jedem, der sie liest, klar machen soll, dass die Arbeiter jene sind, die Wohlstand erschaffen und daher auch jene sein sollten, die Wohlstand haben sollten. Der Klassenkampf, den es laut dem Manifest nun auszutragen gilt, findet zwischen Bourgeois (den Kapitalisten) und dem Proletariat (den Arbeitern) statt.

Haben die Autoren recht, müssen wir kämpfen?

Aus meiner Sicht haben Karl und Friedrich recht. Es ist nicht fair, wenn Besitz so ungleich verteilt ist, dass manche so viel haben, dass sie gar nicht so recht was mit ihren Reichtümern anzufangen wissen und andere so wenig haben, dass sie kaum genug zum Leben haben. Ich stimme den beiden zu, dass dieser Umstand, mit dem wir bis heute leben, geändert werden muss. Allerdings glaube ich nicht, dass hierfür ein Kampf der Armen gegen die Reichen notwendig ist.

Ich denke, dass es hierfür bessere Wege gibt. Wie genau diese im Detail aussehen, weiß ich nicht. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Lösungen nur gemeinsam finden werden. Wir müssen uns als Gesellschaft darauf einigen, was ein lebenswertes Leben ist und dieses dann gemeinsam erschaffen.

Genau so wärst Du perfekt.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich möchte in einer Welt leben, in der jeder Mensch

  • genug zu essen hat,
  • ein Dach (mit Küche, Badezimmer und Heizung) über dem Kopf hat,
  • über einen Internetanschluss verfügt,
  • Zugang zu einem Gesundheitssystem hat,
  • Bildung genießen kann,
  • Zugang zu einer Infrastruktur hat, mit der er sich von A nach B bewegen kann,
  • in Frieden leben kann,
  • im Alter gut leben kann.

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Liste schon vollständig ist, oder ob hier noch Punkte fehlen. Aber ich bin mir sicher, dass wir eine solche Welt nicht erschaffen werden, indem wir uns bekämpfen. Ich glaube, dass wir diese Welt nur schaffen können, indem wir uns vertrauen schenken, unser Wissen teilen und die Aufgaben, die vor uns stehen gemeinsam angehen.

Fazit

Ich bin überrascht, dass mir nie aufgefallen ist, dass im Wort Patrizier der Begriff Pater, also Vater steht. Hoffentlich ist dies in Zukunft eine hilfreiche Eselsbrücke für mich, die mir dabei hilft, mich an die Bedeutung des Begriffes zu erinnern.

An dieser Stelle bin ich neugierig: In was für einer Welt möchtest Du leben?

3. April 2024
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Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.
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3. April 2024
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  1. Holger Fischer 3. April 2024 at 16:30 - Reply

    Es gibt mehrere altrömische Patriziergeschlechter, darunter auch die Iulier / Julier.

    „Berichtet wird von einem altrömischen Patriziergeschlecht mit der Bezeichnung Iulier / Julier. Das Geschlecht der Iulier / Julier wird auf Iulus zurückgeführt. Weltberühmt ist das Familienmitglied Gaius Iulius Caesar. Da der Stammvater der Iulier (Iulus) ein Sohn des Aneias war und dessen Mutter Aphrodite (olympische Gottheit) heißt, konnte Gaius Iulius Caesar seine königlich-göttliche Herkunft betonen. Datiert wird Gaius Iulius Caesar auf * 13. Juli 100 v. Chr. in Rom; † 15. März 44 v. Chr. in Rom.“ ->

    https://www.mythologie-antike.com/t1313-iulus-askanios-ascanius-mythologie-1-konig-von-alba-longa

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