Weißt Du was plebejisch ist?

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Dank meines Geschichtsstudiums erinnere ich mich noch sehr dunkel daran, dass es Plebejer gab. Der Begriff plebejisch dagegen ist mir in

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Was hat es mit dem Begriff auf sich liebe graue Zellen?

mit ziemlicher Sicherheit zum ersten Mal in meinem Leben begegnet, und ich habe keine Ahnung, was unser Autor sagen will, wenn er vom „plebejischen Hamburger“ schreibt. Dennoch bin ich mir absolut sicher, dass die beiden Begriffe die gleiche Bedeutung haben. Die Plebejer gehören, wie so viele Sachen aus meinem Studium, zu den Dingen, die ich längst vergessen habe, weil sie mir im Alltag nur selten begegnen. An dieser Stelle bin ich sehr gespannt, ob es unserer wilden Bedeutungsspekulation gelingen wird, verschollen geglaubtes Wissen aus meinem Studium an den Tag zu bringen, oder ob sie einfach nur wild wird.

Wilde Bedeutungsspekulation

Wenn ich Plebejer höre, denke ich automatisch an arbeitende Menschen. Gleichzeitig meine ich mich daran zu erinnern, dass dieser Begriff eine abwertende Bedeutung hat. Aus diesem Grund vermute ich, dass die Plebejer

  1. kein eigenständiges Volk waren, sondern eine Bevölkerungsschicht sind,
  2. die zu einer Zeit lebte, als Arbeiten noch nicht als etwas Ehrenwertes galt.
Körperliche Arbeit? Ohne mich.

Auch wenn ich mich nicht mehr wirklich an den Begriff Plebejer erinnere, erinnere ich mich noch gut daran, dass ich in meinem Studium gelernt habe, dass es einst eine Zeit gab, in der die Menschen, die hart körperlich arbeiteten, nicht als etwas Großartiges angesehen wurden. Damals lebten die großen griechischen Philosophen, deren philosophischen Texte bis heute großen Einfluss auf die Welt haben. Für diese Philosophen war es meiner Erinnerung nach völlig normal, nicht körperlich zu arbeiten. Sie beschäftigten sich stattdessen lieber mit Lustwandeln und den wirklich wichtigen Fragen des Lebens.

Juhu, ich darf Wollmäuse jagen.

Seit meinem Geschichtsstudium frage ich mich, wie es uns gelungen ist, zu diesem Konzept des nicht Arbeitens zurückzukehren, obwohl wir inzwischen wirklich ideale Voraussetzungen für dieses Konzept haben. Heute bräuchte es kein gigantisches Sklavenheer mehr, das unliebsame Alltags Aufgaben erfüllt, um einigen wenigen Philosophen und Co. den Rücken frei zu halten. Heute könnten wir dank Technologie und Co. eine Welt erschaffen, in der sich der Großteil der Menschen den Großteil des Lebens mit leben statt mit arbeiten beschäftigen könnten. Schon heute ist diese Realität in Form von Geschirrspüler, Waschmaschine und Staubsauger-Robotern Teil unseres Alltages und dennoch stehen wir in meinen Augen hier erst ganz am Anfang. Doch das ist ein anderes Thema für einen anderen Tag. Lass uns an dieser Stelle zu unseren Plebejern zurückkehren.

Aufgrund meiner grauen Zellen behaupte ich also an dieser Stelle, dass die Plebejer im alten Griechenland die arbeitende Bevölkerungsschicht waren, die mehr Ansehen als die Sklaven, aber weniger Ansehen als die Philosophen genossen. Ob diese wilde Bedeutungsspekulation auch nur in die Nähe der wahren Bedeutung kommt, wird uns jetzt unser großartiges Lexikon verraten.

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon sowohl für plebejisch als auch für Plebejer einen Eintrag bereit:

Plebejisch <Adj.> [lat. plebeius]: 1. (hist.) zur Plebs gehörend. 2. (bildungsspr. abwertend) gewöhnlich, ordinär, unfein.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1768.

Plebejer, der; -s, – [lat. plebeius, zu: plebs, ­]: 1. (im antiken Rom) Angehöriger der Plebs. 2. (bildungsspr. abwertend) gewöhnlicher, ungebildeter, ungehobelter Mensch.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1768.

An dieser Stelle wissen wir nun, was es mit unseren heutigen Begriffen auf sich hat und schauen uns nun der Vollständigkeit halber nun auch noch den Plebs-Lexikon-Eintrag an, da dieser Begriff im Zusammenhang mit den Plebejern offensichtlich relevant ist.

Plebs [auch: ple:ps], die; – [lat. plebs (Gen.: plebis), urspr. wohl = Menge, Haufen]: (im antiken Rom) das gemeine Volk.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1768.
Ich kann mich selber füttern.

Hand aufs Herz, ich bin überrascht, wie gut sich meine grauen Zellen an die Bedeutung der Plebejer erinnern. Lediglich die Sache mit den Griechen und den Römern haben sie etwas durcheinander gebracht. Doch das liegt möglicherweise einfach daran, dass ich mir lieber lustwandelnde Philosophen vorstelle als dicke Römer, die sich mit Trauben füttern lassen.

Dank unseren drei Lexikon-Einträgen wissen wir nun, dass der plebejische Hamburger, von dem unser Autor schreibt, ein Hamburger für das gewöhnliche Volk ist.