2,3 min readPublished On: 2. November 2020By Tags: , , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was Reminiszenzen sind?

Dank des Satzes

Es wäre wirklich grausam, alle Reminiszenzen an vergangene Zeiten radikal zu tilgen.

Werner Tiki Küstenmacher: LIMBI – Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn, S. 60.,
Zum Glück lernen wir das gleich.

ist mir bewusst geworden, dass ich nicht wirklich weiß, was Reminiszenzen sind. Dabei ist mir das Wort schon das eine oder andere Mal begegnet. Doch irgendwie war ich immer zu faul, die Bedeutung des Wortes zu hinterfragen. Zum Glück ist heute der Tag gekommen an dem wir dank

Werner Tiki Küstenmacher: LIMBI – Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn

gemeinsam herausfinden werden, was es mit den Reminiszenzen auf sich hat.

Wilde Bedeutungsspekulation

Erinnerst Du Dich?

Je länger ich das Wort Reminiszenzen betrachte, desto mehr habe ich das unbestimmte Gefühl, dass Reminiszenzen etwas mit remember, dem englischen Wort für erinnern zu tun haben. Spannenderweise würde diese Bedeutung sogar in unseren Satz passen würde, denn er lautete, das Wort so übersetzt:

Es wäre wirklich grausam, alle Erinnerungen an vergangene Tage radikal zu tilgen.

Doch kann es so einfach sein? Würde unser Autor, der auch der Autor zahlreicher „Simplify-your-Life“-Bücher ist, wirklich ein so kompliziertes Fremdwort einem ganz einfachen Wort vorziehen? Oder verbirgt sich hinter dem Begriff deutlich mehr als einfach nur Erinnerung? Liebes Lexikon, es ist an der Zeit, uns unsere Fragen zu beantworten.

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon auch heute einen Eintrag für uns bereit, der Licht ins Dunkel bringt.

Reminiszenz, die; -, -en [wohl unter Einfluss von frz. réminiscence <spätlat. reminiscentia = Rückerinnerung, zu lat. reminisci = sich erinnern] (bildungsspr.) 1. Erinnerungen von einer gewissen Bedeutsamkeit: das Bild ist eine R. an seine Studienzeit. 2. Ähnlicher Zug. Ähnlichkeit; Anklang: sein Werk enthält viele -en an das seines Lehrmeisters.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 1894.
Das war eine Punktlandung.

Das nenne ich eine Punktlandung. Auch wenn sich das Wort nicht aus dem Englischen, sondern aus dem Französischen und Lateinischen ableitet, haben wir mit unserer Bedeutungsspekulation nahezu voll ins Schwarze getroffen. Wir könnten unserer Spekulation nur um das klitzekleine Wörtchen bedeutsam ergänzen:

Es wäre wirklich grausam, alle bedeutsamen Erinnerungen an vergangene Tage radikal zu tilgen.

Natürlich hat unser Autor recht, wenn er das Gefühl hat, dass Reminiszenzen viel schöner klingen, als bedeutsame Erinnerungen. Doch im Sinne des simplify-Ansatzes, den er in vielen Bereichen empfiehlt, wäre es an dieser Stelle eine Überlegung wert, auf die Schönheit der Sprache zu verzichten und damit eine bessere Verständlichkeit zu erreichen.