2,7 min readPublished On: 2. Februar 2022By Tags: , , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du, was taktil bedeutet?

Wow, das ändert alles.

Es gibt Bücher, die einem neue Welten öffnen und die eigene Wahrnehmung nachhaltig beeinflussen. Solch ein Buch ist

Gaston Dorren: In 20 Sprachen um die Welt. Die größten Sprachen und was sie so besonders macht

für mich. Obwohl mir das Erlernen einer neuen Sprache schwerfällt, ist es dem Autor gelungen, mich auf eine Reise in 20 Sprachen voller grammatikalisch klingender Begriffe mitzunehmen, die mich kein Stück gelangweilt hat. Was auch daran liegt, dass er sich die Zeit nimmt, Begriffe wie Ideophon ausführlich zu erklären.

Was ist ein Ideophon?

Ideophone sind Worte, die bestimmte Bedeutungen nachbilden. Um sich ein Ideophon besser vorstellen zu können, gibt der Autor seinen Lesern zahlreiche Beispiele aus dem Koreanischen, wie zum Beispiel

  • chuk – kurz, grob
  • kam-gam – im Dunkeln
  • paltak – mit einem Ruck.
Ohr, hören

Das Wort erinnert an das Geräusch.

Beim Aussprechen dieser Worte fühlen wir, was passiert. Chuk hat etwas Grobes und Kurzes und hört sich ein wenig so an wie ein Messer, das schnell durch eine Karotte fährt, um eine Scheibe abzutrennen. Auch paltak klingt wie ein Geräusch, dass entstehen könnte, wenn ein Karren mit einem starken Ruck angezogen wird und gleich wieder zum Stehen kommt.

Von unserem Autor erfahren wir, dass die koreanische Sprache voll mit Ideophonen ist und dass koreanische Linguisten diese Ideophone zwei Kategorien zuordnen:

„Uisongu sind die, die Klänge imitieren (also Onomatopöien), und uit‘ aeo vermitteln visuelle, taktile oder mentale Wahrnehmungen.“ S. 44.

Da ich keine Vorstellung davon habe, was taktil bedeutet und bezweifle, dass es etwas mit Taktik zu tun hat, ist es nun an der Zeit, zum Lexikon zu greifen.

Was das Lexikon sagt

Zum Glück hält unser Lexikon auch heute wieder einen passenden Beitrag für uns bereit:

taktil <Adj.> [lat. tactilis = berührbar, zu: tactum, ­ Takt] (Biol.): das Tasten, die Berührung, den Tastsinn betreffend, mithilfe des Tastsinns [erfolgend]: -e Reize. Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2282.

Ich mache übrigens Tick-Tack.

Ein Ideophon imitiert also einen Klang, ein Aussehen, es imitiert auch ein Gefühl, das wir haben, wenn wir etwas berühren oder eine geistige Wahrnehmung, die wir haben, wenn wir etwas sehen. Ich vermute, dass das koranische Wort pok-pok (kräftig reiben) ein taktiles Ideophon ist.

Während die koreanische Sprache voll von Ideophonen ist, bedient sich die deutsche Sprache diesen Begriffen so selten, dass sogar Duden.de darauf verzichtet zu erklären, was ein Ideophon ist. Dank des Internets habe ich dennoch zwei der wenigen Beispiele für deutsche Ideophone gefunden:

  • holterdiepolter
  • ticktak

Fazit

Nachdem ich nun in Gänze verstehe, was ein Ideophon ist, bin ich wirklich glücklich, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, für das Geräusch, das entsteht, wenn Fingernägel über eine Tafel kratzen, ein Ideophon zu finden. Allein diesen Satz niederzuschreiben, lässt meine Zähne stumpf werden und meine Lippen verkrampfen, dafür brauche ich kein Ideophon.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Fällt Dir im Gegensatz zu mir spontan ein Ideophon in deiner Muttersprache ein, das eine taktile Wahrnehmung beschreibt.