Weißt Du was Teal ist?

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WERBUNG: Das Buch das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Campus Verlag erhalten. Das bedeutet ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen um darüber zu schreiben.

Obwohl mir der Begriff Teal in den letzten Monaten immer wieder begegnet ist, kann ich noch immer nichts so richtig viel mit ihm anfangen. Zu meiner großen Freude bin ich in

 Sebastian Klein & Ben Hughes: Der Loop-Approach. Wie Du Deine Organisation von innen heraus transformierst

über eine verständliche Erklärung von Teal gestolpert, die wir uns heute einmal genauer anschauen.

Wer hat’s erfunden?

Hallo, ich bin Frederic

Der Begriff Teal stammt aus der Feder des Organisationsforschers Frederic Laloux, der mit seinem Buch Reinventing Organisations den Versuch startet eine neue Idee von Organisationen in die Welt zu bringen, die er Teal nennt.  Leider habe ich nicht herausfinden können, wie genau Laloux auf den Begriff Teal gekommen ist, aber vielleicht muss ich dafür einfach noch sein Buch lesen.

Was bedeutet Teal?

Auch wenn Laloux den Begriff Teal erfunden hat, hat er die dahinterliegende Organisationsform lediglich entdeckt, nicht erfunden. Entdeckt hat er diese Organisationsform, als er diverse nicht hierarchisch organisierte Unternehmen untersucht hat.

Das ist wirklich ein guter Job, weil er meine Miete bezahlt.

Eine klassisch organisiertes hierarchisches Unternehmen wird, im Gegensatz zu einem tealen Unternehmen, von seiner Führungsmannschaft zusammengehalten. Die Menschen, die in einer solchen Organisation arbeiten sind häufig Karriere orientiert und tauschen Zeit gegen Geld. Einen höherer Sinn der Arbeit ist für sie nicht entscheidend, wichtig ist je nachdem wo der eigene Fokus liegt, dass die Miete am Ende des Monats bezahlt ist, die Familie gut versorgt ist, oder das das Versprechen der Karriere erfüllt wird.

Mitarbeiter einer tealen Organisation haben in der Regel einen anderen Fokus, der sich mit:

  • Ganzheit
  • evolutionärer Sinn
  • Selbstorganisation

umreißen lässt.

Ganzheit

Ork sein macht wirklich Spaß.

In vielen klassischen Organisationen schlüpfen die Mitarbeiter morgens in eine Rolle, die der Kultur des eigenen Unternehmens entspricht. Der Mensch, der sich in seiner Freizeit gern als Ork verkleidet und sich mit vielen anderen Menschen trifft um den Herr der Ringe nachzuspielen, schlüpft in seinem Bürojob in einen Anzug und wird den Teufel tun um sein Ork Geheimnis mit den Kollegen zu teilen. Dieser Mitarbeiter weiß klar zwischen Job und Leben zu unterscheiden.

Ein Sommerfest mit Orks.

In einer tealen Organisation geben die Mitarbeiter ihre Persönlichkeit nicht ab, wenn sie morgens das Büro betreten. Auch sie kommen in aller Regel nicht im Ork Outfit zur Arbeit, dürfen aber ihre ganze Persönlichkeit zum Job mitbringen. So kann es gut passieren, dass der Kollege mit dem Ork Kostüm der eigentlich für die Webseitenprogrammieren zuständig ist, den Kollegen die das Sommerfest organisieren hilft ein wirklich cooles Herr der Ringe Sommerfest auf die Beine zu stellen.

evolutionärer Sinn

Ich habe mir grade einmal die Freude gegönnt die Unternehmensvision von Nestle zu recherchieren. Die Seiten die ich mir genauer angeschaut habe

wichtiger Lebensmittelkonzern

enthalten das Wort Vision spannender Weise nur in ihren Überschriften, nicht aber im eigentlichen Text. Für viele klassische Unternehmen ist es normal, dass sie keine klare und bekannte Vision haben. Diese Unternehmen existieren einfach, weil sie organisch gewachsen sind. Im Fall von Nestle haben wir es mit einem Unternehmen zu tun, dass 1867 gegründet wurde und sich seit dem zu einem der wichtigsten Lebensmittelkonzerne auf der Welt entwickelt hat. Eine Vision hat Nestle im meiner Wahrnehmung für diese Entwicklung nicht gebraucht. Um einer der größten Konzerne in diesem Bereich zu werden brauchte es viel strategisches Geschick und eine smarte Marken Einkaufspolitik.

Nestle schreibt auf seiner Visionsseite, dass das Unternehmen danach strebt, dass die eigenen Kunden gesündere Lebensmittelentscheidungen treffen:

Each day we strive to make our products tastier and healthier choices that help consumers care for themselves and their families.

https://www.nestle.com/randd/ourvision
Richtig lecker die Süßigkeiten.

Ich für meinen Teil bezweifle, dass es viele Mitarbeiter von Nestle gibt, die dieses Streben ihres Unternehmens kennen und die jeden Tag motiviert sind dieses Ziel zu erreichen. In meinen Augen ist dieses Ziel im Fall von nestle auch nicht besonders glaubwürdig. Immerhin zählen zu den Marken von Nestle nun mal auch einige der Süßigkeiten, denen ich auch heute noch schwer widerstehen kann (https://www.nestle.de/marken/schokolade-suesswaren).

Lachen
Ich weiß warum ich den Job mache.

In einer tealen Organisation kennt jeder Mitarbeiter die Vision bzw. den Purpose des Unternehmens.  Dieser Purpose ist der Grund warum das Unternehmen existiert. Doch dieser Purpose ist nicht in Stein gemeißelt, er entwickelt sich mit dem Unternehmen. Als Paradebeispiel an dieser Stelle gilt Buurtzorg. Buurtzorg ist ein niederländisches Unternehmen, das sich um die Pflege von Menschen kümmert. Das Unternehmen hat erkannt, dass es bei der Pflege von Menschen nicht nur um Medikamente, sondern auch um Menschlichkeit geht. Zu meiner großen Freude habe ich ein Youtube Video gefunden, dass den Purpose von Buurtzorg viel besser beschreiben kann als ich: https://www.youtube.com/watch?v=hdazKtEI_MM

Selbstorganisation

Teale Organisationen funktionieren an vielen Stellen selbstorganisiert. Wenn Du Dir grade das Youtube Video von Buurtzorg angeschaut hast, hast Du das Konzept schon gehört. Die Pfleger von Buurtzorg haben ein festes Zeitkontingent für jeden Kunden. Was genau sie in dieser Zeit machen ist den Pflegern überlassen, so lange es eine pflegerische Tätigkeit ist.

Fazit

Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber ich mag die Idee der tealen Organisation. Als Mitarbeiter ich selbst sein zu können und all meine Fähigkeiten einbringen zu können um etwas wirklich Sinnvolles zu tun fühlt sich für mich gut an. An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Wie geht es Dir mit dieser Idee? Findest Du sie ansprechend, naiv, oder arbeitest Du bereits in einer solchen Organisation?