4,9 min readPublished On: 19. August 2020By Tags: , , , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was Ubuntu bedeutet?

Ich wünsche mir folgende Themen.

Es ist jetzt fast ein Jahr her, da erhielt dieser Blog seine allererste „Fanpost“ in Form einer Postkarte, die mich aus vielen Gründen unbeschreiblich motivierte. Diese von Hand gesketchnotete Postkarte von @jojo_en_riant, die drei Wunschthemen für Blogbeiträge enthielt, ist bis heute etwas ganz Besonderes für mich und steht gerahmt in meinem Büro, um mich daran zu erinnern, dass

  1. Sketchnotes unglaublich viel Freude verbreiten können und nicht einfach nur simple Zeichnungen sind,
  2. ich Jojos Wunsch, einen Blogbeitrag zu Ubuntu zu schreiben, noch erfüllen möchte.

Dank

René Esteban: Do Epic Stuff! Führung nach dem Ende des Change-Management

Jojos Postkarte aus 2019.

ist heute der Tag gekommen, an dem ich endlich dazu komme, Jojos Wunsch nach einem Blogbeitrag über Ubuntu zu erfüllen. Ich freue mich sehr darauf, denn bis jetzt weiß ich lediglich, das Ubuntu der Name des kostenlosen Betriebssystems Linux ist. (Linux ist so etwas wie Windows, und ich habe es das erste Mal in meiner Schule kennengelernt, weil wir uns Windows-Lizenzen für die Schulrechner nicht leisten konnten.)

Zu meiner großen Freude hat unser heutiger Autor in seinem Buch nicht nur den Begriff Ubuntu erwähnt, sondern auch, dass es ein afrikanisches Wort ist, dass übersetzt bedeutet:

„Ich bin, weil wir sind.“

Mit diesem Wissen verstehe ich endlich, warum Linux sein Betriebssystem Ubuntu genannt hat: Das Betriebssystem ist eine Open Source Software, die von vielen Menschen gemeinsam entwickelt und dem Nutzer kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Es ist also eine Software, die nur existiert, weil viele Menschen gemeinsam daran arbeiten, dass sie existiert.

Die afrikanische Philosophie Ubuntu

Obwohl ich nicht damit gerechnet habe, dass unser Lexikon uns heute helfen wird, empfinde ich es dennoch irritierend, dass es wirklich keinen Eintrag für Ubuntu enthält. Jetzt frage ich mich, woran das liegen könnte. Liegt es daran, dass

  • die philosophischen Ideen in Deutschland nicht von afrikanischen Philosophen beeinflusst wurden,
  • Ubuntu in Deutschland unbekannt ist,
Verrate uns Dein Wissen, liebes Internet.

Ich weiß es nicht und habe auch irgendwie das Gefühl, dass uns diese Frage nicht so recht weiterbringt. Daher ist es nun an der Zeit, das allwissende Internet nach Ubuntu zu befragen.

Wenn wir die Suchmaschine unseres Vertrauens mit diesem Begriff füttern, bekommen wir lauter Informationen zum Betriebssystem Linux. Erst die Suchkombination „Ubuntu Afrika“ führt dank der Auto-Vervollständigung auf die Spur, dass Ubuntu eine afrikanische Philosophie ist.

Der beste Text, den ich auf die Schnelle zum Thema Ubuntu gefunden habe, ist dieser: https://science.orf.at/v2/stories/2860018/ . Er ist lang und sehr verständlich geschrieben und hat mir folgendes Wissen über Ubuntu mit auf den Weg gegeben:

Der Mensch ist Teil seines Umfeldes.
  1. Im Mittelpunkt des philosophischen Ansatzes Ubuntu steht die Sorge um den einzelnen Menschen. Der Mensch ist Teil seines sozialen und gesellschaftlichen Umfeldes.
  2. Ubuntu war ein ethisches Konzept vieler afrikanischer Völker, bevor die Völker anderer Kontinente beschlossen, große Teile Afrikas zu ihrer Kolonie zu machen.
  3. Bei Ubuntu geht es darum, die verschiedenen Lebenswelten, in denen wir leben, miteinander zu verbinden. Auf diese Weise wird die Voraussetzung für ein harmonisches Leben geschaffen.

An dieser Stelle habe ich das Gefühl, nur an der Oberfläche des Themas gekratzt zu haben. Trotz dieser Oberflächlichkeit drehen sich meine Gedanken im Kreis, wenn ich die drei Punkte auf der Liste betrachte.

Unser System hinkt hinterher.

Der erste Punkt ruft Widerstand in mir hervor. Auf den ersten Blick ist es mir nicht wichtig, Teil eines gesellschaftlichen und sozialen Umfeldes zu sein. Zu sehr habe ich das Gefühl, dass das System, in dem wir leben, den aktuellen digitalen und globalen Entwicklungen zu sehr hinterherhinkt. Doch als Historikerin bin ich an dieser Stelle geduldig und weiß, dass Systeme Zeit brauchen, um sich anzupassen.  Auf der anderen Seite sind mir meine Familie und das soziale Umfeld auf Twitter wichtig, und ich möchte auf beides nicht verzichten. Denn diese beiden Systeme geben mir die Kraft, die ich brauche, um Dinge in Bewegung zu bringen und zu verändern.

Warum habe ich davon noch nie gehört?

Der zweite Punkt macht mich nachdenklich. Ich habe mich bis heute nie gefragt, warum ich so wenig von asiatischen, orientalischen und europäischen Philosophen kenne und noch nie etwas von einer afrikanischen Philosophie gehört habe. Nun frage ich mich, ob es noch andere Philosophien gibt, die spannend und mir nicht bekannt sind, weil meine Vorfahren sie im Zuge der Kolonialisierung zerstört haben oder weil sie schlichtweg in Vergessenheit geraten sind.

Wie bringe ich das alles unter einen Hut?

Der dritte Punkt ist in meinen Augen der spannendste der Drei. Noch vor 150 Jahren lebten wir in Europa in einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen sehr überschaubare Lebenswelten hatte. Übertrieben einfach gesagt gab eine relative klare Rollenverteilung, in der der Mann die Arbeit managte und die Frau die Familie. Heute dagegen leben wir in einer freien Welt, in der wir viel mehr Möglichkeiten haben. Diese Freiheit stellt uns allerdings auch vor die nicht immer einfache Aufgabe, unsere Lebenswelten miteinander in Einklang zu bringen. An dieser Stelle kann ich mir gut vorstellen, dass Ubuntu uns den einen oder anderen Ansatz liefern könnte, wie wir mit dieser Aufgabe besser fertig werden könnten. Vielleicht ist Ubuntu also nicht nur der Name eines Betriebssystems, sondern möglicherweise sogar das neue heiße Zeug, dass der agilen Bewegung folgt und uns dabei hilft, die Digitalisierung zu meistern.