Weißt Du was wachstumsorientierte Theoretiker und Deterministen sind?

Die beiden heutigen Begriffe klingen so langweilig, dass ich beim Schreiben der Headline dieses Beitrages fast eingeschlafen wäre. Leider sind die Forscher, die sich solche Begriffe ausdenken keine Verkäufer. Sie denken nicht darüber nach, wie sie Themen spannend verpacken können. Sie orientieren sich ehr daran, dass die Begriffe, die sie nutzen entweder sie selbst bekannt machen, oder wie in diesem Fall, möglichst klar beschreiben, worum es bei ihrer Forschung geht.
Laut
Walter Mischel: Der Marshmallow-Effekt. Wie Willensstärke unsere Persönlichkeit prägt
verdanken wir die beiden Begriffe, um die es heute geht der Psychologin Carol Dweck, die zu meiner großen Freude sogar einen TED Talk zu diesem Thema gehalten hat. In ihrer Forschung beschäftigt sich Carol mit der Frage, wie unser Selbstbild unser Leben beeinflusst und damit sich wir auch schon bei unseren heutigen Begriffen angekommen, denn diese beschreiben 2 Selbstbilder, die das Leben massive beeinflussen.
Was sind wachstumsorientierte Theoretiker?

Wachstumsorientierte Theoretiker sind Menschen, die glauben, dass sie die Welt, in der sie leben kontrollieren können. Sie sind davon überzeugt, dass sie Ihre Intelligenz und ihre sozialen Fähigkeiten beeinflussen und aktiv gestalten können. Wachstumsorientierte Theoretiker sind in der Lage ihre Umwelt nach ihren Wünschen zu gestalten, sie wissen, dass sie mit ihren Herausforderungen wachsen können.
Was sind Deterministen?

Das krasse Gegenteil eines wachstumsorientierten Theoretikers ist ein Determinist. Ein Determinist ist der festen Überzeugung, dass die Dinge so sind wie sie sind. Ein Determinist glaubt, dass er seine Intelligenz, seine sozialen Fähigkeiten und die Welt, in der er lebt, nicht beeinflussen kann. Ein Determinist glaubt, dass er von Geburt an ist wie er ist. Er kann nicht beeinflussen, ob er schlau oder dumm ist, er ist wie er ist auf die Welt gekommen und muss damit leben.
Die reinen Deterministen glauben, dass das Tun des Menschen nicht frei ist, sondern nur das Ergebnis seiner Vergangenheit.
Thomas A. Harris: Ich bin o.k. – Du bist o.k.. Wie wir uns selbst besser verstehen und unsere Einstellung zu anderen verändern können – Eine Einführung in die Transaktionsanalyse, S.90.
Welchen Einfluss hat unser Selbstbild auf unser Leben?
Spannenderweise begleiten uns diese Selbstbilder schon sehr früh in unserem Leben und beeinflussen daher, wie Carol dank ihren Forschungen herausgefunden hat, massiv unseren schulischen Erfolg.

Carol lebt in den USA. In den USA bemüht sich die Grundschule darum den jungen Menschen, die sie tag täglich besuchen zu zeigen, dass sie in der Welt willkommen sind und alles erreichen können was sie sich wünschen. Die Grundschulen in den USA haben einen freundlichen Charakter. Die Noten, die auf den Schulen vergeben werden, sollen die Kinder motivieren und fördern und sind daher ganz bewusst nicht leistungsvergleichend mit anderen Schülern. In dieser Art Grundschule gibt es keinen auffallenden Leistungsunterschied zwischen wachstumsorientierten Theoretikern und Deterministen.

Ein anderer Wind weht an der Junior High School, die die Schüler in den USA besuchen, nachdem sie die Grundschule erfolgreich absolviert haben. An der Junior High School stehen die Leistungen der Schüler plötzlich im Mittelpunkt. Von einem Tag auf den anderen ist es mit dem kuschligen Feeling der Grundschule vorbei. Die Schüler sind plötzlich in einer Umgebung unterwegs, die viel von den Schülern verlangt und in der es möglich ist, dass die Schüler an ihren Aufgaben scheitern können.

In diesem Umfeld machen sich, laut Carols Forschungen, die unterschiedlichen Selbstbilder der Schüler in ihren Noten bemerkbar. Die Deterministen gehören in diesem Umfeld schnell zu den Noten-Verlierern. Sie finden schnell einen Grund, warum sie den Herausforderungen nicht gewachsen sind. Typische Erklärungsmuster lauten „Ich bin dumm.“ oder „Mein Lehrer ist schuld daran, dass ich nichts lerne.“. Die wachstumsorientierten Theoretiker dagegen blühen in dieser Umgebung auf, stellen sich den Herausforderungen und erhalten gute Noten.
Gute Nachrichten

Unser Selbstbild ist nicht in Stein gemeißelt, wir haben es in der Hand ob wir Deterministen oder wachstumsorientierte Theoretiker sind. Woher ich das weiß? Nun ich zählte viele Jahre zu den Deterministen. Ich wusste, dass ich schlau bin, dass ich keine Sprachen lernen kann, dass ich eine sportliche Niete bin und dass Kinder definitiv doof sind und ich meine Zeit lieber mit Büchern verbrachte als mit Menschen in meinem Alter. Dementsprechend sahen meine Zeugnisse aus. Meine schulischen Leistungen waren immer gut, aber Sprachen und Sport rangierten immer im Notenbereich von 4 bis 6. Auch mein Freundeskreis passte sich meinem Selbstbild an. Ich hatte, wenn es gut lief maximal einen Freund in der Schule.

Dank einem High School Jahr in den USA bekam mein deterministisches Selbstbild erste Risse Plötzlich war ich nicht nur in der Lage eine andere Sprache zu sprechen, ich dachte sogar plötzlich in Englisch. In den kommenden Jahren fiel mein deterministisches Selbstbild in sich zusammen. Inzwischen weiß ich, dass ich alles erreichen kann was ich möchte. Letztes Jahr habe ich mir bewiesen, dass ich Blogger sein kann. Die nächste Herausforderung ist 2022 ein TED Talk in Kanada. Als wachstumsorientierter Theoretiker umarme ich diese (selbstgesetzte) Herausforderungen (mit schlotternden Knien und einem heiden Respekt) und freue mich auf den Tag an dem mein Traum wahr wird.
Und nun zu Dir: Kennst Du Deterministen und wachstumsorientierte Theoretiker? Kannst Du Carols Forschungsergebnisse bestätigen, oder hast Du andere Erfahrungen gesammelt?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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