5.1 min readPublished On: 25. Oktober 2021By Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was Work-Life-Blending ist?

Ich glaube hier hab ich das zum ersten Mal gelesen.

Mir ist der Begriff Work-Life-Blending (glaube ich) zum ersten Mal in folgendem Buch begegnet:

Martin Wehrle: Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch! Was Mitarbeiter in den Wahnsinn treibt.

Heute freue ich mich sehr darauf, gemeinsam mit Dir herauszufinden, was es mit diesem Begriff auf sich hat und in welchem Verhältnis er zum weit verbreiteten Begriff Work-Life Balance steht.

Was ist Work-Life-Balance?

Bei Work-Life-Balance geht es darum, die Arbeit und das Leben so auszubalancieren, dass wir beides optimal genießen können. Wer auf die Work-Life-Balance achtet, möchte gern Karriere machen, ohne dabei auf ein erfülltes Privatleben zu verzichten.

Dies ist eine relativ neue Entwicklung am Arbeitsmarkt. Lange Zeit war es für die meisten Menschen, die Karriere machen wollten, völlig normal, während der Zeit des beruflichen Aufstieges auf das eigene Privatleben weitgehend zu verzichten. Dieser Verzicht wurde, wenn die Vision mit der geplanten Karriere funktionierte, mit einem hohen Gehalt und Anerkennung belohnt.

Was ist Work-Life-Blending?

Fitness am Arbeitsplatz

Bei Work-Life-Blending fließen Arbeit und Privatleben ineinander. Die klare Trennung der beiden Bereiche wird aufgegeben. Damit das funktioniert gibt es Arbeitgeber, die Ihre Büros mit typischen Freizeit-Features, wie einem Fitnessraum, einem Kicker oder einer gut ausgestatteten Büroküche ausstatten.

Auf den ersten Blick gewinnen beide Seiten bei Work-Life-Blending. So spart sich der Arbeitnehmer zum Beispiel nicht nur das Geld für das Fitness-Studio, er spart sich auch viel Zeit für den Weg dahin, weil er sein Workout direkt im Büro machen kann. Gleichzeitig sorgt das Fitnessstudio im Idealfall dafür, dass die Arbeitnehmer gesünder und fitter sind und somit bessere Arbeitsleistungen erbringen und seltener krank sind.

In manchen Fällen sorgt Work-Life-Blending allerdings dafür, dass die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben so sehr verschwimmt, dass der Arbeitnehmer nicht nur jederzeit erreichbar ist, sondern auch freiwillig auf die ihm zustehende Erholung, wie Urlaub und freies Wochenende verzichtet. Welche Folgen diese Art von Work-Life-Blending haben kann hat Dietmar Wischmeyer in diesem Video zusammengefasst.

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Das Gegenmodell Work-Life-Separation

Bei meiner Recherche zu den beiden oben erklärten Begriffen bin ich auf Unternehmer.de über den Begriff Work-Life-Separation gestolpert. Bei diesem Modell werden Arbeit und Privatleben ganz klar voneinander getrennt. Während der im Arbeitsvertrag geregelten Zeiten wird gearbeitet, der Feierabend, das Wochenende und der Urlaub dienen der Erholung.

Meine Work-Life Erfahrungen

16 Stunden arbeiten am Tag hinterlässt Spuren.

Als ich in mein Berufsleben eintrat gehörte ich zu den Karrieremenschen. Mein Privatleben war so in Ordnung, dass ich mich nicht darum kümmern musste. Also steckte ich gern mal bis zu 16 Stunden am Tag in meinen Job und hoffte darauf, die Karriereleiter zu erklimmen. Da sich mein berufliches Engagement nicht so recht auf mein Gehalt niederschlagen wollte, hatte ich damals noch einen zweiten Job. Das Ganze ging ca. 6 Jahre lang gut. Dann entschied sich mein Körper, den Zaunpfahl zu zücken und zwang mich dazu, meine Karriereplanung noch einmal zu überdenken.

Ich hörte auf meinen Körper und kündigte meinen zweiten Job. Im ersten Job gab ich aber weiterhin alles und arbeitete noch immer so viel, dass nicht wenige meiner Freunde mit dem Kopf schüttelten. Ich war der festen Überzeugung, dass es meine Aufgabe als Verkäufer war, das Unternehmen, für das ich arbeitete, auf das nächste Level zu bringen. Ich würde mich also erst dann ausruhen können, wenn ich dieses Level erreicht hatte. Nun, was soll ich sagen: Mein Körper machte auch das noch einmal volle 3 Jahre mit, bevor er mich erneut – und dieses Mal deutlich drastischer – vor die Wand laufen ließ.

An dieser Stelle hatte ich ein Einsehen und hängte meine Vertriebskarriere an den Nagel. Ich begann etwas Neues, bei dem ich nicht jeden Monat bei null starten musste.

Fazit

Ich passe in keine Kategorie.

Dank der zwei unsanften gesundheitlichen Bremsen stehe ich jetzt irgendwo zwischen Work-Life-Balance, Work-Life-Blending und Work-Life-Separation. Keiner der Begriffe beschreibt meine Arbeitsrealität in Gänze. Es gibt Tage, an denen ich etwas länger im Büro bleibe, weil ich beim Arbeiten die Zeit vergesse, oder noch eine Sache fertigbekommen möchte.

Auf der anderen Seite verbanne ich Social-Media nicht mehr strickt aus meinem Arbeitsalltag. Mein Social-Media-Netzwerk hilft mir häufig bei meiner Arbeit und erspart mir Stunden der Recherche. Aus diesem Grund ist es in meinen Augen völlig in Ordnung, wenn ein kleiner Teil meiner Arbeitszeit in die Pflege dieses Netzwerkes geht.

Meine beruflichen Kontakte haben zu 100 Prozent nichts in meiner Freizeit zu suchen. Außerhalb meiner Arbeitszeiten checke keine beruflichen Mails und führe keine beruflichen Telefonate. Begegnet mir in meiner Freizeit ein Thema, dass für den Job wichtig ist, sende ich es mir per E-Mail ins Büro und bearbeite es während der Arbeitszeiten.

Dank dieser neuen Arbeitsweise geht es mir beruflich und privat so gut wie noch nie. Bei der Arbeit bin ich so erholt, dass ich Dinge erschaffen kann, für die ich früher nie im Leben die Ruhe gehabt hätte. Da ich nicht mehr im Dauerstress bin, merke ich sehr deutlich, wann ich performant bin und wann nicht. Daher kann ich mir meine Arbeit jetzt optimal einteilen. Solange ich voller Energie bin, erschaffe ich Dinge, wie Leitfäden und Blogbeiträge. Sobald der Energielevel sinkt, entscheide ich mich für den Konsum von YouTube-Videos und Co. und bilde mich weiter. Auf diese Weise nutze ich den Arbeitstag viel besser als je zuvor und schaffe in kürzerer Zeit mehr.

An dieser Stelle bin ich neugierig: Wie sind Deine Work-Life Erfahrungen?