2.9 min readPublished On: 10. November 2021By Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was Zelotentum ist?

Das kommt bestimmt ein riesen Wälzer.

Ich habe schon so oft von dem griechischen Philosophen Epikur gelesen, dass ich mir nun endlich die Zeit genommen habe das Buch

Epikur: Über das Glück

zu lesen. Bei der Bestellung des Buches habe ich damit gerechnet, dass das Buch ein dicker und schwer zu bewältigender Wälzer sein wird und war bei der Lieferung des Buches entsprechend überrascht. Die von mir erworbene Ausgabe des Buches hat zwar über 100 Seiten, aber lediglich die Größe eines Smartphones.  Noch überraschter war ich, als ich beim Lesen feststellte, dass das Buch mit einer Einleitung über Epikurs Leben und Wirken im Umfang von 46 Seiten beginnt. Und in dieser Einleitung las ich den folgenden Satz:

„Kulturfeindschaft hat ihre Wurzel durchaus nicht immer in ödem Zelotentum gehabt.“ S. 30.

Diesen Satz verstand ich nicht, weil ich den Begriff Zelotentum nicht kenne. Es ist also – wie immer – höchste Zeit, unser Lexikon zu befragen.

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon auch heute wieder einen Beitrag bereit, der so nah an unserem gesuchten Begriff ist, dass er uns hilft, das Wort zu verstehen:

„Zelot, der; -en, -en [lat. Zelos <griech. zelotes = Nacheiferer, Bewunderer, zu: zeloein = (nach)eifern, zu: zelos = Eifer(sucht), Neid]: 1. (bildungsspr.) Eiferer, [religiöser] Fanatiker. 2. Angehöriger einer radikalen antirömischen altjüdischen Partei.“

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2713.

Dank dieses Lexikoneintrags vermute ich, dass sich der Begriff Zelotentum durch den Begriff Fanatismus ersetzen lässt und unser Satz somit lauten könnte:

„Kulturfeindschaft hat ihre Wurzel durchaus nicht immer in ödem Fanatismus gehabt.“

Die Sache ist nun allerdings die: Auch wenn mir der Begriff Fanatiker bzw. Fanatismus schon oft begegnet ist, bin ich mir nicht zu 100 Prozent sicher, was er bedeutet. Lass uns also an dieser Stelle erneut das Lexikon befragen.

„Fanatiker, der; -s, – [zu ­fanatisch]: jmd., der von bestimmten Ideen, einer bestimmten Weltanschauung o.Ä. so überzeugt ist, dass er sich leidenschaftlich, mit blindem Eifer [und rücksichtslos] dafür einsetzt: ein wilder, religiöser, politischer F.“

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 716.

Fazit

Technik ist meine Lieblingskultur.

Nach einem erneuten Blick in das Buch vermute ich an dieser Stelle, dass unser Autor uns mit seinem Satz lediglich sagen möchte, dass es neben Eifer, Blindheit und Rücksichtslosigkeit viele Gründe für Kulturfeindschaft gibt. In seinen Augen entsteht Feindschaft gegen eine Kultur immer dann, wenn Menschen feststellen, dass diese Kultur nicht in der Lage ist, sie glücklich zu machen. Als Kulturbeispiele nennt der Autor des Vorwortes

  • Technik
  • Wissenschaft
  • Kunst
  • Religion
  • Imperium.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber in meinem Fall hat der Autor recht. Mich macht die Technik glücklich, wobei ich mit vielen Arten der Kunst (z.B. klassische Musik) nichts anfangen kann. Das macht mich nun zwar nicht zu einem Feind von klassischer Musik, sorgt aber dafür, dass ich es vermeide, Opern oder klassische Konzerte zu besuchen, während ich mir kaum vorstellen kann, dauerhaft auf Technik zu verzichten. Allerdings würde ich vermutlich zu einem Feind klassischer Musik werden, wenn man mich dazu zwingen würde, meine Technik durch klassische Musik zu ersetzen.

An dieser Stelle freue ich mich sehr, dass wir in einer Welt leben, in der verschiedene Kulturen existieren und es heute einfacher ist als je zuvor, sich für die Kultur zu entscheiden, die einen am glücklichsten macht.