5.3 min readPublished On: 11. November 2021By Categories: Bücher, Wissen

Würdest Du Kunst von einer kreativen künstlichen Intelligenz kaufen?

Hallo, ich bin Siri und ich sage Dir gern wie das Wetter heute wird.

Nutzt Du im Alltag einen digitalen Assistenten wie Siri oder Alexa? Hast Du schon einmal mit einem Chat auf einer Webseite interagiert, bei dem Dein Kommunikationspartner kein Mensch war? Ich erinnere mich noch gut daran, wie fasziniert ich war, als Schauspieler in der Serie Raumschiff Enterprise mit Ihrem Computer sprachen und dieser antwortete. Dies irgendwann selbst tun zu können war meine große Hoffnung.

Heute sind digitale Geräte, die eine künstliche Intelligenz beherbergen, für viele Menschen völlig alltäglich geworden. Zum Teil sind wir uns nicht einmal mehr darüber im Klaren, dass wir gerade mit einer künstlichen Intelligenz interagieren. Das liegt auch daran, dass viele Menschen sich nicht intensiv mit der Frage beschäftigen, was genau künstliche Intelligenz überhaupt ist. Doch zum Glück gibt es kluge Menschen wie den Autor

Ralf Otte: Maschinenbewusstsein. Die neue Stufe der KI – wie weit wollen wir gehen?,

die sich nicht nur intensiv mit dem Thema beschäftigen, sondern ihren Lesern das Thema künstliche Intelligenz näherbringen.

Die 5 Stufen der künstlichen Intelligenz

Der beste Schachspieler der Welt kann es mit einer künstlichen Intelligenz nicht mehr aufnehmen.

Ich erspare mir an dieser Stelle, alle Definitionen für „künstliche Intelligenz“ zu wiederholen, die unser Autor am Anfang seines Buches akribisch auflistet und beschränke mich hier darauf, die 5 Stufen der künstlichen Intelligenz wiederzugeben, die er in seinem Buch definiert. Denn diese Auflistung hat mir sehr geholfen. Die 5 Stufen lauten:

  1. angemessene Intelligenz (angemessene Reaktion auf die eigene Umgebung) – Schachspielen Deep Blue,
  2. lernende Intelligenz (selbstständiger Erwerb von Wissen) – Digitale Assistenten wie Siri und Übersetzungsprogramme wie Google Translate,
  3. kreative Intelligenz (Erschaffung von etwas Neuem) – Schauen wir uns gleich genauer an,
  4. bewusste Intelligenz (Wahrnehmung und Verstehen) – Wall E von Disney,
  5. selbstbewusste Intelligenz (bewusstes Verstehen des Ich Konzeptes) – Data von Raumschiff Enterprise.

In weniger als 30 Jahren haben wir die ersten 3 Stufen der Liste durchlaufen. Die erste Stufe erreichten wir 1997, als Deep Blue den Schachweltmeister Garri Kasparow schlug. 2011, also keine 15 Jahre später, erreichten wir die zweite Stufe, als Apple Siri auf den Markt brachte. Wie wir gleich sehen werden, befinden wir uns bereits mitten in der dritten Stufe. Unser Autor vermutet trotz dieser rasanten Entwicklung, dass das Erreichen der 5. Stufe noch mehr als 100 Jahre dauern wird, falls wir es überhaupt schaffen, diese Stufe zu erreichen. Daher beschäftigen wir uns heute mit der Stufe, mit der wir bereits heute oder in naher Zukunft wahrscheinlich Kontakt haben werden.

Kreative künstliche Intelligenz als Musiker

Unser Autor erwähnt, dass zwei künstliche Intelligenzen existieren, die Musik erschaffen:

Überraschenderweise gibt es auf beiden Hersteller-Webseiten keine Hörproben. IBM erwähnt das Produkt auf seiner Übersichtsseite für Watson nicht einmal und die Webseite von Ampere Music ist auf den Verkauf des Produktes ausgerichtet.

Doch zum Glück gibt es SoundCloud eine kurze Playliste, die uns eine Vorstellung von dem gibt, was Watson Beat leisten kann. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber mich haben die ersten 3 Sounds nicht vom Hocker gerissen. Doch dieses YouTube Video zeigt, dass Watson Beat in den Händen eines echten Musikers Nutzen stiften kann, indem es wertvolle Inspirationen liefert.

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Kreative künstliche Intelligenz als Maler

Wieviel bin ich wert, wenn ich nicht von einem Lebewesen erschaffen wurde?

Würdest Du 432.000 US-Dollar für ein Gemälde bezahlen, das von einer künstlichen Intelligenz erschaffen wurde? Was verrückt klingt, ist passiert. 2018 versteigerte das Auktionshaus Christies das Werk „Edmond de Belamy“ für genau diesen Preis.

In meinen Augen ist das Bild nicht schön, doch das geht mir mit vielen Bildern so, die von Kunstexperten gelobt werden. Ich bin also kein Maßstab. Allerdings verstehe ich, dass das erste Bild, das je von einer künstlichen Intelligenz erschaffen und dann versteigert wurde, einen Sammlerwert hat, weil es etwas Einmaliges ist. Ich gehe nicht davon aus, dass es in Zukunft viele Bilder einer künstlichen Intelligenz geben wird, die über Aktionshäuser versteigert und Beträge in dieser Höhe erzielen werden.

Werden Maschinen bald Künstler ersetzen?

Meiner Einschätzung nach lautet die Antwort: Nein. Schließlich haben Bilderdruck und Fotografie auch nicht die Malerei ersetzt. Obwohl jeder von uns einen Picasso als Kunstdruck kaufen kann, gibt es noch immer Menschen, die bereit sind, unglaublich viel Geld für ein Original zu bezahlen. Ich denke, dass kreative künstliche Intelligenz die Kunstwelt erweitern wird. Es wird Menschen geben, die

  1. sich in diesen Bereich der Kunst vernarren und nur solche Kunstwerke schätzen,
  2. solche Kunstwerke verschmähen werden,
  3. Kunst kaufen, weil sie sie mögen und sich nicht dafür interessieren, wer sie erschaffen hat.

Spannend finde ich das Projekt der Kreativen Muse, das in diesem YouTube Video zu sehen ist. Hier tritt die künstliche Intelligenz in den Dialog mit dem Künstler. Sie analysiert einige Werke des Künstlers und unterbreitet ausgehend von dieser Analyse Vorschlägen, die dem Künstler als Inspiration für neue Werke dienen können.

Fazit

Und? Würdest Du Kunst kaufen, die von einer künstlichen Intelligenz erschaffen wurde? Da ich wenig Ahnung von Kunst habe, ist es mir erstaunlich egal, wer der Künstler ist, dessen Werk mir gefällt. Ich bin – so zu sagen – die Inkarnation eines Kunstbanausen. Ich kaufe, was mir gefällt und bin bereit, dafür einen Preis zu zahlen, der in meinen Augen passt. Das bedeutet, dass ich im Grunde genommen keine „echte“ Kunst, keine Originale, besitze, sondern nur Reproduktionen. Nicht selten bin ich sogar zu faul, mich mit dem Künstler hinter dem Kunstwerk zu beschäftigen. Also ja, ich würde Kunst kaufen, die von einer künstlichen Intelligenz erschaffen wurde, wenn sie mir gefällt und wenn ich sie bezahlen kann.