3 min readPublished On: 21. Oktober 2021By Tags: , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was zotig bedeutet?

Bin ich ein zotiger Witz?

In dem Buch von

Bernhard Pörksen, Friedemann Schulz von Thun: Die Kunst des Miteinander-Redens. Über den Dialog in Gesellschaft und Politik, S. 34.

bin ich über folgenden Satz gestolpert:

„Ein paar vielleicht etwas zotige Witze werden doch wohl noch möglich sein in diesem Land!“

Mir ist der Begriff zotig schon das ein oder andere Mal begegnet, doch ich habe keine Ahnung, was er Konkret bedeutet und bin daher sehr gespannt, was uns das Lexikon dazu verrät.

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon auch heute wieder passende Beiträge für uns bereit:

„zotig <Adj.> (abwertend): derb, unanständig, obszön: -e Ausdrücke.“

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2736.

„Zote, die; -, -n [wahrsch. identisch mit ­Zotte in der Bed. >>Schamhaar; Schlampe<<] (abwertend): derber obszöner Witz, der als gegen den guten Geschmack verstoßend empfunden wird: -n erzählen; *-n reißen (ugs.: Zoten erzählen).“

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2736.

Ein zotiger Witz oder eine Zote ist also ein obszöner Witz.

Sind zotige Witze möglich?

Laut unseren Autoren lautet die Antwort auf diese Frage „Man kann es auch übertreiben.“ Mit dieser Antwort beziehen sich die Autoren sowohl auf Menschen, die jedwede Political Correctness ignorieren, als auch auf jene Menschen, die Political Correctness an jeder nur erdenklichen Stelle beachten.

Ich habe den Faden verloren.

Ich für meinen Teil habe in Sachen Political Correctness inzwischen schlichtweg den Faden verloren. Bei Diskussionen über alte weiße Männer kann ich meistens gedanklich folgen. Weniger Verständnis habe ich für einen Begriff, mit dem versucht wird, Menschen zu beschreiben, ich meine das Wort: „normal“. Meine Vermutung ist, dass mir das Problembewusstsein für das Thema fehlt, weil ich in einer Stadt lebe, in der es normal ist, „nicht normal“ zu sein. Berlin ist so bunt, dass mir spontan niemand aus meinem Bekanntenkreis einfällt, den ich als alten weißen Mann bezeichnen würde. Natürlich kenne ich Männer, deren Haare ergraut sind, doch all diese Männer sind weltoffen und streben nach Gleichberechtigung.

Wenn ich mit einem Menschen kommuniziere, treibt mich die Neugier an. Ich denke nicht lange darüber nach, ob ich etwas sagen darf oder nicht, sondern rede einfach so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich glaube, dass es in Gesprächen nicht auf jedes Wort ankommt, sondern darauf, ob das Gespräch auf Wohlwollen basiert.

Ein obszöner Witz kann manchmal hilfreich sein, um das Eis zu brechen, und ein anderes Mal baut er Barrieren zwischen Gesprächspartnern auf. In meinen Augen sind zotige Witze daher möglich, aber nicht immer empfehlenswert.

Fazit

Ich bin ein Zottelbär.

Weil ich beim Lesen eines Lexikoneintrages unweigerlich Beiträge lese, die in der Nähe des gesuchten Begriffes stehen, habe ich heute gelernt, dass der sympathische Zottelbär aus meiner Kindheit zottelige Haare hat. Zottelige Haare bei einem Menschen dagegen sind laut meinem Lexikon nicht sympathisch, sondern wirken schlampig. Die Verbindung zwischen dem sympathischen Zottelbären und dem zotigen Witz sind unordentliche Haare, die situationsbedingt einmal als niedlich und einmal als schlampig wahrgenommen werden.

Ich für meinen Teil freue mich heute über das neu gelernte Wort und die Aussage unserer Autoren, dass es einen vernünftigen Weg zwischen extremer Political Correctness und extremer Unbekümmertheit gibt, auf dem wir im Alltag auf Augenhöhe wohlwollend miteinander kommunizieren können.