5,5 min readPublished On: 25. Mai 2022By Tags: , Categories: Bücher

Weißt Du, welche Stadt in Sachen E-Mobilität führend ist?

Ich fahre Auto.

Mich hat die Antwort auf diese Frage sehr überrascht. Da ich mich wenig mit Autos und Co. beschäftige, dachte ich bis jetzt immer, dass Elon Musk, der Gründer von Tesla der krasseste Typ in Sachen Elektromobilität ist. Dementsprechend hätte ich vermutet, dass irgendeine amerikanische Stadt in Sachen E-Mobilität führend ist.

Dank

Wolfgang Hirn: Shenzhen. Die Weltwirtschaft von morgen.

habe ich gelernt, dass ich mit der Überlegung auf dem Holzweg bin. Nicht in den USA, sondern in China befindet sich die Stadt, die in Sachen E-Mobilität führend ist und ihr Name lautet Shenzhen.

Mit dieser Information hat unser Autor mich neugierig gemacht und so habe ich beschlossen das Thema heute mittels Internet und YouTube etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wie hat Shenzhen das geschafft?

Shenzhens „ziemlich gut funktionierendes und zudem ökologisch sauberes Verkehrssystem“ (S. 137) beruht laut unserem Autor auf

  1. großen Mengen Geld
  2. mittelfristiger und holistischer Planung
  3. dem autoritären System das mit Befehlen und Sanktionen arbeitet

Die Luft sieht echt nicht gut aus.

Die Stadtplaner der Stadt, die 1970 gegründet wurde wächst rasant. Das Wachstum bring die typischen Probleme großer Städte z.B. Luftverschmutzung mit sich. Mit solchen Problemen hat China Erfahrung, da es hier viele Städte gibt, die mehr als 10 Millionen Einwohner haben.

Shenzhens Stadtverwaltung beschloss bereits vor 2010 auf das absehbare Problem der Luftverschmutzung zu reagieren und ging eine Kooperation mit dem Elektrofahrzeughersteller BYD – Build Your Dream ein. Laut unserem Autor ist BYD und nicht Tesla inzwischen die Nummer 1 in Sachen E-Autos.

Als die Stadt beschloss in Sachen E-Mobilität Gas zu geben, steckte das Thema an sich noch völlig in den Kinderschuhen. Damals setzte Elon Musk die Welt in Erstaunen, weil er ein schnelles E-Auto auf den Markt brachte, über das sich die deutschen Autobauer 2008 noch nicht den Kopf zerbrachen, weil die Qualität des Fahrzeuges aus ihrer Sicht unterirdisch war.

Heute fahren alle Busse und Taxen in Shenzhen mit Strom. Daher werden wir uns im Folgenden anschauen, wie die Stadt, die laut unserem Autor 20 Millionen, laut Wikipedia 17 Millionen und laut Worldpopulationreview etwas mehr als 12 Millionen Einwohner hat, dieses beeindruckende Ergebnis erreicht hat.

Weltrekord E-Busse

2018 stellte Shenzhen einen Weltrekord auf, weil sie weltweit die erste Stadt war, in der jeder der 16.359 Busse auf den Straßen der Stadt ein Elektrobus war. 2021 fuhren die Busse der Stadt jeden Tag 1.014.866 Kilometer und realisieren 1.182.876 Daly Riderships, das würde ich jetzt mal mit täglich Fahrten übersetzen Youtube (Minute 4:45)

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Noch 2012 spielten die 200 Elektrobusse, über die die Stadt verfügte im Verkehrsbild kaum eine Rolle. Doch die Stadt glaubte an die Idee und tat viel dafür, um jeden nicht Elektrobus von den Straßen der Stadt verschwinden zu lassen.

Zu den Maßnahmen gehörte unter anderem der Bau von 510 Busladestationen mit 8000 Ladesäulen. Hier erhalten die Busse jede Nacht den Strom, den sie für die Fahrten am folgenden Tag benötigen. Dass die Busse nachts am Strom hängen hat einen einfachen Grund: nachts ist der Strom günstiger. Dank dieser Preispolitik belasten die Busse das Stromnetz zu einer Zeit, in der die Einwohner das Stromnetz der Stadt nur wenig belasten, da die meisten von ihnen schlafen.

22.000 strombetriebene Taxis

Ich bin kein Taxi.

Für die Elektrisierung der Taxiflotte brauchte die Stadt etwas länger. Seit diesem Jahr fahren 22.000 blaue Taxen auf Shenzhens Straßen und haben damit die roten nicht Elektrofahrzeuge binnen weniger Jahre aus dem Bild der Stadt verdrängt.

Besonders beeindruckend an dieser Entwicklung sind in meinen Augen die letzten 3 Jahre, in denen es der Stadt gelungen ist, die Anzahl der Elektrotaxis fast zu verdoppeln:

Anders als die Busse, werden die Taxen nicht nur nachts geladen. Ein Fahrzeug zu laden dauert ca. 2 Stunden. Das sind 2 Stunden, in denen der Taxifahrer nicht arbeiten kann. Doch auch dieses „Problem“ wurde bei der Umstellung auf die Elektromobilität der Stadt bedacht. Die Ladestationen bieten dem Fahrzeug neuen Saft und dem Fahrer eine Menge Dinge, mit denen er die Wartezeit nutzen kann. Neben der Möglichkeit etwas zu Essen und sich auszuruhen, können Fahrer hier auch Fitness betreiben, Schulungen absolvieren und vieles mehr.

Fazit – Wollen wir das auch?

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, doch mich hat die Leistung der Stadt in Sachen E-Mobilität sehr beeindruckt. Ich habe keine Ahnung, wie bereits gesagt nur wenig Ahnung von Autos, aber ich weiß, dass die Autofahrer in Berlin weder von der Einführung der Umweltzonen noch von der Geschwindigkeitsbegrenzung in der Innenstadt begeistert sind. Beides soll die Luftqualität der Stadt verbessern. Mit Elektrofahrzeugen wären diese Maßnahmen nicht notwendig. Ist eine Umstellung, wie Shenzhen sie vorgemacht hat also auch für Berlin sinnvoll?

In einem YouTube-Video ist ein Nicht-Chinese unglaublich begeistert von der Reinheit der öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt. Er vermutet, dass den Einwohnern der Stadt der Zerstörungswille fehlt, der den Betreibern der öffentlichen Verkehrsmittel z.B. in Berlin ordentlich zu schaffen macht.

Nach meiner Recherche habe ich das Gefühl, dass der fehlende Zerstörungswille der Einwohner einen anderen Grund haben könnte. In den Metrowaggons und Taxis sind Kameras installiert. Jedes Elektro-Taxi verfügt über einen videoüberwachten Innenraum und das Video ist mit nur einem Klick via Livestream zu sehen. (YouTube Minute 13:36)

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So genial ich Technologie finde, so gruselig finde ich den Umgang mit solchen Videos. Ich liebe die Vorstellung mit einem selbstfahrenden Auto von A nach B zu kommen, während ich schlafe, lese oder arbeite. Allerdings habe ich keine Lust darauf, während dessen beobachtet zu werden und bin daher sehr gespannt darauf welchen Weg die neue Mobilität an dieser Stelle einschlagen wird und wie ich mich verhalten werde.

An dieser Stelle bin ich sehr gespannt: Würdest Du ein Fahrzeug nutzen wollen, in dem Dich jeder der Zugang zu einem großen Touchscreen Monitor hat, beobachten kann?