Weißt Du, woher der Ausdruck „Goldene Regel“ stammt?

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HINWEIS: Dieser Artikel ist WERBUNG. Ich habe das Buch geschenkt bekommen und nicht dafür bezahlt.

Goldene Regel ist ein Ausdruck, über den ich noch nie nachgedacht habe, obwohl er ein regulärer Bestandteil meines Wortschatzes ist. Doch dann stolperte ich in

Rafael Badziag: The Billion Dollar Secret

über folgende Sätze:

„Do you know the Golden Rule? Who has the gold makes the rules. The world has been dominated by the Golden Rule.“

Rafael Badziag: The Billion Dollar Secret, S. 119.
Klingt plausibel, stimmt das?

Ich wurde neugierig. Konnte das stimmen? Beschreibt der Ausdruck „Goldene Regel“ wirklich, dass der, der das meiste Gold hat, die Regeln bestimmt. Das wäre spannend, denn so habe ich den Ausdruck noch nie verwendet. Also lass uns herausfinden, ob unser Autor recht hat.

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon heute nicht nur einen Beitrag, sondern gleich zwei Beiträge für uns bereit:

goldene Regel, Bez. für das MT. 7, 12 empfohlene sittl. Verhalten gegenüber den Mitmenschen: >> Alles was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch. <<; in ihrer verneinenden Form (>> Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. <<) Bestandteil der Ethik vieler nichtchristl. Religionen.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 5, S. 551.

Goldene Regel der Mechanik, Gesetzmäßigkeit der Mechanik, nach der es keine mechan. Vorrichtung gibt, durch die Arbeit eingespart werden kann; wird eine Kraft verkleinert, so verlängert sich der Weg und umgekehrt (Beispiel: Flaschenzug).

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 5, S. 551.

Was das Internet sagt

Zeit, Uhr
Ich bin pünktlich, damit Du pünktlich bist.

Da diese beiden Definitionen aus dem Lexikon sich sehr von der unseres Autors unterscheiden, habe ich den Ausdruck noch einmal im Internet gesucht und hier mehrere Seiten gefunden, die die Sache mit der Bibel und Mattäus 7, 12 bestätigen. Die Goldene Regel besagt demnach also, dass wir mit den Menschen, die uns umgeben so umgehen sollten, wie wir uns wünschen, dass sie mit uns umgehen. Wollen wir also zum Beispiel, dass andere pünktlich sind, sollten wir selbst auch pünktlich sein.

Fazit

Halten wir an dieser Stelle als fest, dass ich keine Belege dafür finden konnte, dass die Goldene Regel beschreibt, dass derjenige mit dem meisten Gold, die Regeln bestimmt. Auch wenn diese Variante auf den ersten Blick schön einleuchtend ist, deckt sie sich anscheinend nicht mit der Bedeutung des Ausdrucks.

Ich dachte Best Practice ist die Goldene Regel.

Doch die Sache ist die: Nicht nur unser Autor liegt mit seiner Interpretation offensichtlich daneben, sondern auch meine bis heute genutzte Definition ist laut Lexikon nicht korrekt. Ich habe den Ausdruck „Goldene Regel“ bis jetzt immer eher synonym mit Best Practice genutzt. Für mich beschrieb die Goldene Regel also immer etwas, das man machen sollte, weil es das Bestmögliche oder der bekannt beste Weg ist, um ein Ziel zu erreichen. Somit war die Goldene Regel für mich auch – je nach Anwendungsfall – eine andere. Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, dass in der Formulierung „die Goldene Regel“ die Betonung auf dem „die“ liegt.

An dieser Stelle bin ich gespannt, wie es Dir an dieser Stelle geht. Nutzt Du den Ausdruck Goldene Regel und wenn ja, deckt sich Deine Verwendung mit dem was wir heute herausgefunden haben, oder hast auch Du eine andere Bedeutung im Kopf?