Wenn der Gesetzgeber sagt, dass Frauen und Männer in einer Beziehung gleichberechtigt sind, dann sind sie es doch, oder?
Es gibt Sätze, die mich nicht kalt lassen:

„Der korrekte Platz für eine Frau ist das Innere des Hauses und für einen Mann der Außenbereich.“
ist so ein Satz, über den ich in dem Buch
Grundsätze des Regierens in alten Schriften. Ausgabe 360 Band 1, S. 234.
gestolpert bin.
Das Buch ist eine Wissenssammlung aus zahlreichen Quellen und besteht aus 360 kurzen Grundsätzen, die einem Herrscher dabei helfen sollen, gut zu regieren. Das Buch zeigt die hierfür notwendigen Eigenschaften des Herrschers, seiner Beamten und deren Verhaltensweisen auf.
Die meisten der Grundsätze klingen in meinen Ohren sinnvoll, da der Grundtenor in der Regel lautet
„kümmere Dich nicht nur um Dich, sondern sorge dafür, dass es den Menschen, die Du regierst, gut geht.“
Die wenigen Grundsätze, in denen Frauen vorkommen, stoßen mir dagegen ähnlich bitter auf, wie der oben zitierte Satz, der aus dem Buch Tuan Zhuan, Band 1, Zhou Yi stammt.
Die Trennung ist doch Geschichte, oder?
So sehr mich der Satz nervt, so sehr kann ich über ihn hinwegsehen, da er mehr als 1400 Jahre alt ist. Worüber ich dagegen nicht so recht hinwegsehen kann, ist die Tatsache, dass es bis heute Menschen gibt, die das Gefühl haben, dass Frauen ins Haus gehören, sprich die Hausarbeit und die Familie managen.

Ich gehöre zu den Frauen, die dieser Rolle so gar nicht gerecht werden. Ich kenne viele Frauen, die sich für Familie und Kinder entschieden haben und deren Leben von dieser Entscheidung dominiert wird bzw. wurde. Ich kenne Männer, wie meinen Vater, die sich um ihre Kinder nach einer Trennung kümmern wollten und den Rechtsstreit um das Kind verloren haben.
Die Tatsache, dass ich mich nicht ungewollt in dem Rollenbild wiederfinde, verdanke ich massiv meiner Entscheidung gegen eigene Kinder. Denn aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund müssen Frauen heute nicht mehr das Haus hüten, doch Kinder sind spätestens nach einer Trennung vom Mann dann ein Frauenthema, wenn der Mann nach der Trennung keine Lust hat, sich um die Kinder zu kümmern.
Was brauchen wir, um diese Trennung endlich zu überwinden?
In meinem Umfeld erlebe ich zu meiner großen Freude immer mehr Paare, die die klassischen Geschlechterrollen ablehnen und sich bemühen, die Sache mit der Erziehung und dem Haushalt gerecht aufzuteilen. Ich weiß also, dass es möglich ist.
Ich erlebe aber auch Szenarien, in denen die klassischen Rollen einfach vertauscht werden, weil die Frau das höhere Gehalt hat. In meinen Augen ist diese Konstellation keinen Deut besser als die klassische Konstellation, die in unserem heutigen Zitat beschrieben ist.
Daher brennt mir die Frage unter den Nägeln, was wir brauchen, um diesem klassischen Rollenbild endlich den Garaus zu machen.
Erlaubt der Gesetzgeber die Überwindung der Trennung?
Laut meiner schnellen Recherche lautet die Antwort: Ja. Das Bürgerliche Gesetzbuch enthält die folgenden zwei Gesetze, die sowohl bei Haushaltsaufgaben als auch bei der Erziehung eines Kindes keine Aufgaben definieren, die am Geschlecht gebunden sind.

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 1356 Haushaltsführung, Erwerbstätigkeit
(1) Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen. Ist die Haushaltsführung einem der Ehegatten überlassen, so leitet dieser den Haushalt in eigener Verantwortung.
(2) Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein. Bei der Wahl und Ausübung einer Erwerbstätigkeit haben sie auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie die gebotene Rücksicht zu nehmen.
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 1626 Elterliche Sorge, Grundsätze
(1) Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge). Die elterliche Sorge umfasst die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge).
(2) Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an.
(3) Zum Wohl des Kindes gehört in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen. Gleiches gilt für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich ist.
Es kann sein, dass es noch immer Gesetze gibt, die Geschlechterrollen bei Erziehung und Haushalt auf dem Zettel haben. Doch die habe ich im Rahmen meiner schnellen Recherche nicht gefunden. Solltest Du welche kennen, freue ich mich, wenn Du Dein Wissen in den Kommentaren teilst.

Bewusstsein über Gewohnheiten und Auswirkungen
Der Gesetzgeber lässt also eine Gleichberechtigung zu. Warum ist sie dann bitte noch immer nicht überall gegeben? Nun, weil Menschen Gewohnheitstiere sind, und weil wir dazugehören wollen. Wir schauen uns unser Umfeld an, und wir übernehmen dessen Normen. Menschen, die in einem Haushalt aufwachsen, der die klassische Geschlechterrollen-Verteilung aufweist, halten diese für normal. Wenn sie ihre Eltern mögen und die Beziehung als glücklich erleben, kann der Wunsch entstehen, sich das gleiche aufzubauen. Wer in einer glücklichen Ehe großgeworden ist, hat die Folgen einer Scheidung und deren finanzielle Auswirkungen nicht auf dem Zettel.
Ich hatte diesbezüglich Glück. Ich bin in einer Familie groß geworden, in der die Scheidung fast genauso zum guten Ton gehörte wie die Ehe. Ich habe nie die klassische Form der Ehe erlebt und das Konzept des immer wieder Heiratens und Scheidens hat mich nicht überzeugt. Ich habe erlebt, wie ätzend das Scheidungsjahr ist, in dem Du nur weg willst, den Partner aber immer noch am Hacken hast.
Ich musste mir einen eigenen Weg suchen. Ich hatte diesbezüglich kein Vorbild, das ich einfach übernehmen konnte. Aus heutiger Sicht ist es das Beste, was mir passieren konnte. Ich wusste immer, dass ich niemals von einem anderen Menschen abhängig sein wollte. Ich wusste immer, dass ich auf eigenen Beinen stehen wollte. Das Zusammenlegen eines Kontos im Rahmen einer Beziehung war für mich nie eine Option. Wenn ich in einer Beziehung bin, bin ich finanziell immer so eigenständig, dass ich jederzeit gehen und allein leben kann. Bis heute fahre ich mit dem Konzept gut. Tatsächlich gehöre ich zu den Menschen, deren Beziehungen länger halten als die meisten Ehen, die meine Eltern je geschlossen haben.
Fazit
Wir brauchen nicht nur Gesetze, um das klassische Rollenbild in Beziehungen oder Ehen zu überwinden. Was wir brauchen, sind wache Menschen. Wir brauchen Menschen, die auf die Zahlen schauen und die richtigen Fragen stellen. Fragen wie:
- Wie lange hält eine Ehe in Deutschland?
- Was passiert nach einer Scheidung?
- Welche Auswirkungen hat Kindererziehung auf meine Rente?
An dieser Stelle bin ich neugierig: Welche Punkte siehst Du, die einer Gleichberechtigung im Wege stehen?
Lesedauer & Kategorie
Schnellnavigation
Buchcover zum Beitrag

Werbung
Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
Schlagwörter
Autor
Buchcover zum Beitrag

Schlagwörter
Datum & Autor
Kommentiere den Beitrag
Was passiert nach Deinem Kommentar?
Nachdem Dein Kommentar durch uns geprüft wurde, wird er freigegeben* und erscheint unter diesem Beitrag zusammen mit dem von Dir angegebenen Namen. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie dient uns an dieser Stelle in erster Linie zum Schutz vor Spam. Wenn Du Deine E-Mail-Adresse nicht hier angeben möchtest, kannst Du den Kommentar auch gern auf einem unserer Social Media Profile posten.
*Spam und Kommentare, die nur einen Backlink für die eigene Seite zum Ziel haben, werden einfach gelöscht. Nimm gern Kontakt mit uns auf und lass uns die Möglichkeiten eines Sponsored Post besprechen, wenn Du gern einen thematisch passenden Backlink unter einem bestimmten Beitrag platzieren möchtest.





Die Wrong Answers Only zu diesem Beitrag findest Du auf
https://www.linkedin.com/posts/maria-steinberg_raeutsel-activity-7432292093030612993-xrYq?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAACVAe9YBahWEE6HZAh6bY-V7JfVNza5APCM
https://x.com/steinbg/status/2026526523734343839?s=20