Werden wir erst in 300 Jahren Geschlechtergerechtigkeit erreichen?

Hatte ich schon einmal erwähnt, dass ich der festen Überzeugung bin, dass großartige Geschichten die Welt verändern können? Dass wir erst in 300 Jahren Geschlechtergerechtigkeit erreichen werden, ist in meinen Augen keine großartige Geschichte. Begegnet ist mir diese in

Mein Gott, immer diese Jugend mit ihren ganzen Ideen.

Dana Buchzik: The Power of No. Warum wir endlich unbequem werden müssen

Dana zitiert in ihrem Buch den folgenden Satz aus einem englischsprachigen CNN-Artikel:

„António Guterres, seit 2017 Generalsekretär der Vereinten Nationen, warnte im Jahr 2023 davor, dass angesichts der langsamen Entwicklungen – und der zahlreichen Rückschritte – echte Geschlechtergerechtigkeit erst in 300 Jahren erreicht werden könnte.“

S. 24.

António ist definitiv viel klüger als ich. Er arbeitet für die Vereinten Nationen und kennt daher zahlreiche Daten aus aller Welt, die mir unbekannt sind. Ich zweifle nicht daran, dass António recht haben könnte, doch ich bin nicht gewillt die Aussage einfach so hinzunehmen. Viel lieber möchte ich im Rahmen dieses Beitrages drei großartigen Geschichten eine Bühne geben, deren Erzählung uns, meiner Meinung nach, dabei helfen kann, die Sache mit der Geschlechtergerechtigkeit früher zu erreichen.

Die Wissenschaft wird für mehr Gerechtigkeit sorgen

Seitdem ich das Buch

Sigi Lieb: Alle(s) Gender. Wie kommt das Geschlecht in den Kopf

gelesen habe, verstehe ich endlich, was es mit dem Thema Gendern auf sich hat. Ich habe verstanden, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, weil die Natur nun einmal zu Mutationen neigt und diese Mutationen vor dem X- und Y-Chromosom nicht Halt macht. Dank Menschen wie Sigi, die sich für diese Themen stark machen und ihm Sichtbarkeit geben, verliert das Narrativ der zwei Geschlechter immer mehr an Boden.

Und dann habe ich meinem Sohn eine Puppe gekauft. Die ist so groß.

Endlich werden Dinge in Bezug auf das Geschlecht nicht mehr so gemacht, wie man es immer gemacht hat. Jungs dürfen rosa tragen, Mädchen mit Klemmbausteinen spielen. Sich in der Partnerwahl auf den Menschen und nicht dessen Geschlecht zu konzentrieren wird mehr und mehr normal. In einer Stadt wie Berlin gehören händchenhaltende gleichgeschlechtliche Paare zum Alltag. Männlich gelesene Personen, die ein Kleid tragen, sind in Berlin schon lange nichts Ungewöhnliches mehr.

In den letzten 4 Jahrzehnten habe ich miterleben dürfen, wie das Narrativ der zwei Geschlechter in meiner Stadt an Boden verloren hat. Ich sehe mit großer Freude, wie sich meine Stadt weiterentwickelt hat und ich glaube, dass wir die Geschlechtergerechtigkeit viel früher erreichen können als António glaubt, wenn Menschen Dinge tun, die sie gern tun wollen und sich nicht davon abhalten lassen, dass Frau oder Mann das nicht tut. Jeder von uns kann in diesem Bereich also einen wichtigen Beitrag leisten.

Gebildete Frauen sind das Rückgrat einer starken Wirtschaft

Bevor ich das Buch

Ashoka Mody: Das gespaltene Indien. Ein betrogenes Volk zwischen Wirtschaftspotenzial und Weltmachthype

gelesen habe, wusste ich so gut wie nichts über Indien. Eine wichtige Sache, die mir der Autor des Buches über Indien vermittelt hat, ist dass es seine wirtschaftliche Schwäche einer Bildungspolitik verdankt, die Frauen seit 1945 vernachlässigt. Ashoka vergleicht in seinem Buch die wirtschaftlichen Entwicklungen verschiedener Länder aus dem asiatischen Raum und kommt zu dem Schluss, dass Länder wie Südkorea und Japan ihre wirtschaftliche Stärke der Tatsache verdanken, dass ihre Bildungspolitik sowohl für Jungen als auch für Mädchen war.

Wissen kann nur von Generation zu Generation weitergegeben werden, wenn es vorhanden ist.

Seine Argumentation lautet: gebildete Frauen ziehen kluge Kinder groß, zudem sinkt mit steigendem Wissen der Mutter die Gefahr, dass ein Kind stirbt. Ein Land, dass viele kluge Kinder hat, hat kurze Zeit später kluge Arbeitskräfte, sogenannte Fachkräfte, die in der Regel mehr verdienen, als ungebildete Arbeitskräfte.

Dieses Narrativ ist mir nie zuvor begegnet und ich finde es ist eine großartige Geschichte, die ich gern weitererzähle, weil sie in meinen Augen das Potenzial hat die Erreichung der Geschlechtergerechtigkeit früher zu erreichen.

(M)eine kleine heile Welt

Hallo, ich bin Maria. Ich bin eine Buchbloggerin, die als Kind wahnsinnig gern mit Klemmbausteinen gespielt hat. Ich bin eine Frau, die 2014 ihre Absatzschühchen und Kostümchen gegen Sneakers, Jeans und Sweatjacke getauscht hat. Eine Frau, die sich weder nach einem Ehemann noch nach Kindern sehnt. Ich bin eine Frau, die keinen Bock hat, sich zu schminken und beim Friseur einen Herrenhaarschnitt einfordert, weil ich nicht gern beim Friseur bin und wirklich nur einen Haarschnitt haben möchte. Ich bin eine Frau, die sich nicht sagen lässt, was sie als Frau darf und was nicht. Ich bin Maria. Ich bin ein Mensch.

Als Mensch habe ich das Ziel eine großartige Welt zu erschaffen. Eine großartige Welt, in der jeder Mensch so sein darf, wie er gern sein möchte. Eine Welt, in der jeder Mensch seinen Sinn finden kann und danach streben kann diesen zu erfüllen. Eine Welt, in der wir Wissen teilen und Grenzen überwinden. Ich für meinen Teil lebe bereits in dieser Welt und fühle mich hier pudelwohl. Ich weiß, dass es möglich ist diese Welt zu erschaffen und ich werde so lange Geschichten erzählen, bis wir diese Welt erreichen, oder ich nicht mehr Teil dieser Welt bin.

In meiner kleinen heilen Welt herrscht Geschlechtergerechtigkeit, weil ich jeden Menschen von meiner Welt fernhalte, der kein Fan von diesem Konzept ist. In meiner kleinen Welt habe ich also schon das erreicht, was António erst in 300 Jahren für erreichbar hält, und ich glaube, dass auch Du Geschlechtergerechtigkeit erleben kannst, wenn Du Dein Umfeld dementsprechend gestaltest.

Fazit

Für diesen Beitrag habe ich nicht recherchiert. Die drei Geschichten habe ich ganz spontan aus meinem Gedächtnis abrufen können. Ich bin daher der festen Überzeugung, dass dies nicht die einzigen drei großartigen Geschichten sind, die wir erzählen können, damit die Geschlechtergerechtigkeit schneller wahr wird. An dieser Stelle bin ich daher neugierig: Welche Geschichte kennst Du, deren Erzählung uns dabei helfen kann das Ziel schneller zu erreichen?

20. Mai 2026
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Buchcover zum Beitrag
Buchcover Dana Buchzik The Power of No. Warum wir endlich unbequem werden müssen
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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Weißt Du, was Ta Moko sind?
Ein nachdenklicher Mensch in einem Taucheranzug unter Wasser.Weißt Du, was ein Biom ist?

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