Wie bekämpft man Kriminalität erfolgreich?

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Bitte beantworte bevor Du weiter liest folgende Frage: Wie bekämpft man Kriminalität erfolgreich?

  • Mit Gefängnisstrafen
  • Mit Truthähnen und Spielsachen

Die richtige Antwort hat mich so aus den Socken gehauen, dass ich sie heute dank

Malcolm Gladwell: David und Goliath. Die Kunst übermächtige zu bezwingen

Bitte beantworte bevor Du weiter liest folgende Frage: Wie bekämpft man Kriminalität erfolgreich?

  • Mit Gefängnisstrafen
  • Mit Truthähnen und Spielsachen

Die richtige Antwort hat mich so aus den Socken gehauen, dass ich sie heute dank

Malcolm Gladwell: David und Goliath. Die Kunst übermächtige zu bezwingen aus dem Campus Verlag

mit Dir teilen möchte, denn sie lautet mit Truthähnen und Spielsachen.

Eine wahre Geschichte

Brownsville

Es ist Anfang des neuen Jahrtausends. In ganz New York geht die Kriminalität zurück. In ganz New York? Nein, nicht in ganz New York, ein kleiner Stadtteil widersetzt sich dem Trend. Der Name dieses Stadtteils ist Brownsville, hier leben 100.000 Einwohner.

Das Leben in Brownsville ist nicht lustig. Gangs von Jugendlichen überfallen regelmäßig Passanten. Eine sichere Nachbarschaft sieht anders aus. 2003 wird Joanne Jaffe Leiterin der Housing Police und hat die Aufgabe sich um das Problem zu kümmern, dass keiner vor ihr in den Griff bekommen hat.

Wer sind die Täter?

106 Namen

Jaffe ahnt, dass sie um erfolgreich zu sein anders vorgehen muss als ihre Vorgänger und so schlägt sie einen ungewöhnlichen Weg ein. Sie macht sich auf die Suche nach den Tätern indem sie eine Frage stellt: Welche Jugendlichen wurden in den letzten 12 Monaten mindestens 1 x verhaftet? Es entsteht eine Liste mit 106 Namen.

Jaffe schätzt, dass eine Verhaftung auf 20 bis 50 Taten des Täters erfolgt. Die Täter werden laut ihrer Schätzung also nur bei jeder 20 oder 50 Tat gefasst. Jaffe ahnt, dass sie hier angreifen kann, um die Kriminalität in den Griff zu bekommen und so startet sie eine Sondereinheit.

Hilfe oder Knast?

Die Sondereinheit setzte ein Programm namens J-RIP „Juvenile Robbery Intervention Programm“ (Programm zur Intervention von Überfällen durch Jugendliche) um. Die Sondereinheit bestand aus handverlesenen Beamten. Jeder von ihnen mochte Kinder und jeder von ihnen war bestrebt den Jugendlichen zu helfen ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Das Team gab jedem Jugendlichen die Wahl zwischen zwei Optionen.

wissen
Ausbildung oder Knast?
  1. Du nimmst unsere Hilfe an und wir werden alles dafür tun, dass Du einen Abschluss bekommst, eine Berufsausbildung und wir unterstützen Deine Familien.
  2. Du bist weiter kriminell. Dann tun wir alles in unserer Macht stehende dafür, dass Du hinter Gitter kommst, egal wie klein dein Vergehen war.

Hilfe braucht Vertrauen

Facebook Analyse

Um diese Drohung auch wahr werden zu lassen, musste die Sondereinheit anders vorgehen als zuvor die Polizei. Da das Team sich nicht, wie die Polizei auf 100.000 Einwohner konzentrierte, sondern nur auf 106 Personen, hatten sie genug Zeit, um jeden einzelnen Jugendlichen zu analysieren. Dank dem Facebook Profil der Jugendlichen und intensiven Gesprächen mit deren Angehörigen wusste das Team schnell so ziemlich alles was es über jeden der 106 zu wissen gab.

Während die Analyse von Facebook eine einfache Aufgabe für das Team war, waren die Familien der Jugendlichen eine echte Herausforderung. Sie trauten den Beamten keinen Millimeter über den Weg. Sie glaubten nicht daran, dass die Beamten das Beste für die Jugendlichen wollten. Hier musste das Team echte Überzeugungsarbeit leisten und das tat es so lange, bis die Familien dem Team nach Monaten endlich ihr Vertrauen schenkten und die Zusammenarbeit aufnahmen.

Ich weiß was Du getan hast

2007 konnte das Team mit seiner Arbeit beginnen. Die Jugendlichen merkten schnell, dass das Team es ernst mit ihnen meinte. Wenn ein Team Mitglied einem der Jugendlichen auf der Straße begegnete grüßte es den Jugendlichen. Wenn ein Jugendlicher etwas anstellte, wurde er in das Büro des Teams geladen und die Beamten schilderten dem Jugendlichen war genau vorgefallen war und wann der Jugendliche mit wem unterwegs war. Das Ende vom Lied war, dass die Jugendlichen schnell das Gefühl hatten, dass das Team wirklich überall war.

Truthähne für Familien

Ein Truthahn für die Familie

Im November 2007 kam der Leiter der Sondereinheit David Glassberg zu Jaffa. Er erzählte ihr, dass das Team Geld gesammelt habe, um einem der schlimmsten Jugendlichen und seiner Familie ein Thanks Givivg Essen zu spendieren. Jaffa war sprachlos. Warum sollte man dem schlimmsten Jugendlichen, einem Typen, der sich wirklich nicht bessern wollte, so einen Gefallen tun? Doch Glassberg beharrte auf seiner Idee. Auch er sah wenige Chancen für diesen Jugendlichen sich zu bessern, doch in seiner Familie lebten noch 7 andere Kinder und die waren schließlich noch nicht verloren.

Das Argument überzeugte Jaffa und zwang ihr eine Frage auf: Was ist mit den anderen Familien? Wäre für sie solch eine Geste nicht auch super wertvoll? Also schritt Jaffa zur Tat und nahm am Vorabend von Thanks Giving Kontakt mit dem Polizeipräsidenten auf. Dieser ließ sich von der Idee überzeugen und gab dem Team 2.000 Dollar, damit dies 125 gefrorene Truthähne kaufen konnte. Und das tat das Team in einer Nacht und Nebel Aktion, für die jemand mal schnell einen Kühlwagen organisierte, mit dem das Team in der Nacht von Tür zur Tür fuhr. Für jede Familie hatte das Team eine Tüte mit einem Truthahn und einem Zettel auf dem stand „Von unserer Familie für Ihre Familie. Happy Thanks Giving.“

Bei dem Jugendlichen, für den das Team ursprünglich gesammelt hatte, klopfte das Team an die Tür. Eine Frau öffnete, sah die Beamten und rief den Jungen, da die Polizei da war. Doch Jaffe unterbrach die Dame und sagte ihr, dass sie ein Thanks Giving Geschenk für die Familie dabeihätten und der Familie ein frohes Thanks Giving wünschen wollten. Kurze Zeit später war die ganze Familie da, teils mit Tränen in den Augen und die Beamten wurden vor Dankbarkeit umarmt.

Wir sind denen wichtig

Weihnachtsgeschenke von Beamten

Auch dank dieser Aktion wurden die Familien davon überzeugt, dass das Team sich um die Familien sorgte und nicht nur darum bemüht war für die Sicherheit der Opfer zu sorgen. Dank dieser Aktion gewannen die Familien das Vertrauen in die Beamten zurück, das über Jahre, durch das nicht immer einwandfreie Verhalten vieler Polizisten erschüttert worden war. Da die Aktion so erfolgreich war, verteilte das Team zu Weihnachten Spielsachen an die Familien. Es gab sogar Beamte, die mit den Jugendlichen Basketball spielten und das war nur der Anfang. Die Beamten hielten das Versprechen, dass sie den jugendlichen am Anfang gemacht hatten. Sie brachten sie zu Arzt-Terminen, organisierten Ferienjobs für sie und luden sie zum Essen ein.

Doch nicht nur für die Jugendlichen hatte das Programm viel positives, auch ganz Brownsville merkte schnell, dass das Programm Wirkung hatte. Binnen von drei Jahren sank die Festnahmen der Jugendlichen, die an dem Programm teilnahmen von über 350 auf unter 50 und auch die Zahl der Raubüberfälle ging drastisch zurück. Waren 2006 noch über 120 verübt worden lag die Zahl 2011 bereits weit unter 40.

Fazit

Jaffe konnte diese Erfolge nur erzielen, weil sie sich weigerte das zu tun was alle getan hätten und genau das ist das Tolle an der Geschichte: Sie zeigt uns, dass es manchmal sehr sinnvoll ist ausgetretene Pfade zu verlassen, auch wenn das bedeutet, dass am Anfang viele an uns zweifeln werden.

Also lass uns heute in den Tag starten und schauen was wir tun können, um die Welt zu verändern.