3 min readPublished On: 12. August 2021By Categories: Bücher, Wissen

Wie gewinnt man Wählerstimmen?

Super spannend so ein Wahlprogramm.

Alle vier Jahre stehen wir in Deutschland vor einer Bundestagswahl, die entscheidet, wer in den kommenden 4 Jahren das Land regieren wird. Alle Parteien bereiten sich sehr gut auf dieses Ereignis vor. Sie schreiben Wahlprogramme, veranstalten Parteitage und stellen Kandidaten auf. Der verantwortungsvolle Wähler studiert alle Parteiprogramme, schaut sich jeden Kandidaten an und trifft dann eine fundierte Wahl.

Nun, ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich gehöre nicht zu den verantwortungsvollen Wählern, die jedes Parteiprogramm studieren. Ich weiß, dass ich mal ein Parteiprogramm gelesen habe, und ich weiß auch, dass mich diese Lektüre nicht wirklich aus den Socken gehauen hat. Zum einen war es weder schön noch unterhaltsam geschrieben, zum anderen hatte ich nicht das Gefühl, dass die Partei im Falle eines Sieges in der Lage sein würde, all das umzusetzen, was in diesem Programm stand.

Obwohl ich keine Parteiprogramme lese, gehe ich jedes Mal zur Wahl und mache mein Kreuzchen. Mit dieser Erkenntnis lautet die spannende Frage aus Sicht eines Politikers nun möglicherweise: Wie bekomme ich die Stimme eines Wählers, der keine Wahlprogramme liest? Die meisten Politiker

  • hängen Wahlplakate auf,
  • treten in Talkshows auf und
  • nutzen Parteistände auf der Straße,

um Wählerstimmern zu gewinnen, die sie mit Hilfe ihres Parteiprogrammes noch nicht einsammeln konnten.

Doch manchmal kommt es auch vor, dass ein Politiker es wagt, die ausgetretenen Pfade des klassischen Wahlkampfes zu verlassen. Und manche von ihnen betreten bei der Suche nach Wählerstimmen Pfade, die mir die Sprache verschlagen. Und genau so ein Politiker ist Sheldon Bergson, dessen Geschichte ich heute dank

Randall Munroe: HOW TO – Wie man’s hinkriegt. Absurde, wirklich wissenschaftliche Empfehlungen für alle Lebenslagen

mit Dir teilen kann.

Dafür stehe ich mit meinem Namen

Shut up and take my money.

Unsere heutige Geschichte ereignete sich 2016 in Canada, genauer gesagt in Thornhill/Ontario. In diesem Jahr fand in der Provinz eine Wahl statt, die Sheldon Bergson gern gewinnen wollte. Um die Wahl zu gewinnen, fasste Sheldon jene Wähler ins Auge, die mit den großen Parteien unzufrieden waren. Sheldon war sich sicher, dass diese Menschen auf einem Wahlzettel die Option „Niemand der oben Genannten“ ankreuzen würden, wenn diese Option zur Verfügung stände. Also schnappte er sich 137 Dollar und ließ seinen Namen in „Above Znoneofthe“ ändern. Auf diese Weise wollte Sheldon dafür sorgen, dass sein neuer Name

  • Znoneofthe, Above (Z non of the, Above: Z Niemand der oben Genannten)

als letzter auf einem nach den Nachnamen sortierten Wahlzettel auftauchte.

Bei dieser Wahl sollte Sheldon allerdings Pech haben. Der Wahlzettel, den die Wähler erhielten, war nach den Vor- und nicht nach den Nachnamen der Kandidaten sortiert. Ob aus diesem oder aus einem anderen Grund trug ein anderer Kandidat den Sieg davon. Doch Sheldon ist ein Kämpfer, der nicht so leicht aufgibt. Statt nach der Wahl wieder seinen richtigen Namen anzunehmen, stellte er sich erneut zur Wahl, wobei es ihm auf einer nach dem Nachnamen sortierten Wahlliste gelang, einige Kandidaten hinter sich zu lassen.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber irgendwie bewundere ich Sheldons Durchhaltevermögen und bin gleichzeitig unglaublich glücklich, dass 137 Dollar nicht genügen, um eine Wahl zu gewinnen. Also heißt es nun wieder abwarten und Tee trinken, Wahlplakate bewundern, Kugelschreiber einsammeln und am Tag der Tage unser Kreuzchen zu machen und so die Zukunft des Landes aktiv mitzugestalten.