Wie helfen uns Feedbacks dabei besser zu werden?

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WARNUNG: Der heutige Beitrag schwärmt themenbedingt ganz schön von Technologie. Heute sind dem Tech-Nerd in mir wohl etwas die Pferde durchgegangen ;-).

Analoge Fotografie

Erinnerst Du Dich noch an die Zeiten vor der Digitalkamera? Damals fuhren wir mit einer analogen Kamera und Filmen bewaffnet in den Urlaub. Weil nicht nur der Film Geld kostete, sondern auch die Entwicklung des Filmes setzten wir das Gerät relativ sparsam ein. Wieder zu Hause angekommen brachten wir unsere Filme zur Entwicklung und nur 1 Woche später hielten wir unsere Kunstwerke in den Händen. Aus dieser Zeit stammen bei mir viele Fotos, bei denen ein Finger ein Teil des Bildes verdeckt, weil dieser immer wieder ungeschickt vor die Linse gehalten wurde. Da der nächste Urlaub aber erst Monate später war entstanden auch in diesem wieder wunderbare Fingerfotos, da der Fotograf inzwischen die Sache mit dem Finger wieder vergessen hatte.

Heute gibt es dank der digitalen Smartphonekamera bei mir keine Fingerfotos mehr. Das hat 2 Gründe:

  1. Wir sehen das fertige Bild direkt und wenn sich einmal ein Finger im Motiv einschleicht wird das Bild sofort gelöscht und wiederholt.
  2. Durch das direkte Feedback der Kamera wird eine Lernkurve ausgelöst. Da wir den Finger auf dem Bild bereits einige Sekunden nach der Aufnahme sehen können, können wir unser Verhalten direkt verändern. Dank des direkten Feedbacks der Kamera lernen wir also schnell besser zu Fotografieren.

Dieses kleine Beispiel zeigt, welche Macht Feedback hat und dank

Richard H. Thaler, Cass R. Sunstein: Nudge

kann ich heute noch einige coole Feedbackbeispiele mit Dir teilen, die uns dabei helfen ein besseres Ergebnis zu erzielen. Los geht es:

Die magische Farbe – wie Rosa uns hilft die perfekt geweißte Decke zu bekommen

Die Sache mit dem direkten Feedback funktioniert übrigens nicht nur digital, sondern auch analog, wie das nun folgende Beispiel zeigt.

Schon gestrichen?

Erinnerst Du Dich noch an das letzte Mal als Du renoviert hast? Musstest Du dabei eine bereits weiße Wand noch einmal weiß streichen? Wenn ja: ist es Dir dabei schwer gefallen genau den Überblick zu behalten, wie weit Du bereits gestrichen hast und was noch zu streichen ist? Mir ist das schon einige Male passiert. Zum Glück ist die Geschichte jedes Mal gut ausgegangen, weil im Zweifelsfall eine Stelle lieber zwei oder drei Mal gestrichen wurde um zu verhindern, dass eine Fläche übersehen wurde. Auch wenn das der beste Weg ist, den ich bisher kannte um eine weiße Wand zu bekommen, ist es ein ressourcenfordernder Weg.

Glück

Doch zum Glück stand auch der Erfinder einer genialen Deckenfarbe laut unserem Autoren einst vor dem „Hab ich die Stelle gestrichen“-Problem. Als findiger Erfinder wollte er diese Frage aus der Welt schaffen und die gute Nachricht lautet: Es ist ihm gelungen. Er entwickelte einfach eine weiße Deckenfarbe, die im feuchten Zustand rosa ist und erst im trockenen Zustand weiß wird.

Sonne

Das gleiche Prinzip nutzen übrigens auch einige Sonnencremes für Kinder, diese sind beim Auftragen blau um es den Eltern zu erleichtern den kleinen Sonnenschein optimal vor Verbrennungen zu schützen.

Meine Rechtschreibung

Vor Kurzem fragte mich ein Interviewpartner: „Wie schaffst Du es eigentlich im ersten Anlauf so fehlerfrei zu schreiben?“ Bis zu diesem Moment dachte ich immer meine Rechtschreibung wäre der blanke Horror, doch dann fiel mir auf, dass sie im letzten Jahr wirklich viel besser geworden ist.

Korrekturprogramme

Denn dies ist ein anderes Beispiel für ein Feedback, dass uns inzwischen fast unbemerkt besser macht: unsere automatische Rechtschreibefunktion in Programmen wie Word. Seit dem ich meine Beiträge in Word schreibe, hat sich meine gruselige Rechtschreibung massiv verbessert. Ich kann zwar noch immer keinen Kommas setzten und mache noch immer Fehler, aber bei weitem nicht mehr so viele Fehler wie 2018 als ich mit dem Schreiben begann. Die magische rote Wellenlinie, die sofort unter jedem fehlerhaften Wort erscheint hat mir sogar dabei geholfen, dass ich mein Lieblingswort Maschine endlich im ersten Anlauf richtig schreibe und ihm nicht mehr automatisch ein e hinter dem i verpasse. 😉

Mehr Geduld dank Feedback

Es gibt noch eine andere Stelle, an der technisches Feedback mein Verhalten nachträglich positiv verändert hat. Diese ist für mich inzwischen so selbstverständlich, dass ich fast vergessen hätte sie zu erwähnen und dass obwohl ich die Funktion jeden Tag nutze.

Zahnbuerste
Zahnbürste

So lange ich mich erinnern kann, ist es mir immer schwer gefallen mir 2 Minuten für das Putzen meiner Zähne Zeit zu nehmen. Dank dem technischem Feedback meiner elektrischen Zahnbürste, gehört dieses Fehlverhalten endlich der Vergangenheit an. Nicht nur bekomme ich am Ende meiner 2 Minuten ein freundlich lächelndes Smiley auf dem Display der mitgelieferten Uhr angezeigt, die Bürste signalisiert auch aller 30 Sekunden, dass es jetzt an der Zeit ist die nächste Zahnreihe in Angriff zu nehmen.

Beide Feedbacks der Zahnbürste sind auf den ersten Blick super unscheinbar, aber ihre Wirkung ist genial.

Die Zukunft Stifte und Hörgeräte

Bis jetzt habe ich nur über Dinge gesprochen, die uns bereits heute dank ihrem direkten Feedback das Leben erleichtern. Doch in den letzten Tagen habe ich dank Internetrecherche und der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin noch zwei weitere Produkte entdeckt, die uns in Zukunft das Leben erleichtern. Das eine Produkt ist für die Jugend, dass andere Produkt ehr fürs Alter. Beginnen wir bei der Jugend.

Stifte – Dir Zukunft des Schreiben Lernens

Handschrift

Erinnerst Du Dich noch an Deine Schulzeit? Wie war es damals mit dem Schreiben lernen? Ist es Dir leicht gefallen, oder hast Du damals aufgrund Deiner unleserlichen Handschrift beschlossen Doktor zu werden? Ich für meinen Teil hatte gute Aussichten Doktor zu werden. 😉 Bis heute weiß ich nicht, warum mir Schreiben und zeichnen so schwer fällt. Ist das unleserliche Schreibergebnis meinem mangelnden Rhythmus-Gefühl geschuldet, oder übe ich mit dem Stift einfach zu viel Druck aus?

Doktoren-Handschrift

Für mich werden diese Fragen wohl noch einige Zeit unbeantwortet bleiben, doch dank STABILO könnte sich das bald für die Schüler in unserem Land ändern. Denn STABILO hat einen richtig coolen Stift namens EduPen entwickelt, der den Schülern und Lehrern mittels App ein direktes Feedback zu diesen Fragen gibt. Dank diesem Feedback sehen Lehrer ganz schnell wo die Probleme des Schülers beim Schreiben liegen und können so lange bevor sich eine Doktoren-Handschrift etabliert aktiv werden.

Hörgeräte – Die Headsets der Zukunft?

Ohr, hören
Hören

Nicht nur der Jugend, auch uns Silberfüchsen hilft direktes digitales Feedback in Zukunft zwar nicht beim Schreiben, aber beim Hören. Auf der IFA habe ich erfahren, dass mein Lieblings-Headset-Hersteller Jabra nicht nur Headsets herstellt, sondern auch richtig geniale Hörgeräte. Um die starke Headset-Marke nicht zu verwässern geschieht die Hörgeräte Entwicklung unter dem Markennamen ReSound. Das geniale an diesen Geräten ist, dass sie die Learnings aus dem Headset-Bereich im Hörgerätebereich verwenden. So habe ich gestern die erste wirklich coole Hörgeräte-App gesehen, die sich nicht wie eine träge Schnecke anfühlte, sondern ehr wie eine intuitiv zu bedienende  Entertainment-App.

Kino

Die meisten Hörgerätebesitzer die ich kenne, leiden fast täglich unter unterschiedlichen Geräuschsituationen. Daher haben heute fast alle Hörgeräte spezielle Programme zwischen denen der User je nach Bedarf wechseln kann. So hat er sowohl im Restaurant als auch  im Kino ein optimales Hörerlebnis. Einzige Voraussetzung: Er kann das Gerät bedienen und findet die richtige Einstellung.

In der Praxis ist das leider nicht immer so einfach und daher werden die Geräte von ReSound bald in der Lage sein dem User automatisch mittels Siri und co. die richtige Einstellung für die aktuelle Geräuschsituation zu empfehlen. Ich bin sehr gespannt darauf das Gerät einmal in Aktion zu erleben, muss mich aber anscheinend noch etwas gedulden. 😉

Fazit

Wie Du an der Länge des Beitrages erkennen kannst, finde ich das Thema automatisches Feedback unglaublich spannend. Mir war bis jetzt einfach nicht bewusst wie wichtig Feedback für unseren Lernprozess ist. Und jetzt bin ich wie immer neugierig: Gibt es auch in Deinem Leben Stellen, in denen Dir Feedback geholfen hat noch besser zu werden?

Ich hoffe dieser Beitrag schafft es in die ein oder andere Forschungs- und Entwicklungsabteilung und inspiriert hier den ein oder anderen Entwickler ein smartes Feedback in einem Produkt einzubauen, dass uns allen in Zukunft das Leben erleichtert. Wenn Du zu den Menschen gehörst, die von diesem Beitrag inspiriert wurden, freue ich mich auf Dein Feedback.