Wie können wir Elektroschrott reduzieren?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Campus Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Freunde auf Zeit

Die meisten von uns erleben regelmäßig die Wirkung des Mooreschen Gesetzes. Kaum haben wir uns ein neues technisches Helferlein in Form eines Laptops oder Smartphones zugelegt, ist es auch schon wieder veraltet. Egal, was wir kaufen, wir wissen mit dem ersten Einschalten des Gerätes, dass es uns nur für eine kurze Zeit begleiten wird. Viele Menschen, die ich kenne, tauschen ihr Smartphone alle 2 Jahre aus, weil der Akku zu schwach ist, die Kamera veraltet ist usw.

Das brauche ich bestimmt noch.

Durch den regelmäßigen Tausch der Geräte entsteht nicht nur unglaublich viel Elektroschrott, sondern auch der ständige Bedarf nach neuen Ressourcen. Beides sind Probleme, die ich persönlich gern verdränge, immerhin ist so ein Smartphone ja nur ein klitzekleines Gerät, und ich bin der festen Überzeugung, dass meine Altgeräte im Notfall oder im Urlaub noch einmal gute Dienste leisten werden.

Doch die Sache ist die: Von der rasanten technologischen Entwicklung sind nicht nur schubladenkompatible Geräte wie das Smartphone betroffen, sondern auch gigantische Geräte wie Flugzeuge. Zum Glück werden Flugzeuge in der Regel nicht alle 2 Jahre ausgetauscht, da der Kauf eines Flugzeuges viel zu teuer ist und sich dieses Verhalten nicht rentieren würde. Laut

J. J. Sutherland: Das Scrum-Praxisbuch

Flug
Ich gehöre noch lange nicht auf den Schrott.

ist es üblich, dass ein Flugzeug bis zu 40 Jahre in der Luft gehalten wird. In diesen 40 Jahren wird das Flugzeug gewartet und gepflegt, und ab und an werden auch wichtige Teile ersetzt. Doch dieses Ersetzen ist fast immer mit erheblichem Aufwand und damit auch erheblichen Kosten verbunden.

Warum ist es so kompliziert, Flugzeugteile zu tauschen?

Als erfahrene Flugzeugbauer standen auch die Ingenieure von Saab (ja, richtig, das ist das gleiche Unternehmen, das lange Zeit Autos produziert hat) regelmäßig vor der Aufgabe, alte Flugmodelle zu modernisieren.

Zeit, Uhr
Gib mir 60 Minuten.

Doch eines schönen Tages stellte ein Mitarbeiter die spannende Frage: „Warum ist es so kompliziert, Flugzeugteile zu tauschen?“ Diese Frage war der erste Schritt einer Entwicklung, an deren Ende das Flugzeugmodell Gripen E auf den Markt kam. Die Gripen E ist das erste große Flugzeug auf der ganzen Welt, bei dem selbst der Austausch eines ganzen Triebwerkes nur eine einzige Stunde dauert.

Wie hat Saab das geschafft?

So einfach wie Bauklötze stecken.

Nun, Saab hat nicht nur die richtigen Fragen gestellt. Das Unternehmen, oder vielmehr seine Mitarbeiter, hatten zudem den Willen, die Herausforderung, die sie entdeckt hatten, auch zu meistern. Sie erkannten, dass der Austausch von Flugzeugteilen zu kompliziert und teuer ist und dachten darüber nach, wie sich dieser Prozess besser gestalten lässt. Sie kamen zu dem Schluss, dass sich der Austausch von Teilen viel einfacher gestalten würde, wenn das Flugzeug modular aufgebaut wäre. Statt mühsam beim Austausch eines Teils Schraube für Schraube und Blech für Blech ausbauen zu müssen, wäre es doch viel einfacher, ein Teil einfach wie einen Legostein abziehen und ein neues Teil aufstecken zu können.

Ein Wunderwerk der Technik.

Alles, was es dafür brauchte, war ein einheitliches Stecksystem, und genau dieses entwickelte Saab. Entstanden ist die Gripen E, ein Flugzeug, das potenziell 50 Jahre einsatzfähig ist und in dieser Zeit jederzeit schnell und einfach mit der neuesten Technologie ausgestattet werden kann. Ich bin immer noch fasziniert, dass Saab dieses Wunderwerk der Technik gelungen ist. Immerhin wirken beim Fliegen unglaubliche Kräfte, und Generationen von Flugzeugbauern waren der festen Überzeugung, dass nur Nieten und Schweißnähte diesen Kräften widerstehen könnten. Doch Saab ignorierte diese Überzeugung und baute einfach ein Flugzeug, das an den empfindlichsten Stellen durch ein smartes Stecksystem zusammengehalten wird.

Fazit

Was Saab mit diesem Flugzeug gelungen ist, ist in meinen Augen einfach unglaublich großartig. Ich liebe die Idee modularer Geräte. Sie schenken uns nicht nur die Chance, eine Menge Kosten zu sparen, sondern auch die Chance, unnötigen Elektroschrott zu vermeiden, indem wir bei einem Smartphone zum Beispiel nur die Kamera oder den Akku tauschen und der Rest gleich bleibt.

Modulare Smartphones haben den Markt nicht erobert.

Leider habe ich in Sachen Smartphone mit dem Fairphone und dem Motorola Z bereits zwei großartige modulare Systeme sterben sehen. Deshalb hatte ich fast die Hoffnung aufgegeben, das modulare Systeme sich durchsetzen können. Doch Saabs Flugzeug hat mir neue Hoffnung geschenkt.

Die Frage, die mir nun im Kopf herumgeistert, lautet: Wenn wir modulare Flugzeuge bauen können, was können wir dann noch alles modular bauen, um Elektroschrott zu vermeiden und Ressourcen zu schonen? Gibt es noch andere Produkte, die bereits modular gebaut werden und die ich einfach noch nicht kenne? Wenn Du Antworten auf diese Fragen hast, freue ich mich unglaublich, wenn Du Dein Wissen mit uns teilst.