Wie lange wächst das menschliche Gehirn?

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Heute gibt es richtig gute Nachrichten: Unsere Hirne wachsen unser Leben lang. Wie und weshalb erfährst Du heute dank

Werner Siefer: Das Genie in mir. Warum Talent erlernbar ist

Mein Gehirn schrumpft jedes Jahr, oder?

Du wirst alt mein Junge.

Ich weiß gar nicht mehr so recht weshalb, aber bis jetzt war ich der festen Überzeugung, dass mein Gehirn so ist, wie es ist, und ich damit leben muss, dass es mit der Zeit immer weiter verfällt. Ich habe geglaubt, meine guten Hirnjahre seien längst vorbei. Ich dachte, dass ich meine besten Hirnjahre irgendwann in meiner Jugend einfach unwissend verschwendet hätte. Ich hatte mich längst damit abgefunden, und dann las ich dieses Buch.

Was wir nicht brauchen wandert in den Müll

Wird das noch gebraucht, oder kann das weg?

Nach einer aktuellen Schätzung (das Buch ist 2009 erschienen) bilden sich allein in einer einzigen Sekunde eine Million neuer Kontaktstellen zwischen unseren Nervenzellen. Was hier so gut klingt hat einen kleinen Nachteil: Diese Kontaktstellen, auch Synapsen genannt, bleiben nur so lange erhalten, wie sie aktiv genutzt werden. Sobald sie nicht mehr genutzt werden, werden sie abgebaut. Wenn also in einer Sekunde eine Million neuer Synapsen entstehen, kann es sein, dass in der gleichen Sekunde eine Million anderer Synapsen, die lange nicht genutzt wurden wieder abgebaut werden.

Datenautobahnen für viel genutzte Wege

Der Weltmeister 1964 war…

Wenn wir uns viel mit einem Bereich beschäftigen baut unser Gehirn für diesen Bereich besonders viele Synapsen auf. So kann ein Fußballfan die WM-Gewinner der letzten Jahrzehnte in der Regel schnell wiedergeben, dafür fällt es ihm vielleicht schwerer, die Wimbledon-Gewinner der letzten Jahre zu benennen. Der Fußballfan hat viel Zeit damit verbracht, sich Fußball-WM anzuschauen oder über diese zu lesen, und dadurch sind in diesem Bereich seines Gehirns Synapsen entstanden, die ihn auf diese Informationen schnell zugreifen lassen.

So wie ein Fußballfan viel Zeit mit Fußball-Wissen verbringt, so verbringt ein Musiker viel Zeit mit Musik. Der Musiker übt oft jeden Tag, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Ein Klavierspieler verbringt viel Zeit damit, bestimmte Handgriffe auf dem Klavier zu üben. Das bedeutet, dass es bei jeder Übung immer mehr Synapsen bildet, die ihm dabei helfen, seine Handgriffe zu beherrschen. Das Spannende ist, dass diese Übung bei manchen Musikern das Gehirn massiv gestaltet. So nimmt bei Cellisten und Violinisten das Zellgebiet, das die linke Greifhand im Hirn repräsentiert, bis zu 30% mehr Platz ein als bei normalen Menschen. Dieses Phänomen gilt übrigens nicht nur für Musiker. Auch das Gehirn von Taxifahrern wird von ihrer Tätigkeit verändert. So zeigte sich bei Londoner Taxifahrern, dass ihr Hippocampus deutlich vergrößert war. Die Forscher gehen davon aus, dass die tägliche Navigationsleistung in der Stadt dieses Wachstum verursacht. Doch können allein Synapsen ein Hirn so deutlich verändern?

Fazit

Es entstehen neue Nervenzellen.

Viel cooler als die Bildung und der Abbau der Synapsen ist die Neurogenese. Bis jetzt dachte ich, dass wir damit leben müssen, dass wir im Alter immer mehr abgestorbene Zellen haben und unser Hirn auf Raten stirbt. Doch das ist laut dieses Buches gar nicht so. Denn die Neurogenese beschreibt das Phänomen der Entstehung von Nervenzellen. Die entstehen nicht nur in unserer Kindheit, sondern unser ganzes Leben lang. Während zu Beginn unseres Lebens viele Nervenzellen entstehen, entstehen im Alter nur noch wenige Nervenzellen. Das entscheidende aber ist: Es entstehen auch im Alter neue Nervenzellen.

Lass uns mit diesem Wissen in den Tag starten und alles dafür geben, dass heute richtig großartige Synapsen und Nervenzellen entstehen.