Wie lernt unser Gehirn, und wie können wir leichter lernen?

_Geschätzte 6 Minuten Lesezeit

WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Ullstein Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Danke für die Information. Das werde ich mir merken, oder auch nicht.

Jeden einzelnen Tag prasseln auf allen möglichen Wegen unzählige Informationen auf uns ein. Ein Teil dieser Informationen merken wir uns nur für ein paar Tage. Andere Informationen sind auch Monate und Jahre später noch in unserem Gehirn. Und einen Teil der Informationen vergessen wir gleich wieder.

Zu den vergessenen Informationen gehören immer wieder auch Informationen, die wir uns eigentlich unbedingt merken wollen. Andere, in unseren Augen unwichtige Informationen, speichern wir dagegen für immer ab. So kann ich mich heute noch genau an eine Szene erinnern, in der ein von mir gemaltes Bild an der Tafel im Kunstunterricht hing. Dagegen habe ich keine Ahnung mehr, was es mit einer binomischen Formel auf sich haben könnte. Das Ergebnis unserer täglichen Informationsspeicherung trägt jeder von uns in Form von Erinnerungen und Wissen in seinem Gehirn mit sich herum. Die Frage lautet allerdings: Wie kommt dieses Ergebnis an Erinnerungen und Wissen zustande?

Welche Informationen merken wir uns?
  • Wie genau kommen die Informationen in unser Gehirn?
  • Welche Informationen merken wir uns?
  • Welche Informationen vergessen wir?
  • Wie genau lernt unser Gehirn?

Zu meiner großen Freude hat sich

Henning Beck: Das neue Lernen heißt verstehen

intensiv mit diesen Fragen beschäftigt, und es ist ihm gelungen, alle meine Fragen so zu beantworten, dass ich die Antworten heute mit Dir teilen kann.

Wie genau kommen die Informationen in unser Gehirn?

Das hört sich spannend an. Kannst Du das bitte speichern, liebes Gehirn?

Informationen gelangen über unsere Sinnesorgane in unser Gehirn. Alles, was wir sehen, hören, fühlen und riechen sind Informationen, die wir bzw. unser Gehirn verarbeitet. Doch die Sache ist die: Unser Gehirn besitzt zwar unglaublich viel Speicherkraft, würde es allerdings jede Information speichern, dann wäre unsere Festplatten im Kopf schnell voll. Das Gehirn könnte in diesem Fall einfach flexibel reagieren und alte Informationen überspeichern, oder stabil bleiben und aufhören, neue Informationen zu speichern. Im ersten Fall würde ein katastrophales Vergessen einsetzen, und wir könnten uns an nichts mehr erinnern, was vor einem bestimmten Zeitpunkt passiert ist. Im zweiten Fall könnten wir uns an alles erinnern, was vor einem bestimmten Tag passiert ist, aber an nichts danach.

Beide Lösungen sind nicht zufriedenstellend und daher hat das Gehirn im Verlauf der Evolution eine andere Strategie, die sowohl flexibel als auch stabil ist, gefunden, um Informationen zu speichern. So gibt es in unserem Gehirn zwei Orte, die besonders wichtig für Informationen sind:

  1. den Hippocampus und
  2. das Großhirn.

Im Hippocampus kommen alle Informationen an. Ins Großhirn gelangt nur der Teil der Informationen, die wir uns dauerhaft merken.

Ich vergesse fast nichts.

In diesem Gespann ist der Hippocampus das schnelle agile Informationssystem, das Informationen schnell aufnimmt und schnell wieder vergisst. Das Großhirn ist das langsame und träge Informationssystem, das eine Weile braucht, um Informationen abzuspeichern, sie dafür aber auch langfristig aufbewahrt.

Welche Informationen merken wir uns?

Ich bin Türsteher und entscheide, wer hier reindarf.

Da die Informationen im Hippocampus ankommen, aber nur ein Teil der Informationen zum Großhirn weitergeleitet werden, ist unser Hippocampus so etwas wie ein Türsteher für Informationen. Ein Türsteher hat die Aufgabe, nur die richtigen Personen in einen Veranstaltungsort zu lassen. Wer das ist, entscheidet der Türsteher aufgrund seiner Erfahrungen und den Wünschen des Eigentümers.

Unser Hippocampus ist ein etwas eigenwilliger Türsteher, der sich vom Eigentümer des Gehirns nicht einfach sagen lässt, welche Informationen zur Großhirnrinde durchgelassen werden. Für den Hippocampus gibt es laut unserem Autor zwei Kriterien, die darüber entscheiden, ob eine Information zum Großhirn gelangen darf:

  1. Ein Kriterium ist, ob sich die Information von der vorigen unterscheidet.
  2. Ein zweites, ob die Information neu und überraschend ist.
Das funktioniert also nicht. Wieder was gelernt.

Da Informationen nur diese beiden Kriterien erfüllen müssen, um in unser Großhirn und damit in unser Langzeitgedächtnis zu gelangen, bedeutet das, dass wir immer und überall lernen. Wir bekommen in der Regel gar nicht mit, dass wir lernen. Lernen ist also alles andere als anstrengend, es passiert einfach immer und überall. Der einzige Haken an der Geschichte ist lediglich, dass wir nur wenig Einfluss darauf nehmen, was wir lernen.

Welche Informationen vergessen wir?

Ich mach nur kurz ein Nickerchen, damit Du aufräumen kannst.

Informationen, die beiden Kriterien unseres Hippocampus nicht erfüllen, vergessen wir. An dieser Stelle ist es wichtig, zu wissen, dass auch unser Hippocampus nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit für Informationen hat. Um neue Informationen aufnehmen zu können, müssen die Informationen täglich aufgeräumt werden. Das schöne ist, dass wir von diesen Aufräumaktionen so gut wie nichts mitbekommen, denn unser Hippocampus erledigt diesen Job während wir schlafen.

Wie genau lernt unser Gehirn?

Während wir schlafen spielt der Hippocampus alle Informationen des Tages, die er für speichernswert hält, immer wieder dem Großhirn vor. Die Nervenzellen im Großhirn verstehen durch die ständige Wiederholung, dass die Informationen relevant sind und hinterlegt sie im Großhirn.

Übrigens habe ich dank unseres Autors heute gelernt, dass unser Gehirn nicht nur einen Hippocampus hat. Es hat zwei, jede unserer Gehirnhälften hat ihren eigenen Hippocampus.

Fazit

Nachdem wir nun etwas besser verstehen, wie Informationen in unser Großhirn gelangen, können wir dieses Wissen nutzen, um leichter zu lernen. Der Lerntipp unseres Autors für Lernende lautet:

  • Ein kurzer Schlaf nach dem Lernen sorgt für eine bessere Erinnerung an das Gelernte.

Mein Lerntipp für Lehrende lautet:

  • Verpacke Informationen, die gelernt werden sollen, türsteherfreundlich. Wichtige Lerninhalte sollten sich immer von vorherigen Informationen unterscheiden, neu und überraschend sein.