5,2 min readPublished On: 19. September 2022By Tags: , , Categories: Bücher, Wissen

Wie viel würdest Du für ein Restaurantbesuch zahlen?

Das war richtig lecker.

Warst Du schon einmal Essen und hattest am Ende das Gefühl, dass das Essen den gezahlten Preis nicht wert war? Und warst Du schon einmal Essen und hattest das Gefühl, dass Du viel zu wenig bezahlt hast? Was hast Du in diesen Situationen gemacht? Mit hoher Wahrscheinlichkeit hast Du die Rechnung einfach beglichen.  Im ersten Fall hat der Kellner vielleicht weniger Trinkgeld bekommen und das Restaurant danach eine nicht ganz so großartige Bewertung im Internet. Im zweiten Fall dagegen hat der Kellner von Dir wahrscheinlich ein höheres Trinkgeld bekommen, und Du hast das Restaurant anschließend nicht nur weiterempfohlen, sondern auch noch einige Male besucht.

Doch was wäre, wenn Du in einem Restaurant einfach selbst bestimmen könntest, was Du für das Essen bezahlst. Wäre solch ein Modell überlebensfähig? Laut

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gibt es genau so ein Restaurant in der Innenstadt von Wien. Gegründet wurde es von einem Menschen, der 2005 als Flüchtling in Wien eintraf.

Nicht nur für Flüchtlinge ist Wien echt teuer

Essen in Wien ist zu teuer für mich.

Als Afzaal Deewan in Wien eintraf stellte er schnell fest, dass das Leben in der Stadt sehr teuer ist. Einige Menschen in Wien können sich dieses Leben leisten, andere wiederum fallen durchs Raster und kommen nur mit Mühe über die Runden. Während einige Menschen in Wien täglich Essen gehen können, sind für andere Menschen Restaurantbesuche aus finanziellen Gründen nur selten möglich

Eines Tages hatte Afzaal Deewan eine verrückte Idee. Was wäre, wenn er ein Restaurant eröffnen würde, in dem jeder der möchte, essen kann? Ein Restaurant, in welchem die Menschen einfach selbst bestimmen, was sie für das Essen zahlen. Zusammen mit seiner Partnerin setzte er die Idee um. Weil Afzaal aus Pakistan stammt, bietet sein Restaurant 5 pakistanische Gerichte als Buffet an. Seine Gäste können sich nach Herzenslust am Buffet bedienen und zahlen am Ende einfach so viel sie möchten.

Außer seiner Freundin Natalie, die mit Afzaal gemeinsam das Restaurant startete, gab es nur wenige Menschen, die daran glaubten, dass dieses Konzept funktionieren kann. Die meisten befürchteten, dass Afzaals großzügiges Angebot ausgenutzt wird und das Restaurant bald wieder schließen muss. Doch zu meiner großen Freude hatten diese Menschen unrecht. Das Konzept ging auf. Die meisten Menschen zahlen einen Betrag um die 5 €. Das reicht nicht nur, um das Restaurant am Leben zu halten. Es reichte Afzaal sogar dafür, dass er weitere Restaurants nach diesem Konzept eröffnen konnte. So gab es 2020 bereits drei Deewan-Restaurants in Wien.

Tatsächlich ist Afzaal nicht der einzige Unternehmer in Wien, der dem hohen Preisniveau der Stadt mit einem Konzept „Zahle-soviel-du-möchtest“ etwas entgegensetzt. In diesem Blogbeitrag findest Du eine Liste weiterer Geschäfte, die dieses Konzept verfolgen.

Das geht nur in Wien, oder?

Solche Restaurants gibt es überall.

Laut meiner Internetrecherche gibt es nicht nur in Wien Restaurants, bei denen der Gast den Preis bestimmt. Tatsächlich gibt es solche Restaurants in der ganzen Welt. In diesem Blogbeitrag findest Du eine Liste mit einigen dieser Läden.

Auch in Deutschland gibt es Restaurants wie das Kish oder Cafés wie das Findus, die nach dem Pay-What-You-Want-Konzept funktionieren. Leider habe ich hier keine vollständige Liste für Dich, doch mit dem Begriff Pay what you want und dem Namen Deiner Stadt, solltest Du mit Hilfe der Suchmaschine schnell herausfinden können, ob so etwas auch in Deiner Nähe existiert.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, doch ich freue mich sehr über die Ergebnisse meiner heutigen Recherche. Als mir die Geschichte von Afzaal im Buch unserer Autoren begegnete, klang es so, als sei er der einzige Restaurantinhaber, der seinen Gästen die Entscheidung über die Rechnung überlässt. Das es hier eine ganze Bewegung gibt, die weit über die Gastronomie hinausgeht, ahnte ich nicht.

Dabei nutze ich inzwischen regelmäßig ein ähnliches Angebot, das ich Dank Twitter kennengelernt habe. In der Crellestraße 9 in 10827 Berlin gibt es einen Buchladen namens Medienpoint Schöneberg, der seinen Besuchern erlaubt, jeden Tag ein paar Bücher kostenlos mitzunehmen. Hier setze ich regelmäßig ein paar meiner geerbten Bücher aus, die mich nicht begeistern konnten und nehme im Gegenzug ein, zwei Bücher mit, die von Autoren stammen, die mir beim Lesen mehr Freude bereiten.

Fazit

Ich weiß es nicht.

Nachdem wir nun wissen, dass es mehr als ein Restaurant gibt, bei dem die Gäste den Preis bestimmen dürfen, kommen wir an dieser Stelle noch einmal zu der heutigen Frage zurück, auf die wir bis jetzt noch keine Antwort haben. Für Dich kann ich die Frage nicht beantworten. Doch ich denke, bei mir wäre der gezahlte Preis immer abhängig von der Leistung. Für gutes Essen würde ich mehr zahlen als für Essen, das mir nicht geschmeckt hat. Dafür würde ich von dem guten Essen dann wahrscheinlich mehr verputzen als von dem schlechteren.

In jedem Fall würde ich dafür sorgen wollen, dass die Kosten des Wirtes gedeckt sind. Aus diesem Grund würde ich mir statt der Preise der Gerichte eine Information wünschen, die mir einen groben Überblick über die Kosten bei die Herstellung der Gerichte und des Betriebes gibt. Vielleicht auch einen Hinweis in dieser Art: Wenn jeder 1 € bezahlt, müssen wir bald schließen. Bei 5 € je Gast können wir knapp überleben. Bei 30 € je Gast expandieren wir. Zahle einfach was Du möchtest. Unser Tipp: Wenn Du es richtig gut meinst, kannst Du einfach mehr bezahlen und damit dem ein oder anderen Gast, der weniger hat, das Essen für 1 € finanzieren, ohne dass wir deshalb gleich schließen müssen.

An dieser Stelle bin ich neugierig: Wie viel würdest Du für ein Restaurantbesuch zahlen, wenn Du den Preis bestimmen könntest?