5,3 min readPublished On: 10. März 2022By Tags: Categories: Bücher, Wissen

Wie wollen wir in Zukunft lernen?

Zum Rechnen nehme ich am liebsten einen Taschenrechner.

Erinnerst Du Dich noch daran, wie Du Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt hast? Mit hoher Wahrscheinlichkeit hast Du diese Fähigkeiten während des Besuches einer Schule erlernt. Den Besuch der Schule verdankst Du der Tatsache, dass 1919 die Schulpflicht in Deutschland eingeführt wurde. Doch natürlich lernten Menschen schon lange bevor es Schulen gab.

Eine kleine Geschichte des Lernens

Die Art und Weise wie wir lernen hat sich im Verlauf der Menschheitsgeschichte durch technologische Entwicklungen und kulturelle Veränderungen massiv verändert.

Die ersten Menschen, die die Welt bevölkerten, gaben ihr Wissen in der eignen Gruppe von Generation zu Generation weiter. Diese Art der Wissensübertragung war fragil. Starben die Wissensträger vor der Weitergabe ihres Wissens an die nächste Generation, dann starb mit ihnen auch ihr Wissen aus.

Mit der Erfindung der Schrift erhielt der Mensch eine neue Technologie, das Wissen unabhängig von menschlichen Wissensträgern zu speichern. Dank der Schrift konnte das Wissen gesammelt, aufbewahrt und über größere Entfernungen hinweg weitergegeben werden.

Wer Lesen kann ist klar im Vorteil.

Doch die Erfindung der Schrift reichte nicht, um das Wissen der ganzen Menschheit zugänglich zu machen. Selbst mit der Erfindung des Buchdruckes 1452 blieb das Wissen, das sich nun viel leichter und schneller kopieren ließ als je zuvor, das Privileg einer kleinen Gruppe von Menschen, nämlich derjenigen, die lesen konnten.

Trotz all der Technologien zur Wissensverbreitung verhinderte die Kultur jener Zeit, dass sich das Wissen wirklich schnell verbreitete. Wissen blieb ein Privileg und der Glaubenssatz, dass Wissen Macht ist und beschützt werden muß, begleitete die Menschheit noch viele Generationen.

570 Jahre in denen der Umfang des Wissens explodierte

Der Buchdruck wurde vor 570 Jahren erfunden. Heute leben wir in einer Zeit, in der die Menschheit so viel weiß, dass ein einzelner Mensch dieses Wissen nicht mehr erlernen kann. Gottfried Wilhelm Leibniz, der letzte Mensch, der als Universalgelehrter gilt, weil er das ganze Wissen seiner Zeit kannte. starb vor über 300 Jahren.

Schau mal, wie schnell Wissen um die Welt reist.

Der Grund für die Wissensexplosion in den letzten 570 Jahren sind ein massiver kultureller Wandel und die Erfindungen zahlreicher neuer Technologien, zu denen auch das Internet gehört. Wissen, das über Jahrhunderte wie ein Schatz gehütet wurde, ist heute nur wenige Klicks entfernt.

Wer heute lebt, muss damit leben, dass es Dinge gibt, die er nicht weiß. Ich bin zum Beispiel nicht in der Lage, einen Computer zu bauen, obwohl ich mir ein Arbeiten ohne einen solchen Wunderkasten nicht vorstellen kann. Doch ich weiß, dass ich lernen könnte, einen Computer zu bauen, wenn ich es wirklich lernen wöllte. Allerdings sind mir die „Kosten“ dieses Wissenserwerbs zu hoch. Denn ich habe nur ein Leben, und dessen Zeit ist begrenzt. Wenn ich lerne, wie ich einen Computer baue, dann fehlt mir diese Lernzeit für andere Themen, die mich mehr interessieren.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit haben viele Menschen auf dieser Welt den Luxus zu entscheiden, was sie lernen wollen. Ja, noch mehr: Wir können sogar entscheiden, von wem wir lernen wollen. Wir können entscheiden, ob wir

  • postfiguratives Lernen,
  • konzentriertes Lernen,
  • radiales Lernen,
  • konfiguratives Lernen oder
  • präfiguratives Lernen

bevorzugen, und wir können in diesen Formen des Lernens sogar hin und her springen. Doch um dies zu tun, müssen wir wissen, was die Begriffe in dieser kleinen Stichpunktliste bedeuten, die mir in

Matthias Horx: Das Buch des Wandels. Wie Menschen Zukunft gestalten

begegnet sind. Also gehen wir die Liste nun Punkt für Punkt durch. Doch zuvor verrate ich Dir noch, dass wir diese Liste der Anthropologin Margaret Mead verdanken.

Postfiguratives Lernen

Mama?

Das postfigurative bzw. vertikale Lernen ist das erste Lernen, das die meisten Menschen erleben. Beim vertikalen Lernen übertragen Eltern ihr Wissen an ihre Kinder. Diese Methode des Lernens ist so alt wie die Menschheit.

Konzentriertes Lernen

Das konzentrierte Lernen, das unser Autor auch Hogwarts Lernen (nach der Zauberschule von Harry Potter) nennt, ist das Lernen, das auch heute noch in Internaten oder Eliteschulen vermittelt wird. Hier nehmen die Wissensträger die Rolle von Vorfahren an, die das Wissen an Nachfahren vermitteln. Diese Methode des Lernens entwickelte sich erst, als Menschen seßhaft wurden und in Dörfern und Städten zusammen lebten.

Radiales Lernen

Das was der lehrer sagt, muss ich mir aufschreiben.

Beim radialen Lernen sind Lehrer, Führer und Medien die Wissensüberträger. Hier lernen die Schüler und das Publikum jenes Wissen, dass die Wissensüberträger vermitteln wollen. Diese Methode des Wissens ist historisch gesehen noch neu und hat das letzte Jahrhundert massiv geprägt.

Konfiguratives Lernen

Das konfigurative Lernen bzw. das vertikale Lernen ist eine Wissensvermittlung, die innerhalb einer Gruppe stattfindet. Hier gibt es keine Wissensvermittler- und Wissensempfängergruppe. Hier ist jeder in der Gruppe Lernender und Lehrender, je nachdem ob er Wissen hat, das Anderen in der Gruppe fehlt oder ob er Wissen braucht, dass die Gruppe besitzt. Diese Art der Wissensvermittlung gab es schon immer, doch sie ist in gewisser Weise unsichtbar, weil sie fast unbewusst passiert.

Präfiguratives Lernen

Beim präfigurativen Lernen fließt das Wissen wie beim konfigurierten Lernen innerhalb einer Gruppe und wird dabei von einer jüngeren Generation an eine ältere Generation vermittelt. Diese Art der Wissensvermittlung ist sehr jung und der rasanten Entwicklung des Wissens und der Technologie in den letzten Jahrzehnten geschuldet.

Fazit

Nachdem wir nun eine Menge über das Wissen und über das Lehren und Lernen gelernt haben, ist es Zeit, die Frage zu beantworten, wie wir in Zukunft lernen wollen. Das Zauberwörtchen in dieser Frage lautet „wir“. Ich kann die Frage beantworten, wie ich in Zukunft lernen möchte. Die Frage, wie „wir“ in Zukunft lernen wollen, können wir nur gemeinsam beantworten. Und daher reiche ich die Frage an Dich weiter, damit wir gemeinsam eine Antwort finden können. Ich möchte mein Leben lang von allen Menschen lernen, die mir begegnen und mein Wissen mit allen Menschen teilen, die sich dafür interessieren. Und Du?