Würdest Du ein Verbrechen gestehen, dass Du nicht begangen hast?

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Nach intensivem darüber Nachdenken fallen mir Situationen aus meiner Schulzeit ein, in denen ich Schuld auf mich genommen habe, um Freunde zu schützen. Hierbei ging es um Kleinigkeiten wie: warum seid ihr zu spät, oder wer hat die Schokolade aufgegessen? Es waren einfach Situationen in denen ich wusste, dass meine Freunde eine riesige Szene bekommen würden und ich nur eine leichte Verwarnung für ein Schuldeingeständnis kassieren würde.

Doch meine Geständnisse sind nichts im Vergleich zu den unglaublichen Geständnissen, von denen das Buch

Robert S. Feldman: Lügner

berichtet:

Unglaubliche Geständnisse

  1. 50 Menschen gestanden 1947 die „schwarze Dahlie“ Elizabeth Short ermordet zu haben.
  2. Über 200 Menschen gestanden das Lindbergh-Baby entführt zu haben.

Ich habe mir jetzt die Recherche nach den einzelnen Verbrechen erspart. Auch erspare ich mir jetzt jegliche Gedanken darüber, wie viele Menschen aufgrund falscher Geständnisse zu Unrecht verurteilt wurden und hinter Gittern sitzen.  

Denn spannend an diesen Verbrechen ist aus meiner Sicht nicht, was genau da passiert ist, sondern warum in aller Welt so viele Menschen gestanden haben ein Verbrechen begangen zu haben, das sie nicht begangen haben. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass 50 Menschen ein und denselben Mord begangen haben können, selbst bei Cäsars Ermordung waren „nur“ 20 Täter beteiligt. Was in aller Welt kann einen unschuldigen Menschen dazu motivieren zu gestehen einen Mord begangen zu haben oder ein Kind entführt zu haben.

Warum gestehen Menschen Verbrechen, die sie nicht begangen haben?

Angst
Angst

Ein häufiger Grund für falsche Geständnisse sind brutale Verhörmethoden. Der Beschuldigte ist im Verhör so überfordert oder verängstigt, dass er lieber ein Verbrechen gesteht, als sich weiter dem Verhör auszusetzen. Dem Deutschen Gesetzgeber ist diese Problematik bewusst und so stellt das Strafgesetzbuch im Paragraph 136 sehr klare Regeln für die „Erste Vernehmung“ auf, die verhindern sollen, dass der Beschuldigte durch die Art des Verhörs zu einem falschen Geständnis motiviert wird.

Gehirn
Gehirn

Manchmal kommt es aber auch vor, dass ein Beschuldigter im Verlauf einer langen und intensiven Befragung anfängt daran zu glauben, dass er der Täter sei.

Doch wie kann das sein? Warum glauben Menschen etwas getan zu haben, dass sie nicht getan haben? Zum Glück gibt es auf der Welt viele neugierige Forscher und ein paar vor ihnen sind dem Phänomen des falschen Geständnisses auf den Grund gegangen. Die Forscher fanden heraus, dass es leicht ist Menschen dazu zu bringen Gesetzesverstöße zu gestehen, die sie nicht begangen haben.

Warum glauben Menschen etwas getan zu haben, dass sie nicht getan haben?

Computer

Saul Kassin vom John Jay College of Criminal Justice in New York ging dieser Frage im Rahmen eines kleinen Experiments auf den Grund. Er forderte Studenten dazu auf das zu Tippen was eine Person Ihnen in hoher Geschwindigkeit vorlas. Vor dem Experiment warnte er die Studenten eindringlich davor unter keinen Umständen die Alt-Taste zu betätigen, da dies dazu führen würde, dass der Computer nicht mehr gehen würde.

Schuldfrage

In diesem Experiments war es völlig egal, ob der Student die Alt-Taste betätigte oder nicht, nach einer Minute brach der PC zusammen und der Wissenschaftler fing an wie Rumpelstilzchen zu toben und dem Studenten Vorwürfe zu machen.  Keiner der Studenten hatte die Alt-Taste gedrückt, dennoch unterzeichneten etliche von ihnen ein Geständnis, nachdem der Wissenschaftler auch noch einen angeblichen Augenzeugen an Board holte. Nicht wenige von diesen Studenten waren am Ende so von ihrer Schuld überzeugt, dass sie sogar begannen Einzelheiten der Tat zu schildern. Diese Studenten schilderten also ernsthaft Details einer Tat, die sie nie begangen hatten.

Fazit

Das Experiment mit den Studenten zeigt, dass wir uns selbst nicht immer über den Weg trauen können. Egal wie sicher wir uns einer Sache sind, es kann sein, dass unser Gedächtnis uns einen Streich spielt. Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber mich haben die Findings dieses Experimentes sehr überrascht. Ich habe mir fest vorgenommen mich bei Gelegenheit noch einmal intensiver mit dem Thema Selbsttäuschung auseinander zu setzen. Die Chancen stehen also gut, dass es irgendwann mehr Beiträge zu diesem Thema geben wird.

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Robert S. Feldman: Lügner
Die Wahrheit über das Lügen