Fist of Five – Entscheidungen im Team treffen

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom dpunkt.verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Ich war dagegen und hab nichts gesagt.

Hast Du in einem Team schon einmal den Satz gehört: „Ich war dagegen und hab nur nichts gesagt, weil ihr das alle so wolltet“? Mir ist dieser Satz nur selten begegnet. Aber soweit ich mich erinnern kann sind mir die Augen in den Hinterkopf gerollt, und wahrscheinlich habe ich das eine oder andere Mal patzig geantwortet.

Für mich war es lange Zeit unverständlich, wie jemand bei einer Team-Entscheidung schweigen kann und erst viel später dagegen protestiert. Ich war dazu nicht in der Lage. Wenn mir etwas nicht passte, sagte ich in aller Regel meine Meinung. Damals war mir noch nicht bewusst, wie unterschiedlich Menschen sind und dass es für manche Menschen völlig normal ist, sich in offenen und kontroversen Diskussionen zurückzuhalten.

Entscheidungsformate beeinflussen die Zusammenarbeit

den Mund halten ist nicht so mein Ding.

Seitdem ist viel passiert. Und wenn ich darüber nachdenke, dann fällt mir ein, dass ich früher auch ab und an geschwiegen habe, wenn Entscheidungen getroffen wurden, mit denen ich nicht einverstanden war. Allerdings verdränge ich diese Situationen elegant aus meinem Gedächtnis, weil sie nicht in mein Selbstbild passen.

Im letzten Jahr hatte ich die Gelegenheit, in kurzer Zeit Entscheidungen in vielen unterschiedlichen Teams mitzuerleben. In dieser Zeit ist mir zum ersten Mal richtig bewusst geworden, dass die Art und Weise, wie wir in Gruppen Entscheidungen treffen, unsere Zusammenarbeit unglaublich stark beeinflusst. Zum ersten Mal dachte ich darüber nach, dass im Rahmen einer Mehrheitsentscheidung im krassesten Fall die Wünsche von 49 % der Mitentscheider ignoriert werden. Spontan dachte ich, dass es dann das Beste ist, wenn immer alle Teammitglieder eine Entscheidung mittragen würden. Doch in der Praxis war diese Art der Entscheidung für mich der Horror. Die ewig langen Diskussionen sorgten dafür, dass ich am Ende zu allem ja und Armen sagte, nur um endlich zu einem Ergebnis zu kommen.

Damals hatte ich den Eindruck, dass keines der drei großen Entscheidungsformate, die ich kannte –

  • Einzelentscheidung – eine Person entscheidet
  • Mehrheitsentscheidung –  die Mehrheit entscheidet
  • Konsens – alle trage die Entscheidung mit

dafür geeignet zu sein schien, gute Entscheidungen im Team zu treffen. Zu meiner großen Freude ist mir dank @SvenStueven und

Sandra Sieroux & Stefan Roock & Henning Wolf: Agile Leadership. Führungsmodelle, Führungsstile und das richtige Handwerkszeug für die agile Arbeitswelt

ein Entscheidungsformat für Teams begegnet, das so großartig klingt, dass ich es unbedingt in der Praxis ausprobieren möchte. Sein Name lautet „From Fist to Five“ oder „Fist of Five“.Wie genau es funktioniert schauen wir uns jetzt an.

Wie funktioniert Fist of Five?

Wir haben mehr als einen Finger um „ja“ zu sagen.

Alles, was wir für Fist of Five brauchen, ist ein Team, dessen Hände und etwas Zeit. Statt einer Entscheidung nur zuzustimmen, oder sie abzulehnen, schenkt dieses Entscheidungsformat jedem Teammitglied vier zusätzliche und damit insgesamt folgende sechs Möglichkeiten, die eigene Entscheidung sichtbar zu machen:

  1. Eine Faust bedeutet: Diese Entscheidung/Idee trage ich nicht mit. Die Faust ist der Weg, den Konsens im Team zu blockieren.
  2. Ein Finger bedeutet: Ich habe enorme Bedenken, unterstütze die Entscheidung/Idee aber, damit wir weitermachen können. Es wäre dennoch gut, wenn wir die Bedenken besprechen und ausräumen, damit ich die Idee, über die wir gerade entscheiden, wirklich mittragen kann.
  3. Zwei Finger bedeuten: Ich bin dabei und versuche es, habe aber Bedenken.
  4. Drei Finger bedeuten: Ich unterstütze die Entscheidung/Idee.
  5. Vier Finger bedeuten: Das ist eine gute Entscheidung/Idee. Ich finde sie überzeugend und bin dabei.
  6. Fünf Finger bedeuten: Das ist eine großartige Entscheidung/Idee. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um die Sache auf die Straße zu bringen.

Damit Fist of Five optimal funktioniert, ist es wichtig, dass das Team Zeit hat, sich seine Meinung zu bilden und diese unbeeinflusst zu äußern. Um dies zu erreichen empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

Ist die Idee großartig?
  • Schritt 1 – Die Frage: Ist es für jeden okay, wenn wir die Idee umsetzen?
  • Schritt 2 – Die Meinungsbildung: Dem Team ein angemessenes Zeitfenster für die Meinungsbildung geben.
  • Schritt 3 – Die Entscheidung: Am Ende der Meinungsbildung einen Countdown nutzen, damit alle gleichzeitig die Hand heben und kein Teammitglied die Entscheidung eines anderen beeinflusst.

Fazit

Ich finde Fist of Five in der Theorie unglaublich spannend und freue darauf, die Methode in der Praxis auszuprobieren. Wie schaut es bei Dir aus? Was ist Deine Lieblingsmethode, um im Team Entscheidungen zu treffen?