Ist es Zeit, der E-Mail Lebewohl zu sagen?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom mitp Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Wow, das ist lange her, oder?

Erinnerst Du Dich noch an Deine erste E-Mail-Adresse? Erinnerst Du Dich noch an den Moment, an dem Du das erste Mal eine E-Mail versendet hast? Erinnerst Du Dich noch an die Zeiten, in denen Du Dich darüber gefreut hast, wenn eine E-Mail bei Dir ankam?

Faxpapier und Faxminuten waren richtig teuer.

Die E-Mail gehört zu jenen Technologien, die unsere Welt nachhaltig verändert haben. Die E-Mail schaffte diese nachhaltige Veränderung, weil sie gegenüber den vorhandenen Technologien wichtige Vorteile hatte. Sie war unendlich viel schneller als ein Brief und sehr viel günstiger als ein Fax.

Weil die E-Mail die Welt in Windeseile erobert hat, und es in meinem Umkreis keinen Menschen mehr gibt, der keine E-Mail-Adresse hat, habe ich mir nie darüber Gedanken gemacht, dass auch die E-Mail irgendwann einmal zum alten Eisen gehören könnte. Doch dann stolperte ich in

Steve Krug: Don’t Make Me Think! – Web & Mobile Usability: Das intuitive Web

über diesen Satz

„Die letzte E-Mail wurde von einem unter Zwanzigjährigen versendet.“

Steve Krug: Don’t Make Me Think! – Web & Mobile Usability: Das intuitive Web, S. ix.,
E-Mails sind was für Senioren.

der mich ins Grübeln brachte. Konnte es sein, dass der Autor recht hatte? Kann es sein, dass bereits irgendwann zwischen 2006 und 2013 der Tag gekommen war, an dem der E-Mail der Nachwuchs an menschlichen Nutzern ausging?

Wann haben wir aufgehört, uns über E-Mails zu freuen?

Während ich darüber nachdachte, warum die junge Generation keine E-Mails mehr nutzt, wurde mir mit einem Mal bewusst, dass auch ich zu jenen Menschen gehöre, die sich schon lange nicht mehr über die alltäglichen E-Mails freuen.

Gib E-Mails keine Chance.

Tatsächlich habe ich, ohne es bewusst zu steuern, in den letzten Jahren Schritt für Schritt ein regelrechtes E-Mail-Abwehrsystem errichtet. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber meine E-Mails sind schon lange nicht mehr das, was sie einst waren. Die Zeiten, in denen tagelang keine E-Mail bei mir eintraf, sind lange vorbei. Heute bekomme ich jeden Tag E-Mails. Die meisten E-Mails sind unwichtig und fallen in die Kategorien

  • Spam
  • Uninteressante Newsletter
  • Benachrichtigungen von Sozialen Medien.
Ordnung halten ist anstrengend.

Gefühlt sind weniger als 10% meiner E-Mails wirklich relevant. E-Mails checken, hat schon lange nichts mehr mit dem Lesen zu tun, sondern ist eher damit, Ordnung zu halten. Und da Ordnung halten nicht zu den Dingen gehört, die ich leidenschaftlich gern mache, habe ich aufgehört, mich über E-Mails zu freuen.

Zudem ist da noch die Sache mit den Spam-Filtern. Diese haben das Ziel, mich vor Spam zu beschützen, und das gelingt ihnen ganz gut. Doch leider erwischen diese Filter nicht nur nicht alle Spam-Mails, sondern lassen ab und an auch wichtige E-Mails verschwinden. Zum Glück habe ich inzwischen verstanden, dass Passwort-, Bestätigungs- und Anmelde-E-Mails zu ihren Lieblingsspeisen gehören und suche diese daher schon lange ganz automatisch im Spam-Filter.

Die E-Mail hat ernsthafte Konkurrenz bekommen

Als 1984 die erste E-Mail versendet wurde, ahnten nur wenige Menschen, dass diese Technologie schon bald in der Lage sein würde, dem klassischen Brief und dem ultramodernen Fax den Kampf anzusagen.

Tschüss liebe SMS.

Ähnlich ging es mir, als ich meine erste Messenger Nachricht über WhatsApp versendete. Ich war mir sicher, dass Messenger dafür sorgen würden, dass die völlig überteuerten SMS vom Markt verschwinden würden. Doch ich dachte in keinem Augenblick daran, dass WhatsApp und Co. eine Bedrohung für die E-Mail darstellen könnte.

Heute sehe ich die Sache vollkommen anders. Spätestens seitdem es verschlüsselte Messenger gibt, hat sich ein Großteil meiner digitalen Kommunikation auf diese verlagert. Messenger bieten mir gegenüber der E-Mail unendlich viele Vorteile. Der Messenger

  • ist auf meinem Smartphone immer griffbereit,
  • sortiert die Nachrichten chronologisch und sortiert sie automatisch nach Ansprechpartnern,
  • gibt mir die Möglichkeit, schnell und einfach zu entscheiden, ob ich eine Nachricht jetzt oder später lese,
  • gibt mir die Möglichkeit, schnell zu reagieren,
  • ist übersichtlich und
  • braucht nicht bei jeder Nachricht ein Hallo und eine Signatur.

Wahrscheinlich ist die Liste noch nicht komplett, doch sie reicht aus, um zu zeigen, warum die E-Mail verdrängt wird. Messenger Nachrichten sind inzwischen einfach viel bequemer als eine E-Mail.

Fazit

Der Messenger (und andere Kommunikationstechnologien, wie Microsoft Teams, MeisterTask oder Soziale Netzwerke) ist für die E-Mail das, was die E-Mail für den Brief und das Fax war. Daher glaube ich, dass die E-Mail nicht gänzlich aussterben wird.

Wir werden E-Mails in Zukunft einfach anders nutzen als in der Vergangenheit. Statt bei allen Gelegenheiten eine E-Mail zu senden, werden wir dies nur noch tun, wenn die E-Mail der beste Weg für den Inhalt unserer Nachricht ist. So glaube ich, dass Rechnungen noch eine Weile bevorzugt per E-Mail versendet werden. Aufgaben und Fragen innerhalb von Teams werden sich aber wahrscheinlich immer stärker auf digitale Kanban Boards verlagern.

Für Aufgaben ist ein Kanban Board einfach praktischer.

An dieser Stelle bin ich neugierig. Wie schauen Deine digitalen Kommunikationsgewohnheiten aus? Gibt es Nachrichteninhalte, die Du nur per E-Mail versendest? Gibt es Nachrichteninhalte, die Du auf gar keinen Fall per E-Mail versenden würdest?

Updates Leserantworten:

  • 08.01.2020: Nicolas Korte glaubt, dass die E-Mail nicht aussterben wird, sondern in Zukunft das Medium mit dem wir „wichtige und eilige Informationen zielgerichtet und rechtssicher zu ausgesuchten Empfängern bringen.“