Sind Unternehmen, die ihre Rechnungen pünktlich zahlen, erfolgreicher?
Weil ich mir nichts merken kann, zahle ich meiner Rechnungen immer sofort bei deren Erhalt. Die Gefahr, eine Rechnung zu vergessen und in Zahlungsverzug zu geraten, ist mir einfach zu hoch. Ich habe aber auch schon Menschen erlebt, die Rechnungen so spät wie irgend möglich zahlen, weil sie zum Beispiel so dafür sorgen wollen, dass der Cashflow in ihren Unternehmen möglichst groß ist. Doch bis jetzt ist mir noch kein Argument begegnet, das mich davon überzeugt hat, mein Zahlungsverhalten zu ändern und meine Rechnungen ebenfalls auf den letzten Drücker zu bezahlen.

Zu meiner großen Freude hat mir der Autor
Kajetan Brandstätter: Netzwerke – Die Macht von Verbindungen. Geschäfte werden von Menschen gemacht
nun ein endlich ein schriftliches Argument an die Hand gegeben, das mich in meinem Zahlungsverhalten bestärkt. Kajetan ist leidenschaftlicher Netzwerker und empfiehlt daher gern geschäftliche Kontakte zwischen Unternehmen, die seiner Einschätzung nach einen sehr guten Job machen. Bei der Empfehlung sieht er nicht nur die leistungsbringende Partei, sondern beide Seiten in der Pflicht. Er schreibt:
„Es reicht nicht aus, wenn der Empfohlene eine perfekte Dienstleistung oder ein genau passendes Produkt liefert und der Fragesteller zufrieden ist. Die Leistung muss auch wertgeschätzt werden und die Rechnung muss beglichen werden. […] Mir wäre es sehr peinlich zu erfahren, dass zum Beispiel die dritte Mahnung unterwegs ist und der Auftraggeber noch immer nicht gezahlt hat, wenn ich die Zusammenarbeit vermittelt hätte.“
S. 171f.
Die Art und Weise wie wir unsere Rechnungen zahlen sagt eine Menge über uns aus. Wenn ich meine Rechnungen auf den letzten Drücker zahle, dann liegt mein Fokus lediglich auf mir. Wenn ich meine Rechnungen dagegen schnell bezahle, liegt mein Fokus auf dem wir. Denn das Geld, das ich überweise, steht nun dem Rechnungssteller unter anderem zum schnellen Zahlen seiner Rechnungen zur Verfügung. Indem ich schnell zahle, stärke ich also den Cashflow in meinem Netzwerk. Ich stelle also unseren Cashflow über meinen Cashflow und genau dieses Verhalten sorgt meiner festen Überzeugung nach dafür, dass es allem im Netzwerk gut geht.
Netzwerken im ich vs. Netzwerken im wir

Katejan hat das Netzwerken vor einigen Jahren zu seinem Beruf gemacht. Das ist seinem Buch anzumerken, denn neben all dem Wissen über Netzwerken im unternehmerischen Kontext enthält es auch die ein oder andere Stelle, die das Netzwerk bewirbt in welchem er laut seinem LinkedIn Profil seit 2023 unterwegs ist.
Im Gegensatz zu Katejan bin ich keine hauptberufliche Netzwerkerin, dennoch hat das Netzwerken einen großen Einfluss auf mein berufliches Leben. Was mich beim Lesen des Buches schmunzeln ließ, ist das Katejan in seinem Werk unterschiedliche Arten des Netzwerkens beschreibt und mir damit noch einmal bewusst gemacht hat, wie viele Fehler ich in den ersten Jahren des beruflichen Netzwerkens gemacht habe. Als ich 2014 mit dem professionellen Netzwerken begann, sah ich es hauptsächlich als ein spannendes Werkzeug in meinem Werkzeugkasten als Verkäuferin.
Aus heutiger Sicht ist mir die Art und Weise wie ich damals netzwerkte peinlich, denn ich netzwerkte mit einem starken ich-Fokus. Damals habe ich Kontakte geknüpft, um meine Produkte zu verkaufen. Das war sehr kurz gedacht und nicht sehr nachhaltig. Heute knüpfe ich Kontakte mit Menschen, die sich für Themen stark machen, die mir am Herzen liegen. Diese Menschen in meinem Netzwerk zu haben gibt mir die Möglichkeit, von Ihnen zu lernen und mein Wissen zu teilen, wenn es benötigt wird. Heute weiß ich, dass Wissen mehr wird, wenn wir es teilen. Also teile ich mein Wissen und genieße es zu erleben, was die Menschen in meinem Netzwerk daraus machen.

Da zahlreiche Menschen in meinem Netzwerk genauso ticken wie ich, fließt das Wissen in beide Richtungen. Wenn mir eine Frage unter den Nägeln brennt, auf die ich keine Antwort habe, teile ich sie mit meinem Netzwerk, und in der Regel erhalte ich hier Hilfe. Auf diese Weise kann ich mit Leichtigkeit berufliche Herausforderungen stemmen, die ich allein nicht hätte bewältigen können.
Wenn ich die Arten meines Netzwerkens vergleiche, habe ich das gute Gefühl, dass mein heutiges Vorgehen deutlich erfolgreicher ist als mein damaliges. Die Art und Weise wie ich heute netzwerke ist auf Langfristigkeit angelegt. Mir geht es nicht darum, schnell etwas zu verkaufen, sondern darum, gemeinsam mit den Menschen in meinem Netzwerk die Ziele zu erreichen, die uns gemeinsam am Herzen liegen. Menschen, die so netzwerken, wie ich es 2014 getan habe, haben in meinem Netzwerk nichts verloren und werden von mir systematisch ausgeschlossen, um mein Netzwerk zu schützen. Menschen, die für ihre Themen brennen, unterstütze ich dagegen gern.
Aber was mache ich, wenn ich bei Erhalt der Rechnung nicht zahlen kann?
Im Leben gibt es immer mal wieder Situationen, in denen wir nicht so handeln können, wie wir handeln wollen. So kann es sein, dass ich gerade nicht auf mein Konto zugreifen kann, weil es gehackt wurde. In diesem Moment kann ich meine Rechnungen nicht sofort begleichen. Damit sich das nicht negativ auf mein Netzwerk auswirkt, ist es sinnvoll, das Problem aktiv zu kommunizieren. Statt also den Überweisungsknopf zu drücken, an den ich gerade nicht rankomme, greife ich einfach zum Telefonhörer und sage dem Rechnungssteller, dass ich gerade nicht zahlen kann. Gleichzeitig nenne ich einen Termin, zu dem ich schätze, dass ich wieder zahlen kann. Sollte ich diesen erneut nicht halten können, melde ich mich erneut.
Durch diese Art der transparenten Kommunikation schütze ich mein Netzwerk. Wenn die Person, die mich empfohlen hat, von der offenen Rechnung erfährt, wird sie in der Regel auch den Grund des Zahlungsverzuges erfahren und nachsichtig mit mir sein.
Wenn solche Verzögerungen ab und an vorkommen und begründet werden, kann ich gut darüber hinwegsehen. Zugleich weiß ich, dass ich, wenn ich die Wahl zwischen zwei Aufraggebern habe, denjenigen bevorzuge, der in der Vergangenheit eine bessere Zahlungsmoral an den Tag gelegt hat.
Fazit
Ich habe keine zuverlässigen Daten und Statistiken, mit denen ich belegen kann, dass Unternehmen, die ihre Rechnungen schnell zahlen, erfolgreicher sind. Ich kann unsere heutige Frage also nur auf Basis meiner persönlichen Erfahrungen und der Entwicklungen, die ich beobachte, beantworten. Ich glaube, dass die Antwort auf die Frage ja lautet und bin gespannt, wie Deine Erfahrungswerte aussehen. Wie schaut es bei Dir aus: Empfiehlst Du gern Unternehmen, bei denen Du weißt, dass sie ihre Rechnungen immer auf den letzten Drücker zahlen?
Lesedauer & Kategorie
Schnellnavigation
Buchcover zum Beitrag

Werbung
Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
Schlagwörter
Autor
Buchcover zum Beitrag

Schlagwörter
Datum & Autor
Kommentiere den Beitrag
Was passiert nach Deinem Kommentar?
Nachdem Dein Kommentar durch uns geprüft wurde, wird er freigegeben* und erscheint unter diesem Beitrag zusammen mit dem von Dir angegebenen Namen. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie dient uns an dieser Stelle in erster Linie zum Schutz vor Spam. Wenn Du Deine E-Mail-Adresse nicht hier angeben möchtest, kannst Du den Kommentar auch gern auf einem unserer Social Media Profile posten.
*Spam und Kommentare, die nur einen Backlink für die eigene Seite zum Ziel haben, werden einfach gelöscht. Nimm gern Kontakt mit uns auf und lass uns die Möglichkeiten eines Sponsored Post besprechen, wenn Du gern einen thematisch passenden Backlink unter einem bestimmten Beitrag platzieren möchtest.





Die Wrong Answers zu diesem Beitrag findest Du auf
https://x.com/steinbg/status/2046076121653879238?s=20
https://www.linkedin.com/posts/maria-steinberg_raeutsel-activity-7451841647308513280-5MlH?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAACVAe9YBahWEE6HZAh6bY-V7JfVNza5APCM