Wann und warum wurden Zahlen erfunden?

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WERBUNG: Das Buch das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom C.H.Beck Verlag erhalten. Das bedeutet ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen um darüber zu schreiben.

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Jeder von uns lernt schon ganz früh in seinem Leben, dass es Zahlen gibt. Mit viel Mühe lernen wir zuerst die Zahlen von 1 bis 10, dann die von 10 bis 20 und so weiter und so fort. Zahlen sind in der Tat so selbstverständlich, dass ich mir nie Gedanken darüber gemacht habe, dass Zahlen eine Erfindung des Menschen sind. Mit dieser Tatsache hat mich

Stefan Buijsman: Espresso mit Archimedes. Unglaubliche Geschichten aus der Welt der Mathematik

wirklich überrascht und daher freue ich mich heute sehr darauf mein neues Wissen über die Erfindung der Zahlen mit Dir zu teilen.

Jäger und Sammler brauchen keine Zahlen

Hier lebt ein Säbelzahntiger, vielleicht wollen wir wo anders leben…

Lange Zeit gab es auf unserer Welt nur Jäger und Sammler, die in kleinen Gruppen jeden Tag gemeinsam um ihr Überleben kämpften. Eines schönen Tages ca. 8000 vor Christi Geburt in Mesopotamien (heute nennen wir die Region Irak) entdeckte ein Sammler, dass Prinzip des Gemüse und Obst Anbaus. Diese Entdeckung war ein kleiner Schritt für einen Einzelnen, aber ein riesen Schritt für die Menschheit.

Juhu, ich kann Obst anbauen.

Dank der Fähigkeit des Anbaus von Obst und Gemüse konnten die Menschen sesshaft werden, da sie nicht mehr Tag für Tag die Landschaft nach etwas essbarem durchstreifen mussten, sondern einfach da wo sie lebten selbst für Essen sorgen konnten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit entstanden Siedlungen und Städte, in denen plötzlich mehr Menschen zusammen lebten, als jemals zuvor in.

Städte brauchen Regierungen

Die Sache ist aber die: wenn mehr als 150 Menschen zusammen an einem Ort leben entstehen neue soziale Dynamiken, die von der Gruppe selbst nicht mehr gehandelt werden können. Dank der Städte brauchten die Menschen eine neue Organisation, die in der Lage war große Menschengruppen zu handeln. Diese neue Art der Organisation war eine Zentralregierung. Diese sorgte dafür, dass das soziale Leben in den Städten friedlich ablief.

Da das eine Menge Arbeit war, blieb den Mitarbeitern der Zentralregierung keine Zeit sich um andere Dinge als das Regieren zu kümmern. Schon allein um nicht zu verhungern brauchten die Mitarbeiter Abgaben (Geld gab es erst 7500 Jahre später) von den Stadtbewohnen. Zudem brauchte die Regierung Mittel um Projekte, die der Allgemeinheit dienen sollten durchzusetzen. Und so erfanden die schlauen Mitarbeiter der Zentralregierung Steuern.

Städte brauchen Steuern

Jungs, wir müssen die Steuern lagern.

Jedes Jahr ermittelten die Regierungsbeamten die Menge der Steuern, die sie brauchen würden um die bevorstehenden Stadt Projekte zu realisieren. Doch da es noch keine Zahlen gab, gestaltete dieser Prozess sich schwierig, schließlich sollte nicht ein Stadtbewohner die Steuern zahlen, sondern jeder Stadtbewohner einen fairen Anteil. Hinzu kam eine weitere Herausforderung: Da es noch kein Geld gab mussten die Steuern in Form von Naturalien eingefordert werden. Diese nahmen viel Platz ein und mussten vor Wind und Wetter geschützt werden. Zu diesem Zweck errichteten die Städte Lagerhäuser.

Zum Glück gibt es Rechensteine

Damit war eine wichtige Herausforderung gelöst, doch am Horizont lauerte schon die nächste Frage, die es zu lösen galt: Wie sollten konnten die Menschen einen Überblick über Ihren Lagerbestand bewahren? Zum Glück waren die Menschen, die im Lager beschäftigt waren schlau und fanden auch hierfür eine Lösung. Um einen Überblick über den Inhalt des Lagers zu behalten, nutzten Sie Rechensteine. Das waren kleine Tonkügelchen mit Zeichen. Jedes Tonkügelchen stand für eine Einheit, im Lager. An dem jeweiligen Zeichen auf der Kugel konnten die Lagermitarbeiter erkennen ob es sich bei dem gelagerten Gegenstand um Getreide, Fleisch oder Gemüse handelte. Die Maßeinheit für all diese Dinge war ein Korb.

Tonkügelchen sind nicht nur in Lagern nützlich

Deine Abgaben in diesem Jahr belaufen sich auf eine Kuh.

Die in den Lagern erfundenen Tonkügelchen traten schon bald ihren Siegeszug in der ganzen Stadt an, denn sie boten nicht nur die Möglichkeit einen Überblick über die Lagerbestände zu halten, sondern entpuppten sich auch an anderer Stelle als sehr nützlich. Dank der kleinen Tonkügelchen konnten die Steuereintreibe den Steuerzahlern nun endlich vermitteln wieviel Steuern sie zu zahlen hatten.

Nur 4000 Jahre später…

Doch was hier so fluffig, einfach und logisch klingt, brauchte sehr viel Zeit. Von dem Moment der ersten Siedlung, bis zur der Nutzung der Tonkügelchen als Steuerberechnung vergingen schlappe 4000 Jahre. Das bemerkenswerte an diesen Rechensteinen ist, dass es nach 4000 Jahren „Entwicklungszeit“ noch immer keine Zahlen auf diesen Steinen gab, sondern weiterhin nur Zeichen für ein Korb Getreide, Fleisch und Obst. Es sollten noch viele weiter Jahre ins Land gehen, bevor die Menschen die Zeichen zu Zahlen werden ließen und damit endlich ein Tonkügelchen nutzen konnten um mehr als einen Korb einer Einheit zu symbolisieren.

Fazit

Die Antwort auf unsere Frage „Warum wurden Zahlen erfunden?“ lautet also: Die Zahlen wurden in Mesopotamien erfunden um Städte lebensfähig zu halten.