Warum können wir uns manche Dinge merken und andere Dinge nicht?

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Bevor ich

Vera F. Birkenbihl: Das „neue“ Stroh im Kopf. Vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer

Antwort auf diese Frage mit Dir teile, möchte ich Dir eine kurze Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die mir peinlich ist. Denn es ist eine Geschichte, in der mein Gehirn die Hauptrolle spielt und sich dabei nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Los geht’s:

Mein Gedächtnis – Loch an Loch hält doch

Kürzlich habe ich mich mit einer Freundin am Hotel Estrel in Berlin verabredet. Um den perfekten Ort zu finden haben wir kurz telefoniert. Das klang ungefähr so:

Fragen, Kommunikation
Welches Café?
  • Sie: Das Café am Estrel am S-Bahnhof sah echt nett aus.
  • Ich: Welches Café?
  • Sie: Na das direkt am Ausgang wo wir vorbeigelaufen sind.
  • Ich: Wann waren wir denn gemeinsam am Estrel?
  • Sie: Du nimmst mich auf den Arm, oder?
  • Ich: Nein. Wann?
  • Sie: Letzte Woche bei Dirk.
  • Ich: Oh mein Gott! Du hast recht. Sorry. Ich hatte Dich vorgewarnt. Du weißt schon, dass ich Sachen leicht vergesse.
  • Sie: Leicht vergisst? Das ist eine Woche her!
  • Ich: Alles klar, jetzt erinnere ich mich wieder. Bitte entschuldige. Ja klar, lass uns da treffen, schick mir einfach den Standort.
Zum Glück haben wir nur telefoniert.

In dem Moment war ich froh, dass wir telefoniert haben. Sonst hätte sie meinen Wangen angesehen wie peinlich mir das war. Und ja, ich hatte Glück. Ich habe großartige Freunde. Daher hat Sie mir nicht die Freundschaft gekündigt. Und ich möchte mich hier noch einmal für Dein Verständnis an diesem Tag bedanken. Warum erzähle ich Dir das? Ich habe Dir die Geschichte erzählt, um Dir zu zeigen, was für ein Gedächtnis ich habe. Manchmal, nämlich einfach keins.

Warum merken wir uns einige Dinge und andere nicht?

Der Grund ist unser Wissensnetz. Da wo unser Wissensnetz stark ist, hat es viele Fäden. Bei vielen Fäden können wir neue Informationen leicht anknüpfen. In Bereichen, in denen wir wenig Wissen haben, hat unser Wissensnetz wenige Fäden, also auch wenig Anknüpfungspunkte.

Beispiel für ein starkes Wissensnetz:

Ich liebe Fußball.

Stell Dir vor Du liebst Fußball. Natürlich kannst Du in der Regel alle Spieler Deines Lieblingsvereins aufzählen. Wenn ein neuer Spieler in Deinen Verein kommt, musst Du Dir den Namen nicht einprägen, er bleibt automatisch in Deinem Gedächtnis haften.

Beispiel für ein schwaches Wissensnetz:

Stell Dir vor Du hast von Physik so keine Ahnung. Dein Elektriker erklärt Dir 30 Minuten lang detailliert, warum dieses Netzteil nicht an dieses Gerät angeschlossen werden darf, obwohl der Stecker passt und welche Rolle dabei Elektronen, Spannung und Co. spielen. Du hörst diese Informationen. Doch Dein Wissensnetz ist in diesem Bereich so dünn, dass Du nicht alle Details anknüpfen kannst. Erinnern kannst Du Dich eine halbe Stunde später also mit hoher Wahrscheinlichkeit aber nur noch daran, dass Du dieses Netzteil nicht an dieses Gerät anschließen sollst. Wenn Dich dann einer fragt, warum nicht, würdest Du den detaillierten 30 Minuten Vortrag Deines Elektrikers mit den Worten „Weil mein Elektriker das gesagt hat und der weiß was er tut.“ zusammenfassen.