Was hilft gegen Schreibblockaden?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Heyne Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Nicht immer fliegt der Stift über das Papier.

Schreibblockaden waren in meiner Schul- und Studienzeit für mich etwas ganz Normales. Damals saß ich vor einem weißen Blatt Papier und wusste einfach nicht, wo ich anfangen sollte. Themen wie „Die Fischerei im mittelalterlichen Potsdam“ waren mir einfach völlig egal, und der einzige Grund, warum ich über sie schreiben wollte, war, meinen Schein für das „Mittelalter“ zu bekommen, den ich brauchte, um mein Grundstudium in Geschichte abzuschließen.

Mein Weg aus der Schreibblockade

Ich bin Blogger und ich liebe es.

Heute schaut die Welt in Sachen Schreibblockade ganz anders für mich aus. Ich habe beschlossen, dass ich Blogger bin und jeden Werktag blogge. Ich habe Spaß an jedem einzelnen Thema, weil ich jeden Tag etwas Neues lerne und das Beste daran: Ich habe keinen Druck, denn niemand

  • zwingt mich zu schreiben,
  • hat Erwartungen an mich,
  • benotet meine Texte und kritisiert sie (Hinweise auf konkrete Tippfehler, die ich regelmäßig bekomme, sind für mich keine Kritik. Ich freue mich unendlich über solche Hinweise, weil ich die Fehler, sobald ich sie kenne, super schnell aus der Welt schaffen kann und so zukünftigen Lesern ein besseres Lesererlebnis liefere.),
  • macht mir Stress, wenn ich es einmal nicht schaffe, einen Text zu schreiben. (Das ist bis jetzt einmal vorgekommen, und ich werde es dank meiner fantastischen Twitter-Community bald beheben.)
Es ist völlig okay „einfach“ zu schreiben.

Innerhalb von drei Jahren habe ich meinen Stil und einen Workflow gefunden, der Schreibblockaden verhindert. Ich weiß, dass ich keine langen verschachtelten Texte schreiben kann. Das hat mich lange Zeit fertig gemacht, weil ich das Gefühl hatte, unfähig zu sein. Offensichtlich können viele Menschen komplizierte, lange, verschachtelte Texte schreiben. Ich habe einfach nicht die Fähigkeit, bei solchen Texten einem roten Faden zu folgen. Irgendwann habe ich mich mit diesem „Makel“ abgefunden und plötzlich passierte etwas Überraschendes: Den Lesern meines Blogs gefielen meine Texte, weil sie kurz und fluffig sind. Meine Unfähigkeit an dieser Stelle ist also meine Superkraft. 

Routine, all die genannten Punkte und noch einige mehr, die mir gerade nicht einfallen wollen, führen nun dazu, dass ich jeden Morgen mit Begeisterung um 4:30 Uhr aufstehe und freudig anfange zu schreiben. Jeder von uns hat seinen eigenen Weg, um seiner Schreibblockade zu entkommen. Sobald wir diesen Weg gefunden haben, gehören Schreibblockaden der Vergangenheit an.

Dank

Thomas Brezina: Tu es einfach und glaub daran. Wie du mehr Freude in dein Leben bringst

550 Bücher von einem Mann.

bin ich über eine weitere Methode gestolpert, mit der Schreibblockaden überwunden werden können und freue mich nun sehr darauf, diese mit Dir zu teilen. Die Methode unseres Autors ist deutlich produktiver als meine. Thomas hat in den letzten 30 Jahren (so steht es auf Seite 53 in seinem Buch) sage und schreibe 550 Bücher geschrieben. Das bedeutet, dass auch ich mir noch eine ordentliche Scheibe von seinem Wissen abschneiden kann.

Die Geschichte eines produktiven Schriftstellers

Bin ich gut genug?

Am Anfang seine Karriere kannte Thomas keine Schreibblockaden. Ähnlich wie ich begann er einfach zu schreiben, und alles lief prächtig. Doch dann passierte etwas, womit wahrscheinlich auch Thomas zu Beginn seiner Karriere nie gerechnet hätte: Mit jedem seiner Bücher wurde er langsamer. Die Stimmen in seinem Kopf begannen zu zweifeln, ob er wirklich gut war und bremsten ihn aus. Er hatte gelernt, dass mit jedem Buch die Erwartungen an ihn stiegen, und dieses Wissen lähmte ihn immer mehr. Plötzlich hatte er Angst vor Kritikern, die seinem bald erscheinenden Buch eine schlechte Kritik verpassen könnten.

Diese Angst sorgte bei Thomes für das weiße Blatt Problem. Er saß vor dem Rechner und wusste nicht, was er schreiben sollte. Doch Thomas wäre nicht der Autor von 550 Büchern, wenn er aufgegeben hätte. Er suchte nach Wegen aus seiner Schreibblockade und fand sie. Sein Zaubertrank lautet:

1. Ideenzauberer – Der Lieblingsstift

Schreib einfach drauf los, es könnte ja gut werden.

Der Lieblingsstift-Trick ist zu Beginn eines Projektes ein genialer Trick. Alles, was Du für diesen Trick brauchst, ist ein Blatt Papier und Deinen Lieblingsstift. Mit diesem schreibst Du einfach drauf los. Völlig egal, ob Du Stichpunkte machst, eine Mind-Map erstellst oder das Ganze mit bunten Farben verschönerst. Wichtig ist, dass Du Deinen Ideen freien Lauf lässt. Du sitzt vor einem Schmierpapier, und es ist dafür da, alles aufzunehmen, was Du im Kopf hast. Manchmal ist eine Idee, die sich beim Schreiben doof oder langweilig anfühlt, in Kombination mit einer späteren Idee plötzlich der Knaller und die perfekte Basis für Dein Schreibprojekt.

2. Kleine Schritte – Notizzettel mit Tagesziele und Belohnungen

Dass Thomas ein Fan von Notizzetteln und Checklisten ist, wissen wir bereits. Die Checklisten, die ihm den Nicht-Schriftsteller-Alltag versüßen, sind – in leicht abgewandelter Form – auch in seinem Schriftstellerdasein seine Rettung. Um seine Schreibblockade zu überwinden liegt auf Thomas Schreibtisch ein Notizzettel mit seinem Tagessziel, das eine bestimmte Wortanzahl benennt, die im Verlauf der Buchentstehung anwächst. So beginnt er Bücher mit 2500 Worten pro Tag und beendet sie mit Tageszielen von bis zu 5000 Worten. Sowohl 2500 als auch 5000 Worte sind ein ziemliches Brett, wenn wir uns bewusst machen, dass eine Seite im Schnitt gerade einmal 400 Worte hat. Thomas schreibt also zwischen sechs und elf Seiten pro Tag, was – wenn ich richtig rechne -bedeutet, dass ein Buch mit 300 Seiten in weniger als 2 Monaten entsteht.

Wenn ich fertig bin gibt es eine dicke Belohnung.

Um ein solch hohes Ziel zu erreichen braucht Thomas eine Belohnung, die ihn motiviert, sein Tagesziel schnell zu erreichen. Diese Belohnung steht direkt neben seinem Tagesziel auf seinem Notizzettel und kann TV-Schauen, sein Lieblingsessen oder ein kleines Geschenk an sich selbst alles sein.

Mit diesem Trick überwindet Thomas sein weißes-Blatt-Problem. Ziel des Notizzettels ist, der Anfang zum Schreiben zu sein. Ist dieser gemacht kommt bald der Flow, und dann ist alles schön, und die Worte fließen. Nicht immer ist das, was geschrieben wird gut. Doch sobald sich Thomas im Flow befindet ist es für ihn ein Leichtes, Schrott, den er geschrieben hat, zu löschen und durch sinnvolle Sätze zu ersetzen.

3. Showtime – Eine Minute Träumen

Das ist ein großartiges Gefühl.

Als erfahrener Schriftsteller weiß Thomas, wie es sich anfühlt, ein frisch erschienenes Buch in der Hand zu halten. Er weiß, wie schön es sich anfühlt, wenn Menschen ihm erzählen, dass sie sein Buch klasse finden. Dieses Wissen nutzt Thomas während des Schreibprozesses, um sich zu motivieren. Er schließt die Augen und stellt sich eine Minute lang vor, wie es sein wird, wenn das Buch, das er gerade schreibt, fertig ist. Die Bilder, die er sieht, geben ihm Kraft und motivieren ihn, das Projekt voranzutreiben.

Übrigens

Auch ich habe außerhalb des Blogs noch immer Schreibblockaden. Gerade wenn ich um Gastartikel gebeten werde, passiert es mir häufiger, dass es ewig dauert bis diese fertig werden. Inzwischen kann ich an dieser Stelle entspannen und die Texte liegen lassen, weil ich weiß, warum ich das mit dem Schreiben nicht hinbekomme. Ich habe (noch) keine Routine für Gastblockbeiträge Die Texte tendieren dazu, komplexer zu sein als meine Blogbeiträge. Und manchmal werde ich nach einem Konzept gefragt, das erst noch reifen muss. Allerdings bin ich mir absolut sicher, dass sich auch die Sache mit den Gastblogbeiträgen entwickeln wird und ich nur den richtigen Flow finden muss.

Und nun wünsche Ich Dir viel Erfolg beim Schreiben. Solltest Du auf Deiner Reise weitere großartige Tipps gegen Schreibblockaden entdecken, freue ich mich sehr, wenn Du diese mit mir teilst, damit ich sie in diesem Beitrag ergänzen kann.