Was sind die drei Werkzeuge des visuellen Denkens?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Redline Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Bilder für den Blog

Seit diesem Jahr beschäftige ich mich mit dem Thema Sketchnoten. Die Begegnung mit dem Thema ist vielen kleinen Zufällen geschuldet. Ganz am Anfang stand irgendwie meine Faulheit. Als ich wusste, dass ich einen Blog starten werde, wusste ich, dass ich zur Auflockerung der Texte nicht nur Zwischenüberschriften, sondern auch Bilder brauchen würde. An dieser Stelle war ich allerdings viel zu faul mich intensiv mit Bildrechten zu beschäftigen und somit kam die Verwendung von fremden Bildern erst einmal nicht in Frage. Also fing ich an die Bilder die ich brauchte zu zeichnen. Die Bilder waren nicht perfekt, aber sie machten ihren Job.

Interviews

In dieser Zeit lief ich Stefan über den Weg, der mich in die Welt des Sketchnotings einlud. Nach zwei sehr spannenden Interviews mit ihm hatte ich mich an das Thema verliebt, nur traute ich mich noch nicht selbst Sketchnotes zu erstellen. Beeindruckt schaute ich Stefan live dabei zu wie er binnen zwei Minuten eine geniale Minisketchnote erstellte und bewunderte ihn für diese Fähigkeit. Seit diesem Tag sind einige Monate vergangen und ich habe viel zu dem Thema gelesen, unter anderem dieses fantastische Buch

Dan Roam: Auf der Serviette erklärt. Mit ein paar Strichen schnell überzeugen statt lange präsentieren

welches mir geholfen hat zu verstehen, wie wichtig visuelles Denken ist und welches Werkzeug wir dafür benötigen. Doch bevor wir zu den Werkzeugen des visuellen Denkens kommen, sollten wir uns erst einmal anschauen, was visuelles Denken überhaupt ist.

Was ist visuelles Denken?

An dieser Stelle mache ich mir das Leben leicht und zitiere einfach unseren Autor, denn seine Definition ist einfach bildschön:

Visuelles Denken heißt, Ihr inneres Sehvermögen zu nutzen – sowohl mit den Augen, als auch mit Ihrer Vorstellungskraft -, um Ideen zu entdecken, die sonst unsichtbar sind, diese Ideen schnell und intuitiv zu entwickeln und sie anderen dann so zu vermitteln, dass diese sie leicht begreifen.

Dan Roam: Auf der Serviette erklärt. Mit ein paar Strichen schnell überzeugen statt lange präsentieren, S. 14.
Grenze
Hürde

Wenn Du jetzt denkst „Mein Inneres Sehvermögen ist leider nicht vorhanden, wenn ich die Augen schließe sehe ich nur eine dunkle Fläche.“ dann geht es Dir wie mir. Doch ich kann Dich beruhigen, Du kannst auch dann visuell denken, wenn Du innerlich Schwarz siehst, auch wenn für Dich die Hürde an manchen Stellen etwas höher liegt ;-). Zumindest kann ich Dir an dieser Stelle sagen, dass es Hoffnung gibt. Wenn ich an einem Tag viel gesketchnoted habe, gelingt es mir ab und an Andeutungen von Bildern zu sehen, wenn ich die Augen schließe. Ganz verloren sind wir an dieser Stelle also nicht. Doch zurück zum Thema.

Beispiel visuelles Denken

Telefon
Anruf beim Kundenservice

Visuelles Denken bedeutet sich alles mögliche aus dem Alltag vorzustellen. Nehmen wir zum Beispiel einen Anruf beim Kundenservice. Wir stellen uns jetzt einmal vor, dass wir in einem Unternehmen arbeiten, dass gerade darunter leidet, dass die Kunden, die beim Kundenservice anrufen oft überdurchschnittlich gereizt sind. Um der Ursache für das Phänomen auf den Grund zu gehen nutzen wir das Visuelle Denken.

Bedienungsanleitung

Beim Visuellen Denken schließen wir die Augen und stellen uns den Menschen vor, der gerade eine Frage zu einem Produkt hat. Wir stellen uns vor, wie er zunächst verzweifelt nach der Bedienungsanleitung des Produktes sucht und da er diese nicht findet sein Smartphone zückt um die Kundennummer vom Kundendienst zu ermitteln. Wir sehen den Menschen über unsere Seite surfen. Nachdem er die Nummer gefunden hat, ruft er bei uns an und wartet einige Minuten in der Warteschleife. Als endlich einer unserer gut geschulten und freundlichen Kundenberater am Telefon ist, stellt der Kunde gereizt seine Frage zum Produkt. An dieser Stelle hast du den Vorgang visualisiert, doch leider hast Du noch immer keine Ahnung, warum der Kunde gereizt ist. Um diese Frage zu beantworten, willst Du den Vorgang Deinen Kollegen zeigen, vielleicht haben die eine Idee.

An dieser Stelle haben wir bereits ein zentrales Werkzeug des Visuellen Denken genutzt: Unsere Vorstellungskraft.

Werkzeug 1: Unsere Vorstellungskraft

Unsere Vorstellungskraft

Dank unserer Vorstellungskraft haben wir in dem gerade geschilderten Beispiel einen einfachen sachlichen Vorgang im wahrsten Sinne zum Leben erweckt. Aus der Frage „Warum sind unsere Kunden gereizt, wenn sie beim Kundenservice anrufen?“ ist eine kleine Geschichte geworden.

Diese Geschichte existiert nun in unserem Kopf, um sie anderen vermitteln zu können brauchen wir nun das zweite Werkzeug des visuellen Denkens: Unsere Hände.

Werkzeug 2: Unsere Hände

Unsere Hände

Die Sache mit unserer Vorstellungskraft ist die: Die Bilder in unserem Kopf sehen nur wir. An dieser Stelle helfen uns unsere Hände die Bilder aus unserem Kopf auf Papier zu bringen und sie so für andere sichtbar zu machen. Unseren gerade beschriebenen Prozess können wir in folgenden Schritten visualisieren:

  1. Kunde steht fragend vor unserem Produkt.
  2. Kunde sucht nach Bedienungsanleitung.
  3. Kunde sucht im Internet nach der Telefonnummer vom Kundenservice.
  4. Kunde hängt in der Warteschleife
  5. Kunde stellt gereizt seine Frage

HINWEIS: Mir fehlt gerade die Zeit diesen Vorgang zu visualisieren, aber wenn Du Dich traust, bist Du herzlich eingeladen Dich an diesen Bildern zu versuchen und wenn Du magst, baue ich Deine Bilder auch gern in diesem Beitrag ein. Tipp: einfache Strichmännchen sind perfekt um diesen Vorgang zu visualisieren.

Mit diesen fünf kleinen Bildchen haben wir den Vorgang Kundenservicecall „sichtbar“ gemacht. Nun brauchen wir das letzte Werkzeug des Visuellen Denkens: Unsere Augen.

Werkzeug 3: Unsere Augen

Unsere Augen

Stell Dir nun vor, Du klebst Deine 5 Bilder an die Wand im Meetingraum und präsentierst sie Deinen Kollegen. Durch die Augen Deiner Kollegen gelangen Deine Visuellen Gedanken eins zu eins in die Köpfe Deiner Kollegen und an dieser Stelle können spannende Fragen entstehen. Stell Dir zum Beispiel vor, Du hast in Bild 3 einen Kunden gezeichnet, der vor dem Rechner sitzt und Dein Kollege kommentiert Dein Bild mit der Bemerkung, „oh ich dachte der Kunde würde an dieser Stelle sein Smartphone nutzen“.

An dieser Stelle zückt der Kollege nun sein Smartphone und besucht die Webseite eures Unternehmens. Bei der Suche nach der Kundenservicenummer erlebt er eine böse Überraschung: In der mobilen Version Eurer Webseite taucht diese nicht im Header auf. An dieser Stelle habt ihr dank der Visualisierung des Pudels Kern entdeckt: Während die Kunden, die eure Webseite mit dem PC besuchen ohne Probleme die Nummer vom Kundenservice finden, suchen sich die Kunden auf der mobilen Seite einen Wolf. Dank des Visuellen Denkens habt ihr das Problem erkannt und könnt nun dafür sorgen, dass auch eure mobilen Kunden in Zukunft schnell eure Telefonnummer finden.

An dieser Stelle endet unsere kleine Geschichte. Ich hoffe sehr, dass Du jetzt nicht nur die drei Werkzeuge des Visuellen Denkens

  1. Vorstellungskraft
  2. Hände
  3. Augen

kennst, sondern auch Lust bekommen hat Dich einmal nähr mit dem Thema zu befassen. Wenn dem so ist wünsche ich Dir eine fantastische Reise und hoffe Du bist bald genauso begeistert wie ich.