4,2 min readPublished On: 27. April 2020By Tags: , , Categories: Bücher, Wissen

Was wir von der Wetterfrau lernen können

Die Tage werden länger.

Ist es im Frühjahr nicht herrlich, wenn die Tage so langsam länger werden, und die Bäume nach und nach frische grüne Blätter bekommen? In dieser Zeit greife ich ständig zum Wetterbericht und warte sehnsüchtig darauf, dass das Thermometer eine Balkon kompatible Temperatur anzeigt. Wenn es dann soweit ist, freue ich mich den ganzen Tag auf den Moment, an dem ich mich abends auf den Balkon setzen und den Sonnenuntergang genießen kann.

Das Wetter wird gut.

Es war einmal eine Zeit, in der wir keine Smartphones hatten. Wer damals wissen wollte, wie das Wetter wird, schaltete den Fernseher oder das Radio an und lauschte der Wetterfrau. Bei guten Wetteraussichten stand diese strahlend vor ihrer Wetterkarte und berichtete mit freudigem Lächeln im Gesicht von den schönen Aussichten. Bei schlechtem Wetter stand die Wetterfrau nicht selten etwas geknickt vor der Wetterkarte und berichtete von den trüben Aussichten.

Dieses Verhalten der Wetterfrau löst bei

Martin Wehrle: Der Klügere denkt nach. Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein – Mit Anti-Schwätzer-Training

in meinen Augen völlig zu Recht Verwunderung aus.

Schlechtes Wetter ist nicht per se schlecht

Während unsere Wetterfrau traurig in die Kamera blickt, denkt sie ganz offensichtlich an Menschen wie mich. Menschen, die dank ihrer Nachricht gerade ihre Balkon-Pläne für den Abend in die Tonne treten. Was gar nicht so schlimm ist, aber dazu kommen wir gleich.

Doch die Sache mit dem „schlechten“ Wetter ist die: es gibt gar nicht so wenige Menschen, die sich über „schlechtes“ Wetter freuen:

  • Kleine Kinder mit Gummistiefeln, die dank des Regens freudig durch Pfützen hüpfen können und sich wie ein Kullerkeks über das umherspritzende Wasser freuen,
  • Landwirte und Hobbygärtner, die bei Regen an ihre Pflanzen denken und sich darüber freuen, dass diese endlich wieder etwas zu trinken bekommen,
  • Regenschirmverkäufer, die dank des Regens an diesem Tag wahrscheinlich einen fantastischen Umsatz machen werden,
  • usw.
Regen ist gut für die Wälder.

Diese Menschen freuen sich über das „schlechte Wetter“ unserer Wetterfrau. Denn für sie sind das, was die Dame im Fernsehen berichtet, richtig gute Nachrichten. Mit diesen Zielgruppen im Hinterkopf könnte unsere Wetterfrau also freudestrahlend vor ihrer Wetterkarte stehen und den zu erwartenden Regen mit den Worten „Heute habe ich richtig gute Nachrichten für alle Naturliebhaber, die sich um die durstigen Pflanzen, Wälder und Felder sorgen.“

Bei Regen einfach lesen.

Wie würdest Du auf diese Art des Wetterberichtes reagieren? Ich bin weder der Wetterfrau noch meinem Smartphone böse, wenn sie mir von Kälte und Regen berichten. Bei dieser Art von Wetter genieße ich den Feierabend einfach mit einem Buch, einem Video, einem Film oder bin fleißig und arbeite an meiner To-Do-Liste. Kälte und Regen schenken mir einfach nur eine andere Art von Beschäftigung und steigern meine Vorfreude auf den nächsten Mini-Urlaub auf Balkonien.

Schlechte Nachrichten sind nicht per se schlecht

Wie wir gerade gesehen haben, ist schlechtes Wetter nicht immer schlechtes Wetter. Genauso verhält es sich auch mit den schlechten Nachrichten, die uns im Leben ereilen. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich hatte in meinem Leben schon einige wirklich herbe Rückschläge. Zum Beispiel erinnere ich mich noch gut an das Ende meines Studiums. Ich war

  • stolz wie Bolle, dass ich es geschafft hatte, mein Studium in der regulären Zeit abzuschließen,
  • der festen Überzeugung, dass mir nun die Welt offenstände,
  • bereit, die politische Welt aus den Angeln zu heben, schließlich hatte ich nur zu diesem Zweck Geschichte und Politik studiert.
Eine Absage nach der Anderen.

Doch die Sache funktionierte nicht so, wie ich gedacht hatte: Ich hatte mein Zeugnis noch nicht und daher bekam ich von allen politischen Institutionen, bei denen ich mich beworben hatte, Absagen. Ich war genervt, frustriert und sauer und bereit, wirklich alles zu tun, um nicht arbeitslos zu sein. Also schrieb ich eine Bewerbung an ein Start-Up. Diese Bewerbung war der erste Schritt auf meinem eigenen Weg, den ich seitdem verfolge.

Die vielen schlechten Nachrichten in Form von Bewerbungsabsagen waren aus heutiger Sicht wirklich das Beste, was mir zu diesem Zeitpunkt passieren konnte. Mit Grauen denke ich heute daran, was aus mir geworden wäre, wenn ich damals eine Zusage bekommen hätte. Heute bin ich jeder einzelnen Institution für ihr damaliges Nein unglaublich dankbar, denn die Türen, die sich schlossen, öffneten mir das Fenster in eine andere, neue, schönere Welt.

Was ist, wenn Du auf Dein Leben zurückschaust? Welche schlechten Nachrichten haben sich bei Dir im Nachhinein als etwas Gutes entpuppt?