Weißt Du, warum kleine Schritte unglaublich mächtig sind?

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Es gibt ein Prinzip, das mich seit vielen Jahren fasziniert, es trägt den wunderbaren Namen „Das Prinzip der kleinen Schritte“. Laut dieses Prinzips führen kleine Schritte zum Erfolg. Und meine Erfahrung lehrt mich, dass dieses Prinzip in unglaublich vielen Bereichen des Lebens greift. So ist zum Beispiel dieser Blog der Beweis, dass das Prinzip der kleinen Schritte funktioniert. Was 2017 damit begann, dass ich täglich etwas lese, das mich persönlich oder beruflich weiterbringt, ist nun viele kleine tausend Schritte später ein Blog, der meines Wissens schon den einen oder anderen Menschen inspiriert hat. Was ich jedoch bisher an diesem Prinzip noch nicht verstanden habe, ist, warum es so unglaublich gut funktioniert. Doch zum Glück gibt es das Buch

Werner Tiki Küstenmacher: LIMBI – Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn,

das uns unsere Frage beantwortet. Doch um die Antwort, die wir gleich erhalten werden, wirklich verstehen zu können, sollten wir an dieser Stelle kurz einen Ausflug machen und uns das limbische System – das bei unserer Antwort eine Star-Rolle spielt – anschauen.

Das limbische System

Hallo, ich bin Limbi.

Werner Tiki Küstenmacher hat sich intensiv mit der Funktion des limbischen Systems (das er liebevoll Limbi nennt) auseinandergesetzt. Das limbische System ist eine Region in unserem Gehirn, die unter anderem für unsere Emotionen zuständig ist. Wenn wir also keine Lust zum Aufräumen haben, dann ist es das limbische System, von dem dieses Gefühl der Unlust ausgeht. Lass uns ein kleines Experiment machen, damit Du Deinen Limbi jetzt einmal spürst:

Juhu, ein königliches Schloss.

Stell Dir vor, Du wohnst in einem wunderschönen englischen Schloss. Dieses Schloss ist ein Traum von einem Schloss. Es hat 50 Schlafzimmer und entsprechend viele wunderschöne Bäder und geräumige Ankleidezimmer. An den Decken hängen gigantische Deckenleuchten, in deren gläsernen Kristallen die Morgensonne glitzert. An den Wänden hängen Wandteppiche und pompös gerahmte Bilder, die die glorreichen Geschichten der vergangenen Jahrhunderte widerspiegeln. In jedem einzelnen Raum stehen wunderschöne Möbel, die in jeder ihrer Verzierungen die Künste längst vergangener Zeiten zur Schau stellen.

Das ist gar nicht mein Schloss?

Und nun fühle einmal in Dich hinein. Spürst Du, wie Dein Limbi träumt und sich vorstellt, durch dieses unglaublich schöne Schloss zu wandeln? Vielleicht siehst Du Dich auch schon mit Freunden eine gigantische Party schmeißen und die Freuden des Lebens genießen. Doch die Sache ist die: Du bist nicht der Besitzer des Schlosses, sondern die Reinigungskraft, die die Aufgabe hat, das Schloss jeden Tag auf Vordermann zu bringen. Das bedeutet, Du musst auf die Leiter und jeden einzelnen Stein der Deckenleuchter abnehmen und polieren und dann wieder anhängen. Du musst in unglaublich zäher Sisyphusarbeit jede Verschnörkelung der Bilderrahmen säubern. Und und und.  Zu Deinem großen Leidwesen ist der Schlossbesitzer ein Pedant und lässt Dich regelmäßig antanzen, um Dir zu zeigen, dass Du eine mikroskopisch kleine Ecke Schmutz übersehen hast.

Und nun fühle bitte erneut in Dich hinein. Wenn in Dir kein begeisterter Putzteufel schlummert, sondern eher ein Putzmuffel, wird Dein Limbi wahrscheinlich gerade vom Gefühlszustand himmelhochjauchzend „Genial ich bin Schlossbesitzer“ zum Gefühlzustand „Auf Putzen und dafür angemotzt werden habe ich null Lust“ gewechselt sein.

Kleine Schritte und das limbische System

Rennen ist voll genial.

Limbi hasst gigantisch große Aufgaben, wie die, ein Schloss mit 50 Zimmern säubern zu müssen. Denn das Problem bei Sachen mit gigantisch großen Aufgaben ist, dass sie ewig dauern bis wir auch nur den Hauch eines Erfolgserlebnisses haben. Gigantisch große Aufgaben geben uns oft das Gefühl, in einem Hamsterrad zu sitzen. Egal, wie sehr wir uns bemühen, wir scheinen keinen Schritt voran zu kommen.

Limbi liebt kleine Aufgaben.

Was Limbi dagegen liebt sind Aufgaben, die so klein sind, dass sie schnell zu erledigen sind. Denn jede erledigte Aufgabe ist ein Erfolg und ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Ziel. Das Großartige an gigantisch großen Aufgaben ist Folgendes: Sie lassen sich in der Regel in viele kleine Aufgaben unterteilen. Wenn wir also vor der Aufgabe stehen, unsere Wohnung aufzuräumen und dabei alle ungenutzten Dinge zu verschenken, sollten wir uns nicht einfach vornehmen, unsere Wohnung aufzuräumen, sondern diese Aufgabe in viele kleine Schritte, wie z.B. diese, aufgliedern:

  1. Wohnung aufräumen
    • Schlafzimmer aufräumen
      • Kleiderschrank aufräumen
        1. Sockenschublade sortieren und alle Einzelexemplare und fadenscheinigen Exemplare entsorgen
        2. Gürtel sortieren
      • ….
    • Arbeitszimmer aufräumen
Ich bin der Held der Sockenschublade.

Mit dieser detaillierten Liste können wir uns ans Werk machen. Sobald wir 10 Minuten Zeit haben, schnappen wir uns die Sockenschublade und sortieren sie. Sobald die Aufgabe erledigt ist, empfiehlt es sich die erledigte Aufgabe mit einer Kleinigkeit, wie zum Beispiel einer schönen Tasse Tee, zu feiern. Das ist der entscheidende Faktor des Prinzips der kleinen Schritte. Wenn wir uns eine detaillierte Liste machen und diese einfach nur abarbeiten und uns keine Zeit nehmen, erledigte Aufgaben zu feiern, mutiert die Liste einfach nur zu einer gigantisch großen Aufgabe inklusive einer Liste.

Kleine Schritte und Agiles Projektmanagement

Das habt ihr großartig gemacht.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann basiert auch der Erfolg des Agilen Projektmanagements auf dem Prinzip der kleinen Schritte. Eine der grundlegenden Regeln des Agilen Managements lautet, dass der Kunde alle zwei bis vier Wochen das Produkt in seinem aktuellen Entwicklungsstadium zu sehen bekommt. Das bedeutet, der Kunde sieht in kurzen Abständen, dass das von ihm beauftragte Projekt Fortschritte macht. Gleichzeitig bekommt das Projektteam regelmäßig ein Feedback zu seiner Arbeit und kann jedes Mal feiern, wenn der Kunde von dem aktuellen Ergebnis begeistert ist.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe beim Schreiben des Beitrages gemerkt, dass ich das Prinzip der kleinen Schritte zwar aktiv und erfolgreich nutze, dabei allerdings zu häufig die Sache mit dem Erfolge feiern vernachlässige. Wie geht es Dir damit? Praktizierst Du den Hinweis mit dem Feiern? An welchen Stellen hat Dir das Prinzip der kleinen Schritte schon gute Dienste geleistet? Hast Du noch andere Ideen, warum das Prinzip der kleinen Schritte so unglaublich gut funktioniert?