Weißt Du, was der Matthäus-Effekt ist?

Hallo, ich ersetze bis auf Weiteres das kleine blaue Vögelchen.

Vor kurzem passierte auf meiner Lieblings Social Media Plattform Twitter etwas Eigenartiges. Anstelle der kleinen blauen Vogels, der das Logo des Unternehmens ist, erschein ein Hund auf der Webseite. Im ersten Moment dachte ich, dass mein Rechner oder Twitter gehackt worden wäre, doch dann klärten mich andere Nutzer der Plattform darüber auf, dass der Inhaber von Twitter das Logo getauscht habe. Im ersten Moment war ich erleichtert, doch dann las ich, dass der Hund das Logo eines Produktes war, dessen Wert durch diese Aktion 25% in die Höhe schnellte, wovon der Inhaber von Twitter mit hoher Wahrscheinlichkeit heftig finanziell profitierte. Plötzlich dachte ich „Wow, wer viel Geld hat, kann mit so einer einfachen Aktion echt viel Geld verdienen.“

Warum erzähle ich Dir das? Nun, dass was auf Twitter passiert ist, beschreibt den Matthäus-Effekt in der Praxis. Der Effekt geht laut den Autoren von

Jörg Bernardy, Lisa Krusche: Ohne euch wär’s echt scheiße. Von Freundschaften, Netzwerken und politischen Bewegungen

auf den folgenden Satz „Denn wer da hat, dem wird gegeben.“ aus dem Matthäusevangelium zurück.

Im Grunde genommen haben unsere Autoren damit die Frage des Beitrages beantwortet. Allerdings habe ich aufgrund meiner atheistisch humanistischen Erziehung keine Ahnung, was genau ein Evangelium ist, wer dieser Matthäus war und wie er zu der Erkenntnis gelangte, die dem Matthäus-Effekt seinen Namen gab. Genau diesen Fragen werden wir heute im Rahmen der Recherche nachgehen.

Was ist ein Evangelium?

Da dies nach einer perfekten Frage für ein Lexikon klingt, lasse ich unser Lexikon sie beantworten:

Evangelium [grch. »frohe Botschaft«] das, in der Antike die Siegesbotschaft oder der Gottesspruch eines Orakels. Im speziellen Sinn (in den christl. Kirchen) Bez. für die Botschaft Jesu vom Kommen des Reiches Gottes, seine Worte und Taten, wie sie in den vier neutestamentl. Schriften über sein Leben und Wirken, den zw. 70 und 150 verfassten Evangelien, niedergelegt sind: ↑Matthäusevangelium, ↑Markusevangelium, ↑Lukasevangelium, ↑Johannesevangelium. Die ersten drei E., in Inhalt und Aufbau einander ähnlich, werden die synopt. E. genannt (↑Synoptiker). – Neben den vier von der Kirche für kanonisch (↑Kanon) erklärten E. gibt es noch mehrere apokryptische E. (↑Apokryphen).

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 04, S. 383.
Liebe Bibel, mach Dir keinen Kopf, ich will Dich nur schnell nach Informationen zu Matthäus durchkämmen.

Okay, das sind viele Information und ich verstehe nicht alle davon. Zum Glück haben wir uns vor einiger Zeit schon einmal mit dem Begriff kanonisch beschäftigt, daher verstehe ich zumindest, dass die vier Evangelien, die unser Lexikon namentlich benennt, jene sind, die aus denen das Alte und das Neue Testament bestehen. Wikipedia hat mir gerade verraten, dass das Alte und das Neue Testament zusammengenommen die Bibel ergeben.

Wir wissen nun also, dass der Begriff Evangelium seinen Ursprung im griechischen Wortschatz hat und frohe Botschaft bedeutet. Zudem wissen wir, dass die Bibel aus vier Evangelien besteht. Ich vermute jetzt mal, dass die Namen der vier Evangelien auf die Namen Ihrer Verfasser zurückgehen. Damit sind wir bei der nächsten Frage

Wer war dieser Matthäus?

Laut unserem Lexikon gibt es weit mehr als vier Evangelien. Die Frage lautet also, warum ausgerechnet die des Matthäus, des Markus, des Lukas und des Johannes Teil der Bibel wurden und die anderen nicht. Ich bin gespannt, ob wir eine Antwort auf die Frage finden, wenn wir herausfinden, wer dieser Matthäus eigentlich war. Im ersten Schritt greifen wir hierfür erneut zum Lexikon und schauen uns an, was es über das Matthäusevangelium zu sagen hat.

Matthäusevangelium, Abk. Mt., das erste und umfangreichste Evagelium im N. T.; zw. 70 und 90 in Syrien (?) von einem hellenist. Judenchrist in grch. Sprache verfasst, wohl unter Verwendung hebr. und aramäischer Quellen (Aussprüche Jesu); Adressat waren judenchrist. Gemeinden in Syrien; der anonyme Autor wird seit Papias mit dem Apostel ↑Matthäus gleichgesetzt; zentrales theolog. Motiv ist die Darstellung Jesu von Nazareth als des im A. T. verheißenen Messias (»des Sohnes Davids«), der gekommen ist, die alttestamentl. Weissagungen und Verheißungen zu erfüllen […]  Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 09, S. 404f.

Laut unserem Lexikon lässt sich die Frage wer dieser Matthäus war also gar nicht beantworten, da der Verfasser des Evangeliums anonym war. Also tun wir an dieser Stelle das was uns das Lexikon rät, wir schauen jetzt mal, wer der Matthäus war, dem das Evangelium nachträglich zugeschreiben wurde.

Matthäus, Evangelist, einer der Zwölf Apostel Jesu; nach Mt. 9,9 ein Zöllner; gilt seit Papias als Verfasser des ↑Matthäusevangeliums; wirkte nach der Legende in Äthiopien, Parthien (Kasp. Meer) uns Persien; Schutzpatron der Finanz-, Steuer- und Zollbeamten […]

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 09, S. 403.
Hallo, ich bin ein Apostel.

Alles klar, Matthäus war also einer der zwölf Apostel Jesu. Ich wette, die anderen 3 Evangelien-Verfasser, die uns vorhin begegnet sind, waren auch Apostel. Mal schauen, ob was Internet diesen Verdacht bestätigen kann. Die Webseite der Wiener Erzdiözese verrät uns, dass die Namen der 12 Apostel wie folgt lauteten:

  • Andreas
  • Bartholomäus / Natanaël
  • Jakobus
  • Jakobus II.
  • Johannes
  • Judas
  • Matthäus
  • Matthias
  • Petrus
  • Philippus
  • Simon
  • Thomas

Das bedeutet, dass zumindest 2 der 4 Bibel Evangelien die Namen von Aposteln (Johannes und Matthäus) tragen.

Wie kam Matthäus zu dem Schluss, dass jene die viel haben, mehr erhalten?

Der Name auf dem Buchdeckel ist nicht immer der Name des Autors.

Im Rahmen unserer bisherigen Recherche haben wir bereits herausgefunden, dass das das im Matthäusevangelium festgehaltene Wissen nicht von Matthäus, bzw. dem anonymen Verfasser des Evangeliums stammt, sondern aus verschiedenen Quellen. Das Matthäusevangelium ist also vergleichbar mit dem Märchenbuch der Gebrüder Grimm. Die Jungs haben keines der Märchen erfunden, sondern waren lediglich jene, die die Märchen schriftlich festhielten.

Die Antwort auf die Frage, wie Matthäus zu der Erkenntnis gelangte, dass jene mehr erhalten, die viel haben lautet also mit hoher Wahrscheinlichkeit: „,Weil er es in einer Quelle gelesen, hat.“

Fazit

Heute haben wir eine ganze Menge über Matthäus und das Matthäusevangelium gelernt und zumindest eine etwas bessere Vorstellung davon erhalten, warum der Matthäus-Effekt Matthäus-Effekt heißt.

2. Februar 2024
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2. Februar 2024
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  1. Maria Steinberg 2. Februar 2024 at 06:08 - Reply

    In diesem Beitrag sind wir der Frage nachgegangen was der Matthäus-Effekt ist. Dabei haben wir glatt die Frage „Wer hat den Matthäus-Effekt erfunden?“ übersprungen. Der Autor von

    Gerd Kulhavy: Unternehmer-Strahlkraft. Vom Hidden Champion zum Leuchtturm der Branche
    gibt uns auf Seite 44f. seines Buches die Antwort auf die Frage. Der Matthäus-Effekt wurde erstmals 1968 von Robert K. Merton formuliert. Der amerikanische Soziologe beschäftigte sich in seinem Aufsatz

    „The Matthew Effect in Science: The reward and communication systems of science are considered.“ https://www.science.org/doi/10.1126/science.159.3810.56

    mit der Zitierhäufigkeit in der Wissenschaft und fand dabei heraus, dass bekannte Wissenschaftler häufiger zitiert werden als unbekannte.
    Doch Gerd verrät uns nicht nur den Erfinder des Effektes, er gibt uns auch weitere Beispiele, in denen sich der Effekt beobachten lässt:

    – Social Media – Große Accounts werden häufige geliked und geteilt als kleine
    – Spiegel Bestseller – Autoren, die einmal auf der Liste waren, werden ihre folgenden Bücher anschließend leichter verkaufen
    – Prominente Schauspieler – Wer bereits ein Publikumsmagnet ist, wird gern für Blockbuster-Filme engagiert, um hohe Zuschauerzahlen zu erreichen
    – Gesundheitsexperten – Jene, die in einer Talkshow eine gute Figur gemacht haben, werden gern auch vion anderen Talkshows angefragt

  2. Holger Fischer 2. Februar 2024 at 15:15 - Reply

    Apokryphen = außerkanonische Schriften; altgriechisch ἀπόκρυφος apokryphos = deutsch -> „verborgen, dunkel.“ Bei den Apokryphen handelt es sich um Texte, die sich nicht im Kanon der Bibel befinden. Der Name Bel wird mit „Herr / König / Gott“ (als Titel) assoziiert ->

    https://www.mythologie-antike.com/t134-belos-konig-von-agypten-wird-mit-baal-ubersetzt

    • Holger Fischer 2. Februar 2024 at 23:12 - Reply

      Genau betrachtet, ist es komplett unklar, wer die Verfasser der vier Evangelien sind. Es ist auch komplett unklar, was mit „Jesus“ WIRKLICH gemeint ist. Sehr zentral geht es da um den Abendstern (Untergang) und Morgenstern (Aufgang). Niemand sollte seine Hand dafür ins Feuer legen, dass dieser „Jesus“ wirklich in Menschengestalt auf der Erde herumgelaufen ist. Natürlich lässt sich heute nur spekulieren, um diesen Abendstern / Morgenstern geht es weltweit jedoch ständig sehr zentral ->

      https://www.mythologie-antike.com/t23-gott-eosphoros-phosphoros-lichttrager-lichtbringer-morgenstern

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