Weißt Du was die Vogel-Hund-Übung ist?

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WERBUNG: Das Buch das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Redline Verlag erhalten. Das bedeutet ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen um darüber zu schreiben.

Nein, auch wenn es auf den ersten Blick so ausschaut, wird es heute nicht um Yoga gehen. Tatsächlich handelt es sich bei der Vogel-Hund-Übung, die ich dank

Dan Roam: Auf der Serviette erklärt. Mit ein paar Strichen schnell überzeugen statt lange präsentieren

entdeckt habe, um eine Visualisierungsübung, die uns nicht nur beim Sketchnoten, sondern auch im Unternehmen gute Dienste leisten kann.

Wozu brauche ich die Vogel-Hund-Übung

Zeichnen eines Bildes

Diese Übung ist eine wirklich einfache Übung, die uns dabei hilft Probleme im Business zu betrachten, ohne dabei einen wichtigen Aspekt zu übersehen. Denn spannenderweise haben, wie wir gleich sehen werden, das Zeichnen eines Bildes und das Betrachten eines Business Problems viele Parallelen.

Wenn es nach unserem Autor geht ist dies eine Visualisierungsübung. Bei einer Visualisierungsübung schließen wir die Augen und stellen uns Dinge vor, die dann magisch vor unserem inneren Auge erscheinen. Die Sache ist aber die: Obwohl ich nun schon eine ganze Weile Zeichne, fällt mir die Sache mit dem Visualisieren noch immer schwer. Daher wandle ich die Übung an dieser Stelle etwas ab und nutze die Fähigkeiten, die ich habe: das Zeichnen. Solltest Du gut im Visualisieren sein kannst Du die Übung gern ohne Stift und Papier durchführen.

Wie funktioniert die Vogel-Hund-Übung?

Für die Übung brauchen zwei Zettel und einen Stift. Auf den ersten Zettel zeichnen wir eine friedliche Alltagsszene auf der Folgendes zu sehen ist:

Ein Hund
  • einen Freund
  • einen Hund
  • eine Pärchen, das einen Kinderwagen schiebt
  • einen Vogel
  • ein Park
  • eine Sitzbank

Sobald wir diese Szene fertig gestellt haben, schnappen uns den zweiten Zettel und zeichnen diese Szene erneut, doch dieses Mal hat der Hund den Vogel entdeckt.

Sobald Du fertig bist schauen wir uns an meinem Zeichenbeispiel an, was wir grade getan haben.

Schritt 1: Wer oder was

Im ersten Schritt habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich die benannten Objekte zeichne. Beim Hund war mir sofort klar, dass er Ohren und einen wedelnden Schwanz braucht, damit er als Hund erkennbar ist. Bei den Menschen habe ich auf die Ohren verzichtet, denn die waren aus meiner Wahrnehmung nicht so wichtig.

Park Bild 1

Schritt 2: Wie viele

Während der Zeichnung der Objekte habe ich automatisch auch über das wie viel entschieden. Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber spannender Weise habe ich der Bank nur 2 Beine und dem Kinderwagen nur 2 Räder gegönnt, allen lebendigen Lebewesen auf meinem Bild allerdings die richtige Anzahl Beine. Na gut, bis auf den Vogel, aber der hatte kalte Füße und hat diese daher mit seinem Federkleid bedeckt.

Schritt 3: Wo

Noch etwas lief beim Zeichnen ganz unbewusst ab: Ich habe das wo bestimmt. Statt Kinderwagen, Hund und co. stumpf auf eine Stelle zu malen und so identifizierbar zu machen, hat jedes Objekt einen in meiner Wahrnehmung sinnvollen Platz im Bild bekommen. Für mich ist ein Park ganz offensichtlich zum Lesen da, daher lesen sowohl mein Freund, als auch der Hund grade ihre Lieblingsschmöker an unterschiedlichen Bäumen.

Schritt 4: Wann

An dieser Stelle wechseln wir zu unserem zweiten Bild. Zwischen den zwei Bilden ist etwas Zeit vergangen. Der Hund hat seinen Lieblingsschmöker fertig gelesen und den Vogel entdeckt, den er nun entspannt betrachtet.

Park Bild 2

Schritt 5: Wie

Der Vogel ist durch den Hund etwas beunruhigt, aber noch unentschieden wie er mit dem Vierbeiner umgehen soll.

Schritt 6: Warum

Wenn Du ganz genau hingeschaut hast, hast Du bemerkt, dass ich beim Zeichnen geschlafen habe und mein Kinderwagen sich kein Stück bewegt hat. Die Frage lautet an dieser Stelle also: Warum ist das so? Meine Antwort lautet wie folgt: Da die beiden Männlein, die den Kinderwagen schieben in Bewegung sind, müssen wir davon ausgehen, dass ordentlich Zeit zwischen den beiden Bildern vergangen ist, da die beiden offensichtlich grad zum 2ten Mal hier vorbeikommen.

Die 6 W’s

Hast Du bemerkt, dass wir uns bei jedem Schritt, den wir zum Zeichnen gebraucht haben um die Beantwortung eines „W‘s“ gekümmert haben?

Wir brauchen mehr als das was und wie viel.
  1. Wer/was
  2. Wie viel
  3. Wo
  4. Wann
  5. Wie
  6. Warum

Die gleichen 6 W’s helfen uns laut unserem Autoren dabei Business Probleme aus allen Perspektiven zu betrachten. Stellen wir uns also einmal vor unser Unternehmen hat einen Umsatzeinbruch von 50% erlitten. Damit haben wir die ersten beiden Fragen auf unserer Liste schon einmal beantwortet. Um uns ein genaues Bild von der Situation zu machen, fehlen uns aber noch 4 Informationen. Wenn wir nach dem Wo fragen, kann es zum Beispiel sein, das wir herausfinden, dass nicht das Ganze Unternehmen einen Umsatzrückgang erlitten hat, sondern nur ein bestimmter Markt bzw. Kanal betroffen ist.

Fazit

Annahmen statt Untersuchungen

Hätte ich diese einfache Methode schon vor 5 Jahren gekannt, hätte ich manchen meiner Kunden deutlich besser helfen können. Viel zu oft habe ich die Nummer mit den 50% Umsatzrückgang einfach gekauft, dabei war in Wirklichkeit nur einer von 4 Kanälen betroffen. Da ich nicht nach dem Wo gefragt habe, habe ich die Information mit den 4 Kanälen nie bekommen und konnte mir daher oft nicht plausibel erklären, warum das Problem aufgetreten war. Ähnlich wie mit unserem Kinderwagenpärchen, habe ich mir einfach einen Grund für die unerklärbare Situation ausgedacht und damit weder mir noch meinen Kunden geholfen. Dank den 6 W’s werde ich diesen Fehler in Zukunft hoffentlich nicht mehr machen.