5,4 min readPublished On: 23. Oktober 2020By Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was ein Confirmation Bias ist?

Warte mal, Eier haben gar keine Augen.

Eine Welt, die mich unendlich fasziniert, ist die Welt der Biases. Trotz der vielen Übersetzungsmöglichkeiten von Bias habe ich dieses englische Wort für mich immer als „Vorurteil“ ins Deutsche übersetzt. Jeder von uns hat Vorurteile. Das ist auch gar nicht schlimm, denn in der Regel erleichtern uns Vorurteile das Leben. Wenn wir zum Beispiel im Supermarkt stehen und Bioprodukte sehen, gehen wir automatisch davon aus, dass diese teurer und besser für die Umwelt sind als andere Produkte. Dieses unbewusste Vorurteil hilft uns im Supermarkt dabei, schnelle Kaufentscheidungen zu treffen. Und das macht uns das Leben leichter.

Oh, das ist wohl ein Bias.

Das Spannende an Vorurteilen ist, dass es viele verschiedene von ihnen gibt, und sie uns oftmals gar nicht bewusst sind. Daher werde ich jedes Mal hellhörig, wenn ich einem Bias begegne. Denn je mehr wir über unsere Biases wissen, desto besser können wir sie bei uns erkennen. Sobald wir sie erkannt haben, sind wir in der Lage, bewusst zu entscheiden, ob wir sie zulassen oder nicht. Solange wir nichts von ihnen wissen, können wir dies nicht. Logisch, oder?

Zu meiner großen Freude bin ich in

Ulrike Strubel: Runter von der Macht-Wippe!. Souverän umgehen mit Autorität

einem weiteren Bias begegnet, das sehr spannend ist und das wir uns nun genauer anschauen werden.

Was ist ein Confirmation Bias?

Oh, ich wusste schon immer, dass Menschen großartig sind.

Die deutsche Übersetzung des Confirmation Bias lautet Bestätigungsfehler. Der Bestätigungsfehler betrifft die Informationen, die wir konsumieren. Die meisten von uns glauben, dass wir neutrale Informationen konsumieren und daherz. B. einen guten neutralen Überblick über das Weltgeschehen haben. In Wirklichkeit konsumieren wir viel lieber Informationen, die unser Wissen und unsere Meinungen bestätigen, als Informationen, die unserem Wissen und unserer Meinung widersprechen. Die meisten zeitungslesenden Menschen lesen eine Zeitung, die ihnen politisch nah ist und fühlen sich beim Lesen dieser Zeitung wohl, denn in der Regel bestätigt diese ihr Weltbild.

Mach das nicht, ohne Dinos gäbe es keine Vögel.

Wer nicht an den Bestätigungsfehler glaubt, kann gern einen Selbsttest machen und bewusst zu Informationen greifen, die das Gegenteil des eigenen Wissens repräsentieren. So könnte ich zum Beispiel einmal die Welt der religiösen Informationen betreten und mir anschauen, wie die Geschichte der Welt ohne Dinosaurier und Evolution ausschaut.

Ich weiß, dass Du großartig bist.

Bei mir gibt es eine Stelle, an der ich den Bestätigungsfehler ganz bewusst für mich nutze. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch großartig ist, und daher verzichte ich ganz bewusst auf den Konsum von Informationen, die dies widerlegen. Das Ergebnis dieses Informationsverzichtes hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass ich viele großartige Menschen kennengelernt habe. Wenn ich auf einen Menschen in der Überzeugung zugehe, dass er großartig ist und aktiv nach seiner Großartigkeit suche, finde ich diese in der Regel auch. Manchmal dauert es etwas länger, doch gerade in diesen Fällen freue ich mich unglaublich, weil ich dabei oft neue Dinge lerne.

Doch die Sache ist die: Der Bestätigungsfehler wirkt genauso gut in die andere Richtung. So schreibt unsere Autorin, dass Menschen, die davon ausgehen, dass sie abgelehnt werden, überall Ablehnung vermuten und überall Anzeichen von Ablehnung sehen.

Was können wir gegen das Confirmation Bias tun?

Unsere Autorin hat zwei Tipps für uns, wie wir dem Bestätigungsfehler entgehen können:

  • bewusst wahrnehmen, worauf wir uns konzentrieren,
  • neugierig werden, wenn uns eine andere Weltsicht begegnet.

Beim bewussten Wahrnehmen geht es darum, uns selbst zu beobachten. Was nehmen wir wahr, wenn wir durch den Tag gehen?

  • Nehmen wir obdachlose Menschen am Straßenrand mehr wahr als die Auslagen in den Schaufenstern?
  • Konzentrieren wir uns bei Gesprächen mit Freunden mehr auf unsere Freunde oder auf unser Smartphone?
  • Nehmen wir einen unglücklichen Spruch einer Kollegin stärker wahr als ein fantastisches Gespräch mit dem Kollegen?
Warte kurz, ich gestalte gerade meinen Fokus um.

Wenn wir uns ein paar Tage lang aufschreiben, was wir an einem Tag wahrgenommen haben, wird uns schnell klar werden, worauf wir uns im Alltag aktuell fokussieren. Mit diesem Wissen können wir entscheiden, ob uns unser Fokus gefällt und weiter machen, oder wir können feststellen, dass er uns nicht gefällt und unseren Fokus in Zukunft bewusst auf andere Dinge richten.

Neugier ist Glück.

Der zweite Tipp unserer Autorin ist Neugier. Ich hatte dieses Jahr das Glück, ein paar Tage mit einer jungen Frau zu verbringen, die ein Kopftuch trägt und habe in dieser Zeit sehr viel über ihre, vor allem aber über meine kulturellen Überzeugungen gelernt. Diese junge Frau gehört zu den spannendsten Persönlichkeiten, die mir in den letzten Jahren begegnet sind, und sie hat mir geholfen zu verstehen, was es mit Kopftuch, Burka und Co. auf sich hat. Meine Neugier, verstehen zu wollen, was eine junge, in Berlin geborene Frau dazu motiviert, ein Kopftuch zu tragen, hat mir wertvolles Wissen beschert. Vor dieser Begegnung glaubte ich immer, dass Frauen, die Kopftuch tragen, besonders brav und vorbildlich sind. Jetzt weiß ich es besser. Das Kopftuch ist für die junge Frauen, die ich kennengelernt habe, ein normales Kleidungsstück. Von ihr, die es gewohnt ist, ein Kopftuch zu tragen zu erwarten, dass sie kein Kopftuch trägt, ist in etwa so, als würden von mir jemand im Büro darauf bestehen, dass ich auf das Tragen von Beinbekleidung verzichte. In meinem (und ihrem) Verständnis ist es normal, Beinbekleidung zu tragen. In ihrer Kultur ist es normal, Kopftücher zu tragen. Fertig ist der Zauber.

Wenn Du nun neugierig geworden bist und mehr über die Welt der Biases erfahren möchtest, empfehle ich Dir, einmal einen Blick in folgende Beiträge zu werfen: