Wie findest Du die perfekte Struktur für Vorträge und Co.?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom O’Reilly Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Au man, wie strukturiere ich das nur?

In meinem Studium gehörte das Sortieren von Informationen zu den Herausforderungen, an denen ich mir regelmäßig die Zähne ausbiss. Beim Schreiben historischer Hausaufgaben konnte ich in der Regel auf den Rettungsanker „zeitliche Reihenfolge“ zurückgreifen. Doch wenn es darum ging, sinnvoll strukturierte Hausaufgaben für mein Politikwissenschaftsstudium zu erstellen, half mir dieser Rettungsanker leider überhaupt nicht.

Wer nicht strukturieren kann hat andere Stärken.

Bis heute schleppe ich diese Strukturschwäche mit mir herum, doch inzwischen habe ich meinen Frieden mit ihr geschlossen. Denn diese Strukturschwäche hat mir – ohne, dass ich mir darüber im Klaren war – geholfen, den perfekten Aufbau für diesen Blog zu finden. Da ich nicht gut im Strukturieren bin, schreibe ich Blogbeiträge, die sich mit nur einem Thema beschäftigen. Auf diese Weise habe ich viel Freude beim Schreiben und das sorgt – wie ich gelernt habe – dafür, dass Du beim Lesen dieser Texte an der einen oder anderen Stelle diese Freude spürst und Dir das Lesen der Texte Spaß macht. (Woher ich das weiß? Nun, wenn dem nicht so wäre, wärst Du wahrscheinlich gerade nicht dabei, diesen Beitrag zu lesen.)

Doch die Sache ist die: Manchmal brauchen wir Struktur, und daher freue ich mich sehr, dass ich in

Dave Gray & Sunni Brown & James Macanufo: Gamestorming. Ein Praxisbuch für Querdenker, Moderatoren und Innovatoren

einer Strukturierungsmethode begegnet bin, die so großartig klingt, dass ich es kaum erwarten kann, sie einmal auszuprobieren.

Wie William die Struktur für sein Buch fand

Das Spiel finde ich doof.

Kennst Du „42 heb auf“? – „42 heb auf“ ist ein Kartenspiel, dass Du nie mehr vergisst, wenn Du es ein Mal gespielt hast. Die Regeln lauten wie folgt. Du stellst einem Mitspieler die Frage „Kennst Du 42 heb auf?“ Wenn er nein sagt, schnappst Du Dir einen Stapel Spielkarten, wirfst sie in die Luft und sagst zu Deinem Mitspieler „Heb auf.“ In der Regel lachen sich jetzt alle, die das Spiel kennen, tot und warten gespannt die Reaktion des Mitspielers ab.

Bis jetzt hielt sich meine Begeisterung für diese Spiel in Grenzen. Doch dank unserer heutigen Autoren habe ich erkannt, dass dieses Spiel die Zahl 42 enthält, und diese ist bekanntlich – wie jeder, der „Per Anhalter durch die Galaxis“ kennt, weiß – die Antwort auf alles.

Lass den Zufall entscheiden.

So war „42 heb auf“ in leicht abgewandelter Form der Weg, wie William S. Burroughs die perfekte Struktur für sein Buch „Naked Lunch“ – das ich allerdings noch nicht kenne – gefunden hat. Als William vor der Aufgabe stand, sein Buch sinnvoll zu strukturieren, schnappte er sich sein aus losen Blättern bestehendes Manuskript, warf es in die Luft und sammelte die einzelnen Seiten danach wieder auf. Er spielte also „42 heb auf“ mit sich selbst. Die so entstandene Reihenfolge war die Seitenfolge, in der das Buch erschien.

Als ich einem Menschen, der die Werke von William S. Burrough gut kennt, diese Zettel Geschichte erzählte, äußerte er starke Zweifel an dieser. Solltest Du also eine zweite Quelle kennen, die diese Geschichte bestätigt freue ich mich sehr, wenn Du sie mit mir teilst.

Kann dieser Strukturierungstrick funktionieren?

Mit Sicherheit kann ich die Frage erst beantworten, wenn ich ihn selbst ausprobiert habe. Doch ich glaube, dass dieser Trick funktionieren kann, da er die Fähigkeit unseres Gehirns nutzt, Muster zu erkennen. Unser Gehirn arbeitet den ganzen Tag mit Mustern, um Dinge zuzuordnen. So haben wir zum Beispiel das Muster eines Stuhls in unserem Gehirn gespeichert. Wir wissen, dass dieser eine Sitzfläche, eine Rückenlehne und vier Beine hat. Wenn wir unserem Gehirn nun plötzlich ein Objekt zeigen, dass eine Sitzfläche und eine Rückenlehne, aber nur ein geschwungenes Stahlrohr als Bein hat, ist unser Gehirn in der Lage, auch dieses Objekt als Stuhl zu identifizieren, denn es hat das Muster eines Suhls, auf dem man sitzen kann, in diesem Objekt wiederentdeckt.

Auch wenn man darauf sitzen kann, ist das kein Stuhl.

Ich vermute, dass genau dieser Entdeckungsprozess auch bei Williams Buchstrukturierungstrick einsetzt. Das Gehirn weiß, dass die Blätter in dieser Reihenfolge zusammengehören und erschafft ein Muster, um die Seiten miteinander zu verbinden.

Ich starre die Wand so lange an, bis ich ein Motiv sehe.

Ein wahrer Profi in der Nutzung der Mustererkennungsmaschine Gehirn war – laut unserer Autoren – Leonardo da Vinci. Dieser starrte so lange auf eine Wand voller Flecken, bis sein Gehirn begann, diese Flecken in eine Landschaft oder etwas anderes zu verwandeln, das Leonardo dann malen konnte.

Auch beim Sketchnoten nutzen wir die Fähigkeit unseres Gehirns, Muster zu erkennen. Allerdings lassen wir unserem Gehirn hier keinen Spielraum, sondern sagen ihm durch die Texte in den Sketchnotes ganz klar, was es sehen soll. So wird aus einer Lupe in null Komma nichts eine Babyrassel.

Achtung Muster

Da ist ein Muster und nichts anderes.

Doch die Sache mit den Mustern hat auch einen Haken. Einmal erkannte Muster können das Erkennen von neuen Mustern blockieren. Vielleicht liegt hierin der Grund für die berühmt berüchtigte Betriebsblindheit, die an vielen Stellen Innovationen blockiert. Ein großartiger Weg, dieser Betriebsblindheit zu begegnen war für mich bis jetzt, mit neuen Menschen zu sprechen und ihre für mich neuen Perspektive kennen zu lernen. Doch wer weiß, vielleicht hilft mir auch hier in Zukunft „42 heb auf“.

Profitipp: Klebezettel & Karteikarten

Eine geniale Methode, um im Alltag Muster auf den Kopf zu stellen, ist es, einzelne Ideen auf Klebezettel oder Karteikarten zu schreiben. Diese lassen sich wunderbar mischen und neu anordnen und können uns dabei helfen, neue Muster zu erkennen.