4.1 min readPublished On: 2. Juni 2021By Categories: Bücher, Wissen

Wie sehen gute Teamregeln aus?

Zeit, Uhr

Pünktlichkeit ist wichtig.

Lange Zeit in meinem Leben habe ich mir über Dinge wie Teamregeln keine Gedanken gemacht. Ich war der festen Überzeugung, dass jeder erwachsene Mensch auf der Welt die gleichen Werte und Regeln hat. Bei meinem ersten Job merkte ich dann, wie sehr ich mich geirrt hatte. Während es für mich selbstverständlich war, immer pünktlich zu sein, nahmen andere im Team das nicht so genau. In meiner kleinen Welt verpasste ich diesen Menschen den Stempel „unzuverlässig“, denn es lag außerhalb meiner Vorstellungskraft, dass jemand der unpünktlich ist, zuverlässig sein könnte.

Als mir viele Jahre später im Rahmen meiner Weiterbildung zum Digital Transformation Manager zum ersten Mal Teamregeln begegneten, und ich live erleben durfte, was passiert, wenn ein Team gemeinsame Regeln festlegt und sich an diese hält, wurde mir bewusst, dass ich den Menschen, mit denen ich viele Jahre zusammengearbeitet habe, unrecht getan habe.

Jeder Mensch schätzt Pünktlichkeit, oder?

Bei der Festlegung der Regeln in meinem Weiterbildungsteam hatte ich Pünktlichkeit in den Raum geworfen und musste miterleben, dass dieser Wert es nicht in die endgültigen Regeln für das Team schaffte. Das Spannende war, dass es für mich binnen einer Stunde okay war, dass Pünktlichkeit nicht zu unseren Teamregeln gehörte. Wir hatten am Anfang festgelegt, dass es 10 Regeln geben sollte. Während wir im Team über Werte sprachen, die jedem von uns wichtig waren, fanden wir gemeinsam heraus, dass es 10 Regeln gab, die für uns wichtiger waren als Pünktlichkeit.  Wir waren ein Team, das gemeinsam lernen wollte, und somit stand Spumor (mit dieser Wortkreation machten wir „Spaß“ und „Humor“ zu einem Wort, das es so unter die Top Ten schaffte) für uns an oberster Stelle.

Wir halten uns an unsere Regeln.

Dank unserer gemeinsamen Regeln erlebte ich eine Teamzusammenarbeit, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Immer wenn jemand gegen eine Regel verstieß, reichte ein Hinweis auf unser Regel-Flipchart an der Wand, um den Verstoß zur Sprache zu bringen und diesen zu besprechen. Je länger wir miteinander arbeiteten, desto mehr hielten wir uns an die gemeinsam erarbeiteten Regeln.

Teamregeln im Arbeitsalltag

Seit meiner Weiterbildung weiß ich, wie mächtig gemeinsame Teamregeln sind, und ich dachte, ich könnte nie wieder ohne gemeinsam erarbeitete Regeln leben. Doch der Arbeitsalltag zeigt, dass es im Arbeitsalltag viele Gründe gibt, die einen einstündigen Regelworkshop für ein Team verhindern. Zu meiner großen Freude bin ich in

Holger Timinger: Modernes Projektmanagement. Mit traditionellem, agilem und hybridem Vorgehen zum Erfolg

über eine Liste mit typischen Teamregeln gestolpert, die einen großartigen Einstieg in das Thema bietet. Die Liste stammt laut unserem Autor von „Comelli 2011“. In seinem Buch habe ich allerdings keine Literaturliste entdeckt, daher kann ich nur vermuten, dass die Liste aus dem Buch

„Gerhard Comelli (Autor), Lutz von Rosenstiel (Autor), Friedemann W. Nerdinger (Autor): Führung durch Motivation: Mitarbeiter für die Ziele des Unternehmens gewinnen“

stammt.

Typische Teamregeln

Fehler machen ist okay.

Laut Comelli sehen typische Teamregeln für ein Team wie folgt aus:

  • Hier und Jetzt: Wir leben und arbeiten in der Gegenwart und verzichten auf ständige Rückschau und auf Argumente aus der Vergangenheit.
  • Jeder ist für sich selbst verantwortlich.
  • Jeder trägt seine Anliegen selbst vor und wartet nicht darauf, dass diese von anderen vorgetragen werden.
  • Wünsche werden ausgesprochen. Wir warten nicht darauf, dass andere zufällig so handeln, wie wir das erwarten.
  • Eigene Informationen werden als Bringschuld weitergegeben. Für benötigte Informationen gibt es eine Holschuld.
  • Jeder kann jederzeit „Nein“ sagen.
  • Störungen haben Vorrang.
  • Keine Seitengespräche.
  • Ich spreche per „ich“ und nicht per „man“, „wir“ oder „es“.
  • Ich formuliere meine Meinung, statt sie hinter Fragen zu verstecken.
  • Ich bin offen, echt und ehrlich – soweit es Takt und Timing erlauben.
  • Ich sichere Vertraulichkeit zu.
  • Jeder hat das Recht, Fehler zu machen, jeder hat die Pflicht, Fehler zu korrigieren.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber in mir regt sich bei dem einen oder anderen Punkt auf dieser Liste Widerstand. Auf der anderen Seite ist diese Liste besser als keine Teamregeln zu haben. Daher habe ich das Gefühl, dass diese Liste für alle Teams einen großartigen Einstieg in das Thema Teamregeln ermöglicht. Statt einen eigenen Regelworkshop zu halten, kann ein Team diese Regeln einfach übernehmen und dann im Rahmen der Zusammenarbeit feststellen, ob diese Regeln passen, oder entdecken, dass der Wunsch nach eigenen passenden Teamregeln entsteht.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Arbeitest Du schon mit Teamregeln? Wenn ja: Wie lauten sie? Wenn nein: Welche Verhaltensweisen in einem Team stören Dich?