4,6 min readPublished On: 2. August 2022By Tags: , , , , , Categories: Bücher, Wissen

Zusammenarbeit im Team ist immer gut, oder?

Wir arbeiten zusammen für ein Ziel.

Kollaboration gehört zu den Worten, die ich sehr mag. Für mich steht dieser Begriff dafür, dass ein Team perfekt zusammenarbeitet, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Daher hat es mich überrascht, als mir in

Stefano Mastrogiacomo, Alexander Osterwalder: High-Impact Tools für Teams. Teammitglieder koordinieren, Vertrauen aufbauen und rasch Ergebnisse erzielen mit 5 praktischen Tools, S. 25

der Begriff „Über-Kollaboration“ unter der Überschrift „Unsicheres Teamklima“ und der Unterüberschrift „Anzeichen für ein schlechtes Teamklima“ begegnete. Mir war (und ist es noch immer) nicht klar, wie Zusammenarbeit in einem Team schlecht sein kann.

Das Internet kann nicht helfen

Zu meinem Erstaunen erläutern die Autoren den Begriff, der noch einmal auftaucht (S. 154), nicht. Zu meinem noch größeren Erstaunen blieb auch meine Internetsuche nach diesem Begriff ergebnislos. Also nutzte ich die Macht der Sozialen Medien, genauer gesagt: LinkedIn und schrieb Alexander Oswald, einem der Autoren, eine Kontaktanfrage, mit dem folgenden Wortlaut:

„Hallo Alexander, ich habe Dein großartiges Buch High-Impact gelesen und habe eine Frage: Was ist Über-Kollaboration? Der Begriff taucht auf S.25 und S.154 auf. Weder im Buch, noch im Internet habe ich eine Erklärung gefunden, was das sein könnte. Kannst Du mir helfen? Viele Grüße Maria“

Entschuldige, ich habe zu viele Kontakte.

Anfang Juni erhielt ich dann eine Antwort, in der es hieß: Alexander habe auf LinkedIn bereits die maximal mögliche Anzahl an Kontakten und könne daher technisch bedingt keine neuen Kontaktanfragen mehr annehmen. Zudem erhielt ich die Information, dass meine Frage intern an Stefano Mastrogiacomo, den zweiten Autor, weitergeleitet würde. In dem Moment machte ich einen Haken an die Recherche und gab mich damit zufrieden, keine Antwort zu erhalten.

…oder kann das Internet doch helfen?

Doch dann kam der 23.06.2022. Zu meiner Überraschung hatte Stefano die Frage sehr schnell bearbeitet und auch eine Antwort in Form dieses Links für mich parat, der mir verriet, dass das Internet zwar mit dem Begriff „Über-Kollaboration“ nichts anfangen könne, wohl aber mit dem Begriff „Over-Collaboration“, dem englischen Originalbegriff der Autoren. Und das bedeutet, dass wir mit etwas Glück heute endlich eine Antwort auf die Frage erhalten, was Über-Kollaboration ist.

Was das Internet sagt

Wir haben fleißig Daten gesammelt.

Laut der Webseite cahnty gibt es Forschungen, die belegen, dass zu viel Zusammenarbeit im Team genauso schädlich sein kann, wie zu wenig. Zu meiner großen Freude verrät uns die Webseite, dass die Harvard Business Review unter dem Beitrag „Collaborative Overload“ mehr Informationen zu diesem Thema bereit hält. Der Beitrag wurde von Rob Cross, Reb Rebele und einem meiner Lieblingsautoren, Adam Grant, verfasst. Die drei haben zwischen 1996 und 2016 fleißig Daten gesammelt und herausgefunden, dass Manager und Angestellte inzwischen mehr als 50 Prozent ihrer Zeit mit Zusammenarbeit verbringen.

Was sich im ersten Moment großartig anhört, hat in vielen Unternehmen einen Haken. Hier besteht die Zusammenarbeit zu 80 Prozent aus Meetings oder aus Fragen der Kollegen, die beantwortet werden, so dass den Mitarbeitern nur noch 20 Prozent ihrer Zeit verbleiben, um ihre eigentliche Arbeit zu tun. In diesen Fällen kommt es vor, dass die Mitarbeiter die liegengebliebene Arbeit mit nach Hause nehmen und schlussendlich kündigen, oder im Burnout enden.

Und hier haben wir nun endlich die Antwort auf unsere Frage zur Über-Kollaboration. Über-Kollaboration bedeutet (soweit ich es verstehe), dass der Zeitaufwand für die Zusammenarbeit größer ist als der Produktivitätsgewinn, der durch die Zusammenarbeit entsteht.

Was können wir tun, wenn die Zusammenarbeit schadet?

Na, Lust auf ein Meeting?

Obwohl mir der Begriff Über-Kollaboration bei unseren Autoren das erste Mal begegnet ist, habe ich sie schon einige Male im echten Leben erlebt. Zu meinem Bedauern konnte ich den betroffenen Bekannten, die mir davon berichteten, dass sie vor lauter Meetings nicht mehr zu arbeiten kommen, zwar ein offenes Ohr schenken, hatte aber keine Idee, wie sie sich aus dem Dilemma befreien könnten.

Im Gegensatz zu mir haben die Autoren des Beitrages Collaboration Overload für dieses Problem gleich zwei Lösungsansätze:

  1. Führungskräfte müssen sich einen Überblick über den Bedarf an Zusammenarbeit im Unternehmen verschaffen und die (Zusammen-)Arbeit gleichmäßig auf die Mitarbeiter verteilen.
  2. Führungskräfte müssen Anreize für effektive Zusammenarbeit schaffen.

Wie genau diese Lösungsansätze im Detail aussehen, erfährst Du, wenn Du den ausführlichen Beitrag in der Harvard Business Review liest. Doch bevor Du alle Tipps der Autoren in Deinem Unternehmen 1-zu-1 umsetzt, lohnt sich meiner Einschätzung nach ein intensives Gespräch mit Eurem Datenschutzbeauftragten.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, doch ich freue mich gerade wie ein kleines Kind. Als mir der Begriff Über-Kollaboration das erste Mal begegnete, war ich ein wenig gnatschig mit unseren heutigen Autoren, weil sie es wagten, einen meiner Lieblingsbegriffe in den Schmutz zu ziehen und sich dabei nicht einmal die Mühe machten, mir zu erklären, warum sie dies taten.

Nach meiner heutigen Recherche liebe ich den Begriff „Über-Kollaboration“, weil

  • er griffig ein Phänomen beschreibt, das ich bis heute nur mit vielen Worten umschreiben konnte,
  • Adam und seine Co-Autoren mir Ideen verraten haben, dass es Möglichkeiten gibt, die Über-Kollaboration in den Griff zu bekommen.

An dieser Stelle bin ich neugierig. Hast Du Über-Kollaboration schon einmal selbst erlebt und wenn ja, wie bist Du damit umgegangen?

 

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