Die Macht des Atems – Oder die Frage können wir Angst kontrollieren?

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Wichtige Dinge

Es gibt Dinge im Leben die sind wichtig und es gibt Dinge im Leben die sind es nicht. Ich für meinen Teil neige dazu mich mit allen möglichen neuen Dingen zu beschäftigen und wichtige Dinge auszublenden. So finde ich neues Wissen in allen möglichen Bereichen spannend, mache mir aber über wichtige Dinge nur wenig Gedanken. Wichtige Dinge wir zum Beispiel das Atmen. Denn Atmen ist so selbstverständlich und natürlich für mich, dass es gar nicht auf meinem Radar der möglicherweise spannenden Dinge erscheint. Zum Glück habe ich

Natalie H. Rogers: Frei reden ohne Angst und Lampenfieber

gelesen. Dank Natalie habe ich gelernt, dass Atmen so viel mehr kann, als uns nur mit Sauerstoff zu versorgen. Atmen kann uns helfen unsere Angst in den Griff zu bekommen.

Kontrolle

Doch bevor wir uns anschauen wie wir mittels unserer Atmung unsere Angst regulieren können, schauen wir uns erst einmal an wie unsere Atmung überhaupt funktioniert, bzw. wer sie kontrolliert, wenn wir es nicht tun.

Das Autonome Nervensystem

Lachen
„Einatmen, Ausatmen“

Das autonome Nervensystem ist für unsere Atmung zuständig. Es heißt autonom, weil wir nicht darüber nachdenken müssen was es tut. Es steuert lebenswichtige Aufgaben wie Atmung und Herzschlag und sorgt so dafür, dass wir die Zeit haben uns um andere Dinge kümmern zu können. Denn wenn wir uns den ganzen Tag damit beschäftigen müssten unserem Herzen „Schlag jetzt, schlag jetzt, schlag jetzt“ und unserer Lunge „Einatmen, Ausatmen, Einatmen, Ausatmen“ zu sagen, würden wir wohl verhungern.

Das autonome Nervensystem unterteilt sich in zwei Untersysteme:

  1. Das sympathische Nervensystem
  2. Das parasympathische Nervensystem

Sympathisches Nervensystem

Wegrennen

Das sympathische Nervensystem ist für körperliche Erregungen zuständig. Wenn wir Stress haben sorgt es dafür, dass uns mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, indem es Herzschlag und Atmung beschleunigt. Dank dem sympathischen Nervensystem haben wir also all die Energie die wir zum Weglaufen brauchen, wenn der vermutete Säbelzahntiger hinter dem Busch ein realer ist. Dank beschleunigtem Herzschlag und beschleunigter Atmung, die in dem Moment begannen in dem unsere Vermutung aufkam, können  wir aus dem Stand schnell rennen.

Parasympathisches Nervensystem

Das Parasympathische Nervensystem ist der Gegenspieler des sympathischen Nervensystems. Es sorgt dafür, dass die vom sympathischen Nervensystem verursachte Erregung wieder reduziert wird, wenn sie nicht mehr gebraucht wird, weil der vermutete Säbelzahntiger doch nur unser Höhlenmenschkollege war, der im Busch Beeren gesammelt hat.

Ein Dreamteam im Schichtwechsel

Angst
Angst

Das sympathische und das parasympathisches Nervensystem arbeiten zusammen. Wichtig zu verstehen ist, dass immer nur eines von beiden aktiv ist. Sobald eine Situation entsteht die Angst erfordert, löst das sympathische das parasympathische System bei der Arbeit ab und übernimmt die Kontrolle.

Angstsituationen kontrollieren

Herz
Herz

Um unsere Angst in den Griff zu bekommen, müssen wir also irgendwie dafür sorgen, dass das parasympathische Nervensystem die Kontrolle zurückbekommt. Doch wie machen wir das? Wir können ja schlecht unserem Herz sagen: „Schlag gefälligst langsamer.“

Was wir allerdings sehr wohl können, ist unsere Atmung zu kontrollieren. In einer Angstsituation können wir uns bewusst machen, dass wir schnell Atmen und der schnellen Atmung aktiv entgegenwirken. Um das zu tun übernehmen wir die für die Atmung erforderliche Muskulatur und zwingen uns tief durch die Nase einzuatmen und langsam durch den Mund auszuatmen. Wenn wir diese Art der Atmung lang genug aufrecht erhalten, übernimmt das parasympathische Nervensystem die Kontrolle und die Angstreaktion verschwindet.

UPDATE vom 22.08.2019: Dank Twitter habe ich eine „Mini Meditation“ mit Atem Übung vom Angstlotsen entdeckt, die nur 150 Sekunden dauert und damit auch für meine Geduldsspanne gut geeignet ist: https://www.angstlotse.de/2019/03/13/mini-meditation-to-go/ .

Wer hätte gedacht, dass es manchmal so einfach sein kann? Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber den Satz „Atme mal tief durch.“ werde ich von nun an mit anderen Augen sehen. 😉