Erhöht die Pille das Thrombose Risiko für Frauen um 500%?
Dies ist ein Beitrag, der sich ganz klar für die Anti-Baby-Pille ausspricht. In meinen Augen ist diese Pille, die wir einem katholischen Arzt verdanken, eine der größten Erfindungen der Geschichte der Menschheit. Ich selbst habe sie über 2 Jahrzehnte genommen, ohne je eine Thrombose erlitten zu haben.

In
Gerd Gigerenzer: Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft.
bin ich über die Information gestolpert, dass es in Großbritannien eine Zeit gab, in der Frauen die Pille absetzten, weil sie 1995 aus den Nachrichten erfahren hatten, dass dieses Medikament das Risiko einer Thrombose um 100% erhöht. Diese Entscheidungen hatten für einige Frauen, die nach dem Absetzen ungewollt schwanger wurden, heftigere Folgen. Sie mussten entweder eine Abtreibung vornehmen lassen, oder hatten ein Kind. Gerd schreibt, dass es im Jahr nach dem Erscheinen dieser News in England und Wales zu geschätzten zusätzlichen 13.000 Abtreibungen kam.
Das dramatische an der Geschichte ist, dass Schwangerschaften und Abtreibungen ebenfalls mit einem Thromboserisiko verbunden sind. Gerd schreibt:
„Paradoxerweise bergen Schwangerschaften und Abtreibungen ein größeres Thromboserisiko als die Pillen der dritten Generation.“ S. 17.
Gerd geht es in seinem Buch darum die Risikointelligenz seiner Leser zu schärfen. Genau wie sein „Rauchen vermindert Brustkrebssterblichkeit“-Beispiel, das wir uns vor einiger Zeit angeschaut haben, war die Meldung über die Pille zwar korrekt, aber dennoch irreführend.
Wie eine tote Person mehr, zu 100% mehr Toten werden

Um zu verstehen was hinter den 100 % mehr Toten steht, nimmt Gerd die Pillenstudie von damals genau unter die Lupe. Die Studie hatte herausgefunden, das 1 von 7.000 Frauen, die die Pille der zweiten Generation nahmen, eine Thrombose bekamen. Bei der Pille der dritten Generation bekamen 2 von 7.000 Frauen eine Thrombose. In absoluten Zahlen gesehen, stiegt die Zahl der Erkrankten von 1 auf 2. In relativen Zahlen gesehen stiegen die Erkrankungen um 100%.
Aus irgendeinem Grund kann ich bis heute keine Prozentrechnung, weshalb ich mir immer gern den Online Blitzrechner schnappe, um Dinge nachzurechnen. Mit seiner Hilfe habe ich folgendes rausgefunden:
- 1 von 7.000 sind: 0,01429 % (gerundet: 0,01 %)
- 2 von 7.000 sind: 0,02857 % (gerundet: 0,03 %)
Aus der gleichen Studie hätte man also auch Schlagzeilen wie „0,03% der Frauen, die die Pille der dritten Generation nehmen, erkranken an Thrombose“ machen können. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Schlagzeile keine Frau dazu motiviert hätte die Pille abzusetzen.
Gerd schreibt was von 100%, im Titel des Blogbeitrages steht was von 500%, was soll das?

Gerds Studie stammt aus dem letzten Jahrtausend und beschäftigt sich mit der Pille der dritten Generation. Als ich begann die Pille zu nehmen nahm ich eine Pille der vierten Generation. Also habe ich im Internet nach dem Risiko meiner damaligen Pille gesucht und bin auf dieser Seite der Techniker Krankenkasse fündig geworden. In einer kleinen übersichtlichen Tabelle erfahren wir, dass in einem Jahr etwa 2 von 10.000 nicht schwangere und nicht hormonell verhütende Frauen eine venöse Thromboembolie erleiden. Bei Frauen, die die Pille der vierten Generation nehmen sind es 9 bis 12, oder dramatisch ausgedrückt (um die Dramatik zu steigern nehmen wir natürlich die 12 nicht die 9) 500% mehr als ohne hormonelle Verhütung. Mit unserem Blitzrechner schrumpft diese enorme Zahl wie folgt
- Ohne hormonelle Verhütung – 2 von 10.000 sind: 0,02 %
- Mit Pille der vierten Generation – 12 von 10.000 sind: 0,12 %
Fazit
Ich hoffe dieser Beitrag hat gezeigt, dass die 100% von Gerd und die 500% von mir kein guter Grund sind die Pille abzusetzen.
Nach unserem heutigen Beitrag bin ich fast schon froh, dass mir die Sache mit der Prozentrechnung nicht aufgeht. Weil ich solche Probleme mit Prozenten habe , frage ich mich meistens ganz automatisch was genau jetzt gemeint ist und vertraue den Zahlen nicht, weil ich sie nicht fühlen kann. Meine Unfähigkeit zu rechnen, schützt mich davor in Panik zu verfallen.
Ach ja übrigens, ich habe gerade mal ausgerechnet, dass die Anzahl der Verkehrstoten 2021 in Deutschland gerundet bei 0,00% lag. Das sind mal krasse Nachrichten, oder? Hier ist die Basis meiner Berechnung:
- Laut Statistischem Bundesamt war 2021 das Jahr mit den wenigsten Toten im Verkehr. Es starben 2.562 Menschen.
- Laut Statistischem Bundesamt lebten Ende 2021 83,2 Millionen Menschen in Deutschland.
- Die Daten im Blitzrechner: 2.562 von 83.200.000 sind: 0,00308 % (gerundet: 0,00 %)
Wer weiß, vielleicht kommt ja irgendein Nachrichten Medium bald auf den Trichter Nachrichten in Form von meinen Blitzrechnerberechnungen zu veröffentlichen.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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