Gehen Banker freiwillig mit Obdachlosen essen?

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WERBUNG: Das Buch das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Geschenk vom Autoren erhalten.

Schließe einmal Deine Augen und stelle Dir einen erfolgreichen Banker vor, der unglaublich viel Geld verdient:

  • Welche Kleidung trägt er?
  • Hat er eine Frau? Hat er Kinder? Wie sehen diese aus?
  • In welcher Stadt wohnt er?
  • Hat er ein Haus oder einer Wohnung? Wie sieht es/sie aus?
  • Was für ein Auto fährt er? Wie hoch ist sein monatliches Gehalt?

Jetzt stell Dir vor wie Dein Banker über eine Einkaufsstraße läuft und hier auf einen Obdachlosen trifft. Was passiert? Dein Banker…

  • … geht an dem Obdachlosen vorbei und nimmt ihn fast nicht wahr.
  • … gibt dem Obdachlosen ein wenig Geld.
  • … fragt den Obdachlosen ob er etwas zu essen oder zu trinken braucht und geht dies für ihn kaufen.
  • … geht mit dem Obdachlosen essen.

Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber ich konnte mir bis jetzt nur die ersten drei Szenarien vorstellen. Das vierte Szenario hätte ich als Fiktion aus einem Film verortet. Doch dann habe ich

Sylvia Löhken & Tom Peters: Begegnung im Gespräch. Wie Sie mit Worten Beziehung gestalten

gelesen und von „Everybody eats“ erfahren.

Wo Banker mit Obdachlosen gemeinsam essen

Teller, Gabel, Messer, Besteck
Teller

Everybody eats ist eine Veranstaltung in Auckland in  Neuseeland auf der sich jeden Montag sage und schreibe 250 Banker und Obdachlose treffen um miteinander zu essen. Die Speisen bestehen aus Lebensmittelspenden, die von ehrenamtlichen Köchen zubereitet werden.

Banken

Für die Obdachlosen ist dieses oftmals die einzige Gelegenheit an ein gutes warmes Essen zu gelangen. Doch  viel wichtiger als das Essen sind die Gespräche zwischen den Banker und den Obdachlosen. Hier treffen zwei Erfahrungswelten aufeinander, die in der „realen“ Welt oft nur wenig Begegnungspunkte haben und wenn doch selten auf Augenhöhe.

Die  Gespräche während des gemeinsamen Essens finden auf Augenhöhe statt, in denen beide Seiten einen wertvollen Einblick in die Welt des jeweils anderen bekommen. Durch diese Gespräche bekommen Bänker und Obdachlose plötzlich ein Gesicht hinter dem sich eine individuelle Reise verbirgt. Diese unterschiedlichen Geschichten bringen beide Seiten einander nähr, denn manch einer stellt fest, dass er eine gemeinsame Geschichte mit seinem Gegenüber teilt. Vielleicht sind beide in die gleiche Schule gegangen oder beide haben Kinder oder oder oder. Sind erst einmal erste gemeinsame Geschichten entdeckt entsteht eine Nähe die manchmal ein erster Schritt sein kann um das Leben der beiden grundlegend zu verändern.

Die Geschichte hinter dem Event

Essen
Lebensmittel

Es war einmal ein Student namens Nick Loosley. Nick studierte Grüne Ökonomie und schloss sein Studium mit einer Master Arbeit über Lebensmittelverschwendung ab. Durch Recherchen fand er heraus, dass das kleine Land unglaubliche Mengen an Lebensmitteln verschwendete. Lebensmittel, die einfach ungenutzt in den Müll wanderten. Gleichzeitig gab es in Neuseeland viele Menschen, die nicht genug zu Essen hatten. Während seiner Recherche besuchte er andere Länder und fand heraus, dass diese das Verschwendungsproblem besser im Griff hatten als Neuseeland. Dieser Umstand ließ den Studenten auch nach dem Abschluss seines Studiums nicht mehr los und so entschied er sich Everybody Eats ins Leben zu rufen.

Doch nicht nur Banker und Obdachlose können Everybody Eats nutzen. Das Event steht jedem offen, der es besuchen möchte, vorausgesetzt es ist an diesem Abend noch ein Platz frei. Die Kosten für das Event sind abhängig vom jeweiligen Besucher. Jeder Gast zahlt einfach so viel er möchte, oder auch einfach nichts.

Fazit

Ich habe allein schon deshalb hohen Respekt vor den Bankern, weil ich zu dieser Leistung nicht in der Lage wäre. Wie sieht es mit Dir aus? Kannst Du Dir vorstellen einmal die Woche gemeinsam mit Obdachlosen zu essen? Oder kennst Du sogar ähnlich geartete Veranstaltungen in Deiner Nähe?