Weißt Du was ein Spielraum ist?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom O’Reilly Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Spielen

„Spielen ist nur etwas für Kinder, Erwachsene müssen arbeiten und sich um den Ernst des Lebens kümmern.“ Kommt Dir der Satz bekannt vor? Mir ist er in der Vergangenheit immer mal wieder begegnet und irgendwie hat er mich traurig gemacht, denn das mit dem Ernst des Lebens klingt einfach nicht besonders vielversprechend.

Zu meiner großen Freude begegnet mir dieser Satz heute kaum mehr. Ganz im Gegenteil, heute begegnen mir Bücher wie

Dave Gray & Sunni Brown & James Macanufo: Gamestorming. Ein Praxisbuch für Querdenker, Moderatoren und Innovatoren

reale Welt

die uns zeigen, wie wir dank Spielen unsere Jobs besser machen können. Nein, ich meine jetzt nicht über den inzwischen berühmt berüchtigten Kicker Tisch, der in jedes Start-Up Foyer gehört. Ich meine Spiele wie Brainwriting (Ja, Du hast richtig gelesen Brainwriting ist ein Spiel.) und Co., die uns dabei helfen Aufgaben zu lösen, indem wir die reale Welt ein Stück weit verlassen und den Spielraum betreten.

Was ist ein Spielraum?

Sicher im Straßenverkehr dank Regeln

Um zu verstehen was ein Spielraum ist, müssen wir uns einmal die reale Welt anschauen. In der realen Welt gibt es Regeln, die jeder von uns kennt und die wir in der Regel nicht in Frage stellen. Wenn wir in der realen Welt einen Stift in die Hand nehmen und ihn fallen lassen, wird er zu Boden fallen. Diese Regel ist unumstößlich. Sie ist ein Naturgesetz. Dann gibt es noch von Menschen geschaffene Regeln, wie zum Beispiel die Regel, dass wir stehen bleiben, wenn die Ampel rot ist und uns erst wieder in Bewegung setzen, wen sie auf grün schaltet. Diese Ampelregel sorgt dafür, dass sich viele Menschen gleichzeitig auf ein und dergleichen Straße bewegen können, ohne dabei ständig Gefahr zu laufen verletzt zu werden.

Wenn wir spielen lassen wir die Regeln der realen Welt hinter uns. Wenn wir spielen erschaffen wir eigene Regeln. Eigene Regeln wie die beim „Mensch ärger Dich nicht“ nur dann das „Haus“ verlassen zu dürfen, wenn wir eine sechs gewürfelt haben. In dem Moment, in dem wir die Regeln der realen Welt abstreifen und die Regeln des Spiels aufstellen und akzeptieren betreten wir den Spielraum.

Die Bank bekommt das Geld

Jedes Spiel hat einen individuellen Spielraum. Im Spielraum von „Mensch ärgere Dich nicht“ ist es völlig okay die anderen Mitspieler am erfolgreichen Absolvieren einer Runde zu hindern. Beim Monopoly ist es völlig okay unseren Mitspielern das letzte Hemd zu nehmen. Beim Brainwriting können wir die absurdesten Gedanken aufschreiben, die wir normalerweise nicht äußern würden, weil sie utopisch sind.

Im Spielraum legen wir unsere Identität ein Stückweit ab und werden je nach Spiel zu Kapitalisten, Rauswerfern, Helden, Drachen usw. Das Spiel mit seinem Spielraum schenkt uns die Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln, die wir im realen Leben nicht sammeln könnten. Wir können im Spiel viele Strategien testen und wenn wir mit einer dieser Strategien scheitern mögen wir das Spiel verloren haben, im echten Leben ist uns aber nichts passiert. Denn am Ende eines Spiels verlassen wir einfach wieder den Spielraum und befinden uns in der realen Welt, die sich durch das Spiel kein Stück weit verändert hat.

Die Welt hat sich nicht verändert, aber wir!

Wenn wir den Spielraum verlassen endet das Spiel. Die Spielregeln, die gerade noch galten, werden von den Regeln der realen Welt ersetzt und so ist auf den ersten Blick wieder alles beim Alten. Doch auf den zweiten Blick gibt es einen Unterschied. Denn durch das Spiel mag sich die reale Welt nicht verändert haben, doch was sich durch das Spiel verändert hat sind wir. Dank des Spielens haben wir eine Erfahrung gesammelt und diese nehmen wir in die reale Welt mit.

Jetzt verstehe ich

Selbst bei den banalsten Spielen können wir Erfahrungen sammeln, die uns in der realen Welt helfen können. So habe ich zum Beispiel beim „Mensch ärgere Dich nicht“ eine Menge über menschliches Verhalten gelernt. Ich habe gelernt, dass unterschiedliche Menschen unterschiedlich mit Gewinnen und Verlusten umgehen. Dank „Mensch ärgere Dich nicht“ habe ich viel über Motivation und Demotivation gelernt. Diese Erfahrungen in der realen Welt zu sammeln hätte mich viel Zeit gekostet. Dank des Spielens konnte ich diese Erfahrungen in wenigen Stunden sammeln.

Jedes Spiel schenkt uns also nicht nur einen individuellen Spielraum, sondern einen ganz individuellen Lernraum.

Fazit

Lasst uns mehr spielen! Spielräume geben uns im wahrsten Sinne des Wortes den Raum uns und/oder unser Unternehmen zu entwickeln. Dank Spielen können wir im Job neue Ideen entwickeln. Dank Spielen können wir uns selbst entwickeln. Dank Spielen können wir gefahrlos Fehler machen und aus ihnen lernen. Dank Spielen können wir diese Welt auf ein völlig neues Level bringen.